Milano-Sanremo 

Radfernfahrt "Mailand-San Remo"

Meinungen, Kommentare und Berichte

Ein Bericht von Paul Güntensperger

Mailand – San Remo 2019

Unser aktivster Fahrer von unserem Fahrrad Club  RC Kirchberg / SG / Schweiz, Marco Gehrig wollte zu seinem 60. Geburtstag etwas Spezielles mit dem Rad unternehmen. So schlug er vor, an Mailand – San Remo 2019 teilzunehmen. 3 weitere Personen, Daniel Schmocker, Ruedi Egli und Paul Güntensperger folgten seinem Aufruf.

Bei der Anmeldung und mit den Vorinformationen war uns dann Günther Kulessa sehr behilflich. Alle 4 Fahrer haben sich individuell sehr intensiv auf dem „Velo“ vorbereitet. Marco war und blieb bis zum Schluss unser Leader. Er übernahm auch die Aufgabe des Auto-Fahrers. Von Kirchberg ging es mit dem Auto über Chur, Tessin nach Mailand. Dafür benötigten wir nicht die üblichen 5 Stunden sondern deren 7 Stunden, infolge Staus zwischen Chur und dem Tessin. Auch vor Mailand war teilweise stockender Straßenverkehr.

Um 1515 Uhr sind wir dann vor dem Hotel Ripamonti Residence glücklich eingetroffen. Div. Personen wiesen uns auf die Parkplätze ein. Mich beeindruckten die top Fahrräder und die sportlichen Radfahrer welche mir ein bisschen Angst für die 295 km machten. Das Einchecken war etwas schleppend, dafür war die Ausgabe der Startnummern sehr gut organisiert. Wir bezogen unsere 2er-Zimmer und bereiteten Velo und unser Gepäck bereits auf den kommenden Tag vor.

Das Abendessen war sehr reichhaltig und gut. Zur Freude von uns gesellte sich die schnellste Frau des Anlasses zu uns, wie sich am nächsten Tag herausstellte, und ein sehr erfahrener Rennfahrer aus Deutschland an unseren Tisch, welcher uns über seine Rennerfahrung erzählte.

Das Morgenessen ließ keine Wünsche offen. Gestärkt begaben wir uns am Sonntag um 0630 zum Startort, welcher innerhalb des Hotelareals lag. Pünktlich um 0700 startete die erste Gruppe. Wir starteten in der 2. Gruppe, 10 Minuten später, mit fast allen Fahrern von Günther Kulessa. Der Himmel war bedeckt und die Temperatur angenehm mit 14 Grad.   

Unser Feld blieb grösstenteils bis vor dem Anstieg zum Passo del Turchino zusammen. Der Schnitt betrug über 36 km/h. Die Strassen waren ok und die allermeisten Fahrer sehr rücksichtvoll. Während den ersten Km musste das gesamte Feld einige Male an den Ampeln anhalten, was natürlich den Rhythmus und Harmonie im Feld etwas störte. In den ersten Km gab es auch einen Sturz; er sollte nicht der letzte gewesen sein, den ich gesehen habe. Trotzdem darf gesagt werden, dass die Strassenposten den sehr schwierigen Job sehr gut gemeistert haben. Ich war überrascht, wie diszipliniert die Abfahrten von allen Fahrern gemeistert wurden. Etwas Unordnung gab es als die Spitze der 3. Gruppe unsere 2. Gruppe einholte.  Bei den späteren Einholungen gab es uns jedoch auch die Chance einige Km mit diesen mitzurollen und zu sehen wie die vorausfahrenden Motorräder die Strecke für uns frei machten – selbst Rotlichter konnten damit für uns grün gemacht werden! Die Fahrten durch die die Dörfer war für uns Fahrer, aber auch für die anderen Verkehrsteilnehmer und Fussgänger etwas gefährlich. Der Regen, der einige Male einsetzte, machte die Strassen rutschig und so konnte ich in einem Kreisel nur knapp 2 vor mir stützenden Fahrern ausweichen. Nach kurzem Stopp setzte die Gruppe die Fahrt fort. Es schien, dass sich die Gestürzten nicht grösser verletzt haben.

Die ersten 100 km waren flach, danach an der Küste hügelig. Auch fürs Auge gab es an der Küste einiges zu sehen. Bei den schönen Dörfern und Stränden hätte man ja schon gerne einmal angehalten, wäre da nicht der Drang vorhanden gewesen, möglichst schnell San Remo zu erreichen. 295 km durchzustehen war ja schon eine grosse Herausforderung für uns. Jeder von uns hatte so seine kleineren oder grösseren körperlichen Probleme unterwegs.

Die Verpflegungsposten waren gut, wobei schon einige Fahrer aus den mitfahrenden Autos oder Streckenposten verpflegt wurden. Ich hatte ein technisches Problem am Fahrrad. Leider konnte ich weder einen mobilen Reparatur Service noch einen Posten an den Verpflegungsposten finden. Ich finde, dass mindestens an den 3 Posten dieser Service angeboten werden sollte.

Wir aller waren glücklich, gesund und zufrieden die Ziellinie überfahren zu können, und von den netten Damen die Medaille ausgehändigt bekommen zu haben.

Anschliessend gaben wir unsere Batches ab und parkierten die Velos im sehr gut organisierten Velo—Parkplatz. Nach einem Boxenstopp in den naheliegenden Bars, stärkten wir uns mit Pasta, um dann müde den ca. 6 km langen Weg ins Hotel  Nyala, etwas oberhalb der Stadt, in Angriff zu nehmen. Dort eine Dusche und dann das ausgiebige Abendessen mit allen Kulessa Teilnehmern. Schon um ca. 2230 gings zum Schlafen.

Bereits am Morgenessen um 0730 lachte man wieder über die Strapazen des Vortages.

Nach dem Beladen des Busses und dem Gruppenfoto fuhren wir mit den Fahrräder zum Strand, wo der Fahrradanhänger zum Beladen stand. Ca. 10.00 Uhr fuhren wir in San Remo ab. Etwa 5.5 Stunden später erreichten wir – mit Zwischenhalt -  wieder Mailand, wo wir uns von den Kollegen verabschiedeten und in unseren PKW umstiegen. So gegen 21.30 erreichten wir, bei strömendem Regen, müde aber glücklich und zufrieden Kirchberg SG/Schweiz.

Es war für uns alle ein grosses Erlebnis, an welches wir uns immer gerne zurück erinnern werden.

Danke an die Organisatoren und Helfer in Italien, aber auch an Günther Kulessa, welcher uns sehr gut betreut hat.

Paul Güntensperger

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Ein Bericht von Ulrich Zimmermann

Mailand – San Remo 2019

Mailand - Sanremo ist mit fast 300 Kilometern das längste Eintagesrennen im Radsport. Ende März fahren die Profis und Anfang Juni findet die Radtouristik für Jedermann statt.

Die Radtouristik fiel dieses Jahr (2019) auf den Pfingstsonntag. Der Start liegt etwas außerhalb von Mailand in Pieve Emanuele vor dem Hotel Ripamonti. Die Strecke entspricht in großen Teilen dem Profi-Rennen. Das Ziel liegt nicht oben am Poggio, sondern unten in Sanremo.

Günther Kulessa organisiert schon seit vielen Jahren regelmäßig eine Busreise von Frankfurt nach Mailand und von Sanremo nach Frankfurt zurück. Hier gibt es verschiedene Optionen (Busreise, eigene Anreise, Rücktransfer nach Mailand, Übernachtung in Mailand oder Sanremo etc.). Mehr Informationen finden sich auf seiner Homepage (www.milano-sanremo.net).

Ich habe mich für seinen Service entschieden, da er die komplette Organisation übernimmt. Lediglich die Startunterlagen musste ich selber abholen.

Am frühen Samstagmorgen bin ich mit dem Auto nach Frankfurt gefahren. Um 5:00 Uhr ging es nach Verladen der Räder in den Busanhänger Richtung Mailand. Die Rennräder sind in dem Anhänger sicher untergebracht, wenn das Einladen dem Busfahrer überlassen wird. Übervorsichtige können ein Tuch zur Befestigung mitbringen und den Reifendruck absenken. Das halte ich aber beides nicht für erforderlich. Bei mehreren Zwischenstopps stiegen weitere Teilnehmer zu. Da sich vor dem Gotthardtunnel ein langer Stau gebildet hatte, ging es über den San-Bernardino-Pass und wir erreichten etwa eine Stunde später als erwartet Mailand, was auch am Pfingstreiseverkehr lag.

Nach dem Abendessen im Hotel, das ebenso wie das Frühstück und Zielverpflegung in Sanremo sowie ein Trikot in der Startgebühr von 87 Euro enthalten ist, ging ich früh zu Bett. Sowohl das Doppelzimmer in Mailand als auch in Sanremo hatte ich für mich alleine, da mein Zimmerpartner kurzfristig abgesagt hatte.

Die Rennräder sind im Hotel in Mailand und in Sanremo auf den Zimmern toleriert. Die Räder auf dem verschlossenen Zimmer abzuschließen, halte ich nicht für erforderlich.

Das Frühstück ab 5:00 Uhr im Hotel gab es wieder als Buffet.

An der Sattelstütze habe ich den Transponder befestigt. Auf dieser Radtouristik wird die Fahrzeit ermittelt, aber es gibt im Ziel keine Bestenliste. Die Fahrzeiten werden alphabetisch zur Verfügung gestellt.

Über die Treppe war ich Sonntagmorgen schneller im Erdgeschoss als mit dem Aufzug. Zuerst habe ich das Gepäck zum Bus gebracht, danach das Fahrrad nach unten getragen.

Der Start der etwa 700 Teilnehmern erfolgt seit ein paar Jahren nicht mehr als Massenstart, sondern in vier Startblöcken ab 7:00 Uhr mit je 10 Minuten Abstand. 7:10 ging es für mich los. Die Geschwindigkeit liegt am Anfang zeitweise über 40 km/h schwankt aber häufig. Am Anfang begleiteten zwei Motorräder den Startblock und sorgten dafür, dass an roten Ampeln, Vorfahrtsstraßen und Kreisverkehren durchgefahren werden konnte.

Die Straßen in Italien weisen z. T. große Schäden auf. Nach etwa 30 km war mein Vorderrad dadurch platt. Nachdem ich die Bereifung ausgiebig kontrolliert hatte, konnte ich einen Schaden durch einen Fremdkörper ausschließen. Ursache war ein Durchschlag wegen eines Schlaglochs. Der Schlauch war schnell gewechselt. Mit der kleinen Pumpe am Rennrad dauert es lange bis lediglich 2 bar aufgepumpt hatte. Ein Fahrer eines Transporters aus der Slowakei hielt an und erledigte den Rest. Kaum hatte ich das Werkzeug wieder eingepackt, rauschte der nächste Startblock vorbei, dem folgte ich bis zur ersten Verpflegung bei 130 km. Die Strecke war bis dahin flach. Jetzt ging es nicht sehr steil zum 530 m hohen Turchino Pass, den ich bald erreichte. Nach der Durchfahrt des Tunnels auf Passhöhe ging es rasant in vielen Kehren bergab ans Mittelmeer in Genua. Da ich bergab eher vorsichtig fahre, überholten mich auf der Abfahrt etwa ein Dutzend Teilnehmer. Ab Genua ging es fast flach nach Sanremo. Wegen des schönen Wetters und dem Sonntag war auf den Straßen viel los. Um zügig voranzukommen, war es vielfach nötig in der Straßenmitte zu fahren

Die weiteren Verpflegungspunkte waren bei 200 und 250 km. Die letzte Verpflegung war kurz nach Capo Berta, der steilsten Stelle der Strecke. Kurz vor Ende ging es noch zweimal bergauf Cipressa (knapp 250 m) und Poggio (fast 150 m). Danach war das Schlimmste überstanden. Nach etwas unter 10 Stunden (Bruttofahrzeit) war ich zusammen mit 690 Teilnehmern im Ziel, wo mir direkt eine Medaille umgehängt wurde. Fünf Euro Pfand gab es für die Rückgabe des Transponders. Nach der Zielverpflegung ging es mit dem Rad weiter zum Hotel. Die Fahrt mit dem Hotelshuttle hätte wegen des hohen Verkehrsaufkommen länger gedauert.

Das Zimmer im Hotel war nur über drei verschiedene Aufzüge oder einen Aufzug und zwei Treppenhäuser zu erreichen. Da ich es nicht eilig hatte, brachte ich Rad und Gepäck getrennt aufs Zimmer. Der kommende Morgen sollte noch eine Überraschung bieten.

Nach dem Frühstück stellte ich érst das Fahrrad am Vorplatz vom Hotel ab. Anschließend ging ich mit dem Gepäck zur Rezeption, um die Getränke vom Vorabende zu begleichen. Als ich wieder vor das Hotel kam, waren die Kollegen mit dem Rad zum Busanhänger, der auf einem Parkplatz am Meer stand, aufgebrochen. Der Bus wollte gerade losfahren als ich kam. Mein Rad kam in den Gepäckraum und ich bin mit dem Bus zum Anhängerparkplatz gefahren.

Wegen des Feiertagsverkehrs (Pfingstmontag) dauerte die Rückfahrt nach Frankfurt etwa drei Stunden länger als vorgesehen. Gegen 02:30 war ich zurück in Frankfurt.

Das Rennen findet nächstes Jahr wieder zur gleichen Zeit. Es wäre schön, wenn sich jemand mir anschließen würde. Auf dem Weg mit dem Auto nach Frankfurt könnte ich zwei Begleiter/innen mitnehmen.

Ulrich Zimmermann

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Ein Bericht von Ulrich Zimmermann

XII. Mailand – San Remo am 10.06.2018

Leider kam dieses Jahr wegen zu geringer Nachfrage keine Busreise zustande. So fuhr ich dieses Mal per PKW mit Günther, dem Organisator der Busreise, nach Italien.

Zum ersten Mal habe mit dem Kocmo Randonneur (mit Rohloff-Schaltung) an der Veranstaltung teilgenommen. Im Flachen sind 45 km/h oder etwas mehr im Feld kein Problem. Rund 50 km konnte ich dem Feld folgen. Nach einer kurzen Steigung war das Feld unerreichbar. Das wiederholte sich zweimal mit den beiden nachfolgenden Startblöcken.

Dass ich das Tempo nicht mitgehen konnte, lag neben dem höheren Gewicht des Fahrrads (Nabendynamo, Beleuchtung, Gepäckträger, Schutzbleche, Mini-Standpumpe) auch an der Lenkertasche in der ich neben der Verpflegung und zwei Ersatzschläuchen, die nicht erforderlich waren auch ein Bügelschloss mitgenommen hatte. Im Zielbereich gab es erstmals einen abgesperrten Bereich, in dem die Räder sicher untergebracht waren.

Zum ersten mal wurde das Feld ab dem Start an jeder roten Ampel angehalten. Daran habe ich mich auch bis zum Ziel gehalten, was dazu führte, dass ich den Anschluss an manche Gruppe „verpasste“.

Auch Günther war das Tempo zu hoch, und er hielt bei einem Belgier (?), der Probleme mit seinem Rad hatte. Ich entschied mich, auch zu halten. Die Schrauben vom Vorbau hatten sich gelöst. Mit Günthers Inbus-Schlüsseln war das Problem nicht zu lösen, da er keinen 2,5 mm Schlüssel hatte. Ich konnte aber aushelfen und der Teilnehmer konnte seine Fahrt fortsetzen.

Bei Kilometer 120 „verlor“ ich das rechte Pedal. Leider gab es an der ersten Verpflegung wenige Kilometer später keinen Ersatz. Vor einigen Jahren hatte ich keine 500 Meter nach der Panne das gleiche Problem gehabt. Daher wusste ich, dass es, auch wenn noch 180 km zu fahren sind, möglich ist, langsam auf der Pedalachse die Radtouristik zu Ende zu fahren. Die beiden letzten Anstiege habe ich auch noch bezwungen und war nach etwa 12 ¼ Stunden im Ziel. Im Vorjahr war das „Spaß“ schon zwei Stunden vorher zu Ende.

In Mailand schien am Morgen die Sonne und es war etwa 20° warm. Im ersten Drittel der Fahrt stieg das Thermometer auf etwas über 30°. Auf dem Anstieg zum Turchino Pass war es wolkig und oben sogar neblig. Bergab nach Genua wurde es mit 18° recht kühl, bis San Remo wurde es wieder wärmer (bis 25°). Auf der ganzen Strecke blieb es trocken.

Hoffentlich klappt es 2019 wieder mit der Busreise. Weitere Informationen auf der Seite: www.milano-sanremo.net

Fazit: Das Kocmo ist für lange Distanzen gut geeignet, aber für „Rennen“ zu langsam. Nächstes Jahr nehme ich wieder das Rennrad und hoffe, wieder „etwas früher“ in San Remo anzukommen.

Ulle

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Ein Bericht von Toni Kling

Milano –Sanremo

Ein Sonntagsausflug in Italien.

Hektisch und heiß………..7.10 Uhr, 21 °C, Start in 200er Blöcken, ich stand im 2. Block, die Spannung stieg nun doch. Start 7.10 Uhr, mit zwei Motorradfahrer vorneweg, die ein wenig den Verkehr anhielten, vor allem in den Kreiseln, und den entgegenkommenden Autos signalisierten, etwas langsamer zu fahren………. Da ich aus Berichten im Internet wusste, dass es sehr hektisch zugeht und die Straßen sehr schlecht sind, war ich während der ersten 50 km immer an 5. Stelle, hinter zwei Tandems und zwei Einzelfahrern. Durchgängig mit entspannten ca. 145 Puls und 150 Watt. Die ersten 50 km waren entgegen dem Bericht im Internet eher ruhig und gleichmäßig, ca. 38 bis 45 km/h schnell, geprägt von leichten „Positionskämpfen“ mit Mitfahrern, die anscheinend nicht so oft in einer Gruppe fahren. Die Straßenverhältnisse: Tja, Loch an Loch, zum Teil recht groß und tief, ich hatte in weiser Voraussicht Alufelgen mit 25iger Contis montiert und nur 7 Bar gepumpt bei 82 kg. Das war auch gut so, denn trotz dass ich aus diesem Grund extra vorne gefahren bin und in Kauf nahm, weniger Windschatten als in hinteren Positionen zu bekommen, bin ich oft genug durch Löcher gefahren. Handzeichen kennen unsere Italienischen Freunde nicht bzw. es war manchmal so schlecht, dass man den Lenker eisern festhalten musste. Alle paar Meter standen Radfahrer, die Ihre Durchschläge behoben…… Trinken und schnell ein Gel rein ging nur, wenn mal ein Stück Straße kam, das für 100 m kein Loch aufwies.  ………. Ab km 50 wurde es unruhiger. „Die“ Italiener bremsen vor dem Kreisel, eiern durch, treten dann für 200 m an und setzen sich dann wieder hin. Das führt zu Leistungsspitzen bis zu 800 Watt………….. Das ging so weiter bis zum Turchino-Pass. Dort habe ich mich aus der Gruppe ausgeklinkt, habe die Gruppe und auch Kollegen aus meiner „Reisegruppe“ fahren lassen und bin mein Tempo gefahren, mittlerweile war es schon recht heiß. Und die ersten 100 Km wurden in ca. 3 Std. 16 Min. gefahren, bei zum Teil ordentlichem Wind von vorne.……… Nach zwei Drittel des Anstiegs habe ich einen Brunnen zum Kühlen genutzt, Kopf in den Trog und reichlich Wasser über den Rest……… Dann kam nach ca. 130 km die erste von 3 (!) Verpflegungsstellen. Auch hier viel Flüssigkeit in und auf den Körper. Auf dem Pass angekommen ging es flott abwärts Richtung Küste. Und hier traf man dann um ca. 11 Uhr auf viele, sehr viele Leute die zu Fuß, mit dem Auto oder der obligatorischen Vespa bzw. dem Roller zum Strand wollten. Und der Wind, überwiegend von vorne oder von der Meer-Seite kommend, war auch schon da. Das Gute war, man hatte die Hälfte hinter sich. Allein oder mal in einer Gruppe ging es dann am Meer entlang Richtung Sanremo. Wobei allein, man stelle sich eine sonntägliche Mischung aus innerstädtischer Hauptverkehrsstraße und Fußgängerzone zur Rushhour vor, plus viele Italienische Rollerfahrer, dann hat man einen Eindruck wo man(n) sich bewegte. Am schlimmsten war es auf den ersten 30 km, dann wurde es stellenweise etwas ruhiger. Rote Ampeln, Fußgängerüberwege, stehende Autokolonnen in den zahlreichen Ortschaften - es waren ja noch ca. 135 km ab dem Eintreffen auf der Küstenstraße zurück zu legen. Da breite ich den Mantel des Schweigens drüber.

In der rechten Wade hatte ich die letzten vier Wochen vor dem Start schon das Gefühl einer Zerrung. Das wurde natürlich während der Fahrt nicht besser, wurde aber von den leichten Krämpfen in beiden Waden, die sich ab dem Tuchino einstellten überdeckt. Alles in allem ging es recht flott voran, der Schnitt lag immer noch deutlich über 30 km/h, auch wenn ich weite Strecken alleine gefahren bin, die einen waren zu langsam, die andern waren zu schnell. Denn, wer denkt: Küstenstraße, schön flach dahinrollen, der war noch nicht an der Italienischen Riviera zwischen Genua und Sanremo unterwegs. Zum Teil richtig miese Rampen führen oft um die Ortschaften herum. Eigentlich nicht so schlimm, aber nach 200 km………………Und das Schöne an Mailand Sanremo ist, die Hälfte der knapp 2000 Höhenmetern kommen auf den letzten gut 50 km. Cipressa (etwa 20 Kilometer vor dem Ziel auf 240 Meter Höhe gelegen) und der Anstieg nach Poggio di Sanremo (rund sechs Kilometer vor dem Ziel auf 162 Meter Höhe gelegen). Sind die zwei letzten und bekanntesten Anstiege, vorher kommt noch Capo Berta (130 m). Trotz der zum Teil heftigen Krämpfe, die ich unterwegs hatte, die sich aber auch wieder lösten, unter andern durch den fleißigen Einsatz von Salztabletten, gingen die letzten drei Anstiege ganz gut, ich konnte andere Mitfahrer überholen, auch Solche die ich schon im Ziel wähnte und nach einer schnellen Abfahrt ging es das letzte Mal auf die Küstenstraße, die Via Aurelia und die letzten 2 km bis ins Ziel, inkl. dem obligatorischen Zielsprint.

Mein Ziel einer netto Fahrzeit auf den 296 km inkl. knapp 2000 hm von 10 bis 12 Stunden habe ich mit 9 Std. 37 Min. erreicht, plus 18 min an den sehr vollen Verpflegungsstellen macht brutto 9 Std. 55 Min., ohne ………………

Um die 300 km voll zu machen bin ich noch 6,5 km auf dem Weg zu Hotel gefahren. Dieses lag natürlich auf einem Hügel mit einem Anstieg von ca. 800 m Länge mit stellenweise 8 % Steigung.

 

Apropos Hotel: Wenn man mal das Gefühl wie ein Profi genießen will, ab Frankfurt zum Hotel direkt am Start transportiert zu werden, am nächsten Tag nur aufs Rad steigen, fahren und am Zielort entspannt übernachten und montags wieder nach Hause gefahren zu werden, dann macht es so wie ich es gemacht habe, ich bin mit Günther Kulessa aus Frankfurt unterwegs gewesen, er organisiert alles, inkl. der sehr komplizierten Anmeldeprozedur in Italien, und vor allem, zum Selbstkostenpreis. Und man lernt viele, nette, Interessant Mitfahrer kennen.

Zu den Verpflegungen: Es gibt nur Süßes. Ich hatte 2 x 1 Literflaschen am Rad und ein 0,7 L Flasche im Trikot, da kommt man gut hin, braucht man aber auch. Wenn man überlegt, das ein kleiner Radsportverein aus Sanremo das Ganze auf die Beine stellt, inkl. knapp 300 km Strecke ausschildern, und das war sehr gut, dann Hut ab davor.

 

Mein Fazit, man MUSS Mailand-Sanremo einmal gefahren sein, aber insgesamt muss man die ganze Zeit extrem konzentriert sein. Die Gegend genießen, wie es bei anderen Marathons möglich ist, kann man hier nicht. Falls jemand darüber nachdenkt hier zu starten, ich hatte ca. 3.500 km in diesem Jahr in den Beinen und damit ging es ganz gut.

Toni Kling, Mainz - 2017

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Eine Bericht von Stefan Thiele

Noch einmal herzlichen Dank für die gute Organisation durch dich und deine „Helfer“.
„Das habt ihr/Du sehr sehr gut gemacht!

Ehrlich gesagt bin ich mit anderen Erwartungen an die Radfahrt gegangen, als die, die ich gemacht habe.
Erschrocken war ich von der Straßenverhältnissen auf den ersten, ca. 70 Kilometern. So viele Plattfüße (nicht in den Radschuhen) habe ich nicht erwartet.
Das Verlieren von einer meiner Radflaschen (von vier ‘n) und meiner CO2 Patronen kann ich gut verschmerzen! Ich habe einfach Glück gehabt!
Andere aus meiner Gruppe hatten da weniger Glück!

Den Empfang durch Sportbegeisterte im Ziel, aus meiner Sicht, den habe ich mir auch anders vorgestellt.
Wenn Mann/Frau nicht auf den Tacho geguckt hätte, hätte man durchfahren können. Das Ziel war auf einmal da!
Keine Musik, kein Sprecher, …….. Das habe ich anders erwartet, aber vielleicht habe ich auch zu viel erwartet!

Trotz Allem hat es sehr viel Spaß gemacht!

Nach einer Nettofahrzeit von 9h 21min., bin ich mit meiner Leistung zufrieden und glücklich die Fahrt ohne Sturz, nur mit einem Plattfuß, beendet zu haben.

Ich ziehe meinen Hut vor jedem Sportler der sich der Herausforderung stellt die knapp 295 Kilometer und 1900 Höhenmeter in „Angriff“ zu nehmen.

Die „Führung“ durch die Motorradfahrer und die Beschilderung waren sehr gut!
Die Helfer bei der Startunterlagenausgabe waren sehr nett!

Als Verbesserungsvorschläge möchte ich machen, um den Fahrraddiebstahl einzugrenzen, sollte man eventuell bei dem Hotel mal fragen, ob nicht ein Raum zur Verfügung gestellt werden könnte indem die Räder, unter Bewachung, abgestellt werden können.
Bei dem Veranstalter würde ich anregen, so kenne ich es von Marathonveranstaltungen, hinten auf den Startnummer Felder aufzudrucken, wer soll im Notfall benachrichtigt werden, z.B. die Frau (Telefonnummer), oder ob der Teilnehmer eventuell Medikament nimmt.
Im Falle eines Sturzes, bei Bewusstlosigkeit, finde ich solche Angeben eine nützliche Sache.

Vielen Dank nochmal an Dich Günther und dein Team.

Viele Grüße
Stefan Thiele - 2017

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Eine Meinung von Harry Weiss

Hallo Günther,

ich möchte mich nochmal ganz herzlich für deinen Einsatz und deine perfekte Organisation bedanken.
Es war einfach super! Tolle Veranstaltung, aufregendes Erlebnis, bleibende Eindrücke
und perfekt durchgeplant! Ich bin total begeistert, weiter so.
Einfach ein Riesen Spaß - das hat bleibenden Eindruck hinterlassen!

Ich schicke in Kürze auch ein paar wenige Bilder die ich gemacht habe.
Hoffe es hatten alle eine gute und unbeschwerliche Rückfahrt.

VG Harry Weiss, Kürten -2017

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Mailand - Sanremo 2014 vom 08.06.14, geschrieben von Ulrich Zimmermann

Streckenführung: Mailand - Novi Ligure - Turchino Pass - Genua - Alasso - SanRemo

Höhenmeter: 2000 hm  -  Technische Schwierigkeit: mittel

Am Pfingstsonntag stand die 44. Radfernfahrt Mailand - Sanremo auf meinem Programm. Nach dem sehr guten Ergebnis vom Vorjahr in unter 9 Stunden für die fast 300 km lange Tour hatte ich mir überlegt, ob es möglich sei, dies nochmal zu erreichen. Daher war ich statt mit dem Scott Speedster mit dem Scott Plasma (etwas leichter und aerodynamischer) gefahren.

Wegen der Feiertage ging es eine Stunde früher von Frankfurt mit dem Bus los. Die Ankunft in Mailand erfolgte kurz nach 17:00 Uhr. Diesmal gab es die Startunterlagen nicht direkt im Hotel, sondern in einem Altenheim etwa 3 km entfernt. Da die Einzelausgabe der Startunterlagen zu lange gedauert hätte, ging es dann doch für die ganze Gruppe zusammen über die Bühne.

Da es sich bei der Veranstaltung nicht um ein Rennen, sondern um eine Radtouristik mit Zeitmessung handelt, finde ich die Anforderungen, die an die Teilnehmer dieses mal gestellt wurden, für stark überzogen. Erforderlich waren:
1. ein sportärztliches Attest und Gesundheitserkärung
2. ein Haftungsausschluss mit einer Kopie der Privathaftpflichtversicherung
3. eine Kopie des Personalausweises oder Reisepasses
4. eine ausgefüllte Tageslizenz mit fünf Unterschriften und
5. eine Bestätigung nicht gegen Dopingvorschriften verstoßen zu haben und dies auch nicht zukünftig zu machen (in englischer Sprache)

Gestartet wurde am Sonntag erstmals in vier verschieden Startblöcken a 200 Teilnehmern. Weil es im Vorjahr wegen des großen Feldes zu schweren Unfällen gekommen war, hatte man sich dazu entschieden. Die Startblockvergabe erfolgte nach Eingang der Anmeldung. Unsere Gruppe war im vierten Startblock dabei. Vorgesehen waren als Startzeiten: 7:00 Uhr, 7:10 Uhr, 7:20 Uhr und 7:30 Uhr. Die Startzeiten wurden nicht genau eingehalten, so dass wir schon um 7:20 losfahren konnten. Wegen der persönlichen Zeitmessung an Start und Ziel war das unbedeutend.

Von meinen acht bisherigen Teilnahmen war ich ein sehr hohes Tempo am Anfang gewohnt. Bei Geschwindigkeit von weit über 40 km/h war es bisher nicht immer einfach an der Gruppe dranzubleiben oder Löcher zuzufahren. Diesmal war es anders, das Tempo schwankte anfangs zwischen 32 und 38 km/h. Das verleitete mich dazu, an der Spitze zu fahren. Nachdem ich gemerkt hatte, dass dies zu keinem schnelleren Tempo führte, habe ich es beendet.

Bisher war für das Spitzenfeld die Strecke durch Streckenposten und Motorradmarshalls gesichert, diesmal musste trotz Motorradbegleitung vor einer roten Ampel gehalten werden, wahrscheinlich weil die Absperrung nur für den ersten Startblock aufrecht erhalten werden konnte.

Bis Kilometer 113 konnte ich problemlos mit den Schnellsten in meinem Startblock mithalten. Dann merkte ich in der Kurve, dass der Luftdruck im Hinterrades allmählich nachließ. Die Sonne schien den ganzen Tag und ich war froh, ein schattiges und befestigtes Plätzchen gefunden zu haben, um den Schlauch zu wechseln. Ein paar aus meiner Gruppe kamen vorbeigefahren und fragten, ob ich Hilfe bräuchte, was ich verneinte. Die Kontrolle des Reifens ergab keine fühlbare Ursache. Spätestens jetzt war eine gute Zeit außer Reichweite, zumal ich vorher eine von vier gefüllten Trinkflaschen wegen Straßenschäden verloren hatte und ein zusätzlicher Stopp erforderlich wurde.

Danach ging es für mich alleine weiter. Den ersten von drei Verpflegungspunkten ließ ich noch aus. Bald danach erreichte ich den Turchino-Pass (mit 530 m der Höhepunkt der Tour bei etwa ½ Strecke). Der Luftdruck auf dem Hinterreifen schien mir hier hinten etwas geringer als vorne. Daher entschloss ich mich, die Abfahrten vorsichtig anzugehen.

Ab Genua ging es fast durchgehend am Mittelmeer entlang. Wegen des guten Wetters und des Feiertags waren die Straßen in den Ortschaften starkt von PKWs und Motorrädern frequentiert. Auch dadurch wurde das Vorankommen verlangsamt.

Wegen des letzten Startblocks kamen leider keine Gruppen von hinten, so dass ich den größten Teil der Strecke alleine fahren musste. Wegen der hohen Temperaturen (26 – 34°) habe ich die letzten beiden Verplegungsstellen zum Auffüllen der Trinkflaschen genutzt.

Nach etwa 270 km kam der vorletzte Anstieg (Cipressa: etwas über 200 hm mit 4 – 7% Steigung). Trotz der Hitze kam ich hier noch gut klar. Vor dem letzen Anstieg (Poggio 130 hm mit 4 – 6 % Steigung) war ich ziemlich erschöpft und erwägte diesen Anstieg auszulassen. Dass ich noch ein Gel bei mir hatte, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Mit letzter Kraft erreichte ich den „Pass“ danach ging es nur noch bergab zum Ziel in Sanremo. Die beiden letzten Anstiege hätte ich auch auslassen können, da im Gegensatz zu den Vorjahren dort keine Zwischenzeiten gemessen wurden. ;)

Die Gruppe Kulessa stellte auch diesmal die größte Mannschaft, was mit einem Pokal sowie sechs Flaschen Olivenöl und drei Laufradsätzen honoriert wurde. Die Sachpreise wurde später auf der Rückfahrt im Bus verlost. Ich hatte das Glück, einen der Laufradsätze zu gewinnen. Da nach acht Jahren die Hinterradfelge durchgebremst war, erfreute mich dieses Los sehr.

Fazit: Bei den äußeren Bedingungen (hohe Temperatur und viel Verkehr) und einer Panne ist auch mit dem schnellen Rad nicht mehr möglich. Nächstes Jahr findet die Radfernfahrt wahrscheinlich Ende April statt, da ein Start zwischen Anfang Mai und Ende Oktober wegen der Expo in Mailand nicht genehmigt wird. Dann darf wieder das Rennrad ran. Eine Zeit von unter 10,00 Stunden sollte dann möglich sein

Über eine Teilnahme weiterer Mitfahrer im nächsten Jahr würde ich mich freuen. Günther will die Organisation auch im nächsten Jahr wieder übernehmen. Vielen Dank dafür.

300,85 km, 10:03 Std. (Nettofahrzeit), 57 km/h max.

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Ein Bericht von Robert Hermanowski - 2014

Mal gleich am Anfang: eigentlich bin ich nur wegen Günther Kulessa mitgefahren. Die Empfehlung kam von Koni, Frankfurter Urgestein der Radmarathoninfizierten. Und der sagte zur mir: "Klasse organisiert von Günther, klasse Stimmung, das musst Du machen". Also hab ich es gemacht und kann sagen: er hat Recht gehabt. Vielen Dank an Günther!

Nun kann ich mal eine eher seltene Beschreibung abgeben, was denn hinten im Feld so passiert, denn ich gehöre eher zur langsamen Truppe. Allein meinem Rad ist schon anzusehen, dass Rekorde nicht mein Ding sind: ein 10 Jahre altes Alurad, ein drittes Ritzel vorne (jaja, ein Rettungsring. Aber ich habe es noch nie den Berg hochschieben müssen und bin schon an einigen Fußgängern mit Carbonrad vorbeigefahren), ein Triathlonlenker für aufrechtere Haltung, ein Gelsattel. Also 7.30, es geht los. Noch schnell ein Cappuccino am Start, damit ich auf Touren komme. Wusch, schon ist das Feld weg, aber das ist ja nichts Neues für mich, gleich von 0 auf 40 km/h, dafür reicht ein Kaffee allein nicht. Also mein Tempo fahren, vielleicht finde ich ja Gleichgesinnte. Fand ich aber nicht. Die eine Truppe war sogar mir zu langsam, so dass ich daran zweifele, ob die noch im Hellen angekommen ist, denn die Erfahrung zeigt: nach mir wird es eng. Die andere Truppe fuhr zwar in meinem Tempo, aber war es wohl nicht gewohnt, in Formation zu fahren, so dass sturzbedingt immer wieder leichte Carbonräder durch die Luft flogen, war mir zu gefährlich. Da kein großer Gegenwind war bin ich dann doch die meiste Zeit alleine gefahren, immer im selben "Tempo", wie ein Duracellhäschen. Nach ca. 200 km mit über 30 Grad wurde klar, dass meine Taktik  richtig war, denn einige Schnellstarter mussten sich der Hitze ergeben: ein extrem teures Pinarello mit einem kotzenden Fahrer ist kein würdiger Anblick. Tja, wir da hinten sind langsam, aber das mit Würde. Die Fahrt am Meer bekommt fast Ausflugscharakter, blaues Meer, Sonne, dicht bevölkerte Strände. Vereinzelt Plaudereien mit Gleichgesinnten. Ein Italiener mit einem älteren Olmo, der vor 15 Jahren schon mal mit diesem Rad dabei war. Ich frage ihn, ob er bei Frauen auch so beständig ist, was er bejaht: damals Freundin, jetzt Ehefrau. Tja, wir da hinten sind eher die konstanten Typen. Kurz vor San Remo ein Schild: noch 5 Kilometer. Da ich keinen Tacho habe, der mich nur frustriert, denke ich: geschafft? Denkste! Ein freundlicher Streckenposten schreckt auf wie er mich sieht, ist wohl schon länger keiner mehr vorbeigefahren, und lenkt mich in die Berge. Nun gut denke ich mir, werden sich dabei was gedacht haben. Hab ja meinen Rettungsring dabei, mit dem ich den Berg hochzockele. Und sieh da, ich überhole noch zwei Fahrer, von denen ich später im Hotel erfahre, dass die sich gar nicht kannten. Der vordere Fahrer hat viel Erfahrung und seinen Mitfahrer seit 100 km geschleppt, sonst hätte der längst aufgegeben, er sah wirklich nicht mehr ganz taufrisch aus. Tja, bei uns da hinten gibt es noch so was wie Solidarität, wo findet man das sonst. Es stellte sich heraus, dass dieser Berg keine Abkürzung sondern eine Schikane war, aber ist ok, bin ja nicht zum Spaß hier. Endlich geht es bergab, Richtung San Remo, und dann die freudige Überraschung: die Zeitmatte liegt noch da, ich bin in der Wertung. Rekorde müssen es ja nicht sein, aber ganz ohne Ehrgeiz bin ich natürlich auch nicht. 300 km, 12:54, ich bin glücklich, denn eigentlich war mein Ziel nur, im Hellen anzukommen. Nun ist es noch taghell und ich bin in der Wertung, was will man mehr. Stefan spendiert mir 1,5 Liter Wasser, Mannomann kann kaltes Wasser lecker sein, wenn man den ganzen Nachmittag nur warme Cola getrunken hat.

Fazit: hat total Spaß gemacht,  sehr zu empfehlen!

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Mailand - San Remo 2014
Ein Bericht von Christoph Wiehenkamp

Erlebnisbericht......

Freitagabend.....20 Uhr ab ins Bett, vorschlafen, klappte aber nicht richtig..... gegen Mitternacht dann alles verpackt inkl. Frau und ab ging es in Richtung Frankfurt (HR 3).........3,30 Uhr vor Ort geschmeidig angekommen.....gute Stunde auf Bus und Orgachef Günther gewartet.........fachmännisch wurden unsere Radhardware und Koffer auf Bus und Hänger verteilt und los ging es gen Süden......Mailand rief ja......unterwegs auf der Strecke diverse Radsportverückte noch eingeladen und gegen 17 Uhr dann entspannt am Hotel in Milano angekommen.....man darf sagen, dass wir hinten im Bus eine lockere Gesprächsrunde hatten und alles sehr kurzweilig war.....Expertengespräche halt.....plus meine Frau die gar keine Ahnung vom Radsport und Touren hat, aber immer ne Meinung zum Thema.....dann vor Ort noch das letzte Zettelchen gegen die Mafia unterschrieben und schon waren wir bei sehr lauter Musik auf dem örtlichen Dorfplatz, komplett angemeldet.....nen flottes Foto für den Veranstalter und ab ging es ins Hotel......hier unser Zimmer bezogen und mal die eingebaute Dusche ausprobiert...... danach zu einer leckeren reichhaltigen Pastaparty mit anschließenden Absacker Bier im Garten und so gegen 10 Uhr ins Bett........endlich schlafen.......6 Uhr Wecken bei mir und ab zum leckeren Frühstück......hier waren die meisten Kollegen schon durch und so waren Anke und ich ziemlich alleine und konnten in Ruhe den langen Tag beginnen.............

Start wie üblich in Gruppen.......kennt man ja von den RTF`s ....gegen

7,30 Uhr unser Startschuss und ab ging es bei mir mit einem 35er Schnitt gen Süden.....unterwegs dann der übliche Sturz durch Unachtsamkeit eines Radsportlers, aber Glück gehabt und dran vorbei gekommen........nach ca.135 km endlich eine Labestation.......war genug für alle was dabei und weiter ging es......nach der Passhöhe dann einen geniale Abfahrt gen Genua und weiter auf der Küstenstraße mit viel Meerblick nach Sanremo......hier im Ziel gleich nen lecker Bier gestemmt und gut war es.....Finisherphoto und hoch per Rad zum Hotel......natürlich wie üblich verfahren und 2x den letzten Berg erklommen, was soll es, so hatte ich am Ende 302 km auf dem Tacho stehen.....hier dann die Badewanne  voll laufen lassen und ein wenig entspannt...... kleines Abendessen, es ging bei der Hitze nichts Festes mehr in mich hinein, aber wieder in ner großen Runde ein leckeres Becks als Tagesabschluß genossen.....plus vielen Expertengesprächen....klasse....morgens dann flott Rad für den Transport hergerichtet und das letzte Frühstück eingenommen....und ab ging es gen Heimat...auch wieder hinten im Bus mit vielen Fachgesprächen, wobei die zwei Mädels hinten ihre eigenen Fachgespräche führten, da muss man sich dann raushalten.....gegen 5 Uhr Dienstagmorgen in das eigenen Bett gefallen und den Dienstag als Urlaubstag auf der eigenen Holzterrasse bei Weizenbier und Beine hochlegen genossen....

Fazit (mit Noten)

Wetter (5)...viel zu heiss für mich Norddeutschen (+37°), darum mit Krämpfen ins Ziel und unterwegs für mich untypisch zweimal Nasen bluten, nicht so schön, könnte ja Flecken auf dem Trikot geben.....

Verpflegung unterwegs (4)......zu wenig Verpflegungsstationen auf dem ersten Streckenabschnitt, gerade bei dem extremen Wetter....am Ende bin ich dann in einen Supermarkt und habe mir ne eiskalte Cola rein gezogen.....herrlich..........

Streckenprofil (3)......durchschnittlich.....die letzten zwei Anstiege in der Hitze, die hatten noch mal was.....

Straßenbelage (4-).....unterdurchschnittlich........

Verkehr (6).....für mich ne Katastrophe......viel zu Laut und chaotisch....

Hotel Milano (3).....Essen (2), vor allen Dingen die Pastaparty.....

Hotel Sanremo (1)....wir hatten die Hochzeitsuite und man konnte das Meer sehen......Essen (3)......

Bus, Hänger und Fahrer (1+).....Extraklasse.......

Orgachef Günter (1+)......Mensch hast du dir viel Arbeit gemacht.....

 Verlosung (1)....weil prima Preise.....

 Ps:

Fahre gewiss noch mal runter an das Mittelmeer zum  Radfahren, aber nicht mehr diese Tour, da ist mein Haken dran....ist so ein Motto von mir.......Dankeschön an alle die dies lesen, war ein tolles Pfingstwochenende für Tupperanke und mich, man sieht sich vielleicht ja mal wieder......................Fotos sind auch Klasse......ein Teil kommt als Photocollage an die Wand bei mir zu Hause....... 

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Bericht eines „Kofferträgers“

Milano-Sanremo 2013 mit Günther Kulessa

Je öfter man mit Günther Kulessa den Rad-Klassiker Mailand-Sanremo fährt, desto routinierter und entspannter agiert man - auch im Vorfeld, z.B. beim Packen,Rad vorbereiten und so weiter.

Schon am Start-Parkplatz in Frankfurt viele bekannte Gesichter und das eine oder andere noch nicht gesehene Superneuschönneidischwerd-Rad. Endlich hat man seine „Herde“ wieder gefunden und macht sich zusammen auf den Weg „ins große Tal“ und zu den „zähen Bergen“.
Der gute Hirte Günther und sein treuer Begleiter Busfahrer Andy, unser Italien-Spezialist haben die Unterwegs-Verpflegung, diverse Getränke und Snacks, am Tag zuvor geladen und nach dem behutsamen Fixieren der Räder im Spezial-Busanhänger ging es sofort los.
Erstaunlich, wie genau der Zeitplan erstellt und fast auf die Minute eingehalten wurde – auch noch nach 1800 km.
Klasse Management...sollten sich beim Airport Berlin anwerben lassen! Die Fahrt war lang, dunkel und dösig...um ca.17:00 Uhr war man, wie geplant angekommen.
In Milano – dem Hotel, vor dessen Pforten der Start der Tour statt finden wird. Bequemer geht es definitiv nicht!
Unverschwitzt und mit perfektem Outfit tritt man aus dem Hotel und geht direkt in den Startblock gegenüber. Höchstens muss mal die Feuertreppe zu Fuß genommen werden, da der Aufzug um die Startzeit meist blockiert ist.
Als außenstehender Begleiter und Nichtfahrer, konnte ich dann die Insider-Tricks beobachten;
man stellt sich gegenüber der Startmenge auf und reiht sich n a c h dem Startschuss gemütlich und lässig, von der Seite kommend vorne ein. Kann man auch noch auf vielen, weiteren Metern der Startgeraden praktizieren.
Wer's braucht!
In Deutschland ginge eine solche „Lässigkeit“ ganz und gar nicht...
man würde beschimpft, gelyncht oder schlimmer!
Hier nimmt niemand Anstoß – im Gegenteil;
es wird gegrüßt, Platz gemacht und viel „Forza“ gewünscht...
Forza bedeutet so viel wie Kraft/Stärke und hat Nichts mit irgendwelchen Winden zu tun.
Überhaupt kann man sagen, dass das Fahrverhalten der hiesigen Autofahrer die gleiche Toleranz und Radbegeisterung Italiens wiederspiegelt.
Nach dem Motto:“ Der Deutsche fährt, wo es erlaubt und der Italiener, wo Platz ist!“
In Deutschland wird ein Radfahrer auch gerne mal maßregelnd vom Rad geholt oder vorsorglich in den Graben gedrängt; auf keinen Fall wird man wegen dem radelnden Hindernisdepp über eine durchgezogene Linie fahren!
In Italien, wenigstens zwischen Milano und Sanremo, nehmen auch die Polizisten, sofern es irgend geht, positiven Anteil an dem dynamischen, schnellen Jedermann-Event und versuchen die Radler sicher über rote Kreuzungen zu leiten. Begleit-Vespas des Hauptfeldes drängen den Gegenverkehr von der Ideallinie und machen den Weg frei!
Grandioso!!!
Ebenso an den Verpflegungsstellen freundliche, begeisterte Helfer und Helferinnen...
also wieder das Italien-Wohlfühlprogramm gebucht, wenn da nicht...
300 km und 1 größerer und 5 kleinere Anstiege vor einem liegen würden.
Das Wetter und der Wind spielten diesmal ziemlich gut mit und die Meisten kommen mehr oder weniger trocken, auf jeden Fall wohlbehalten ins Ziel - Arrivo!
 

Ich stand im Zielbereich und versuchte von möglichst allen Teilnehmern Fotos zu machen;
Scusi!
Es ist mir nicht gelungen und hat mehrere schlechte Gründe:
- die neue teure Technik (noch) nicht im Griff
- die Kulessa-Fahrer konnten nur erkannt werden, wenn sie im Team-Outfit fuhren
(an dieser Stelle möchte ich bemerken, dass Mannschafts-Trikots in einer Gruppenaufstellung sehr beeindruckend, professionell und psychologisch gefährlich wirkten.)
- die Sonne ließ nach und ich gab ab ca 17:00 Uhr das Fotografieren im Platzregen auf. Meine Haut schien im Gegensatz zu der Haut der Radfahrer nicht wasserdicht zu sein! Im Ziel herrschte babylonisches Sprachgewirr; emotionales Italienisch begleitet von hochtheatralischer Gestik(ein Augen-und Ohrenschmaus), Niederländisch, Norwegisch, englisch, schottisch,schweizerisch, hessisch, schwäbisch, bayrisch und fränkisch!
Rechts hinter den Zielmatten, im Sporteventhaus Palafiori Corso Garibaldi, bekam man Pasta, Dolce, Cappuchino, Vino, Aqua und Zuspruch.
Hier fanden auch ab ca. 18:00 Uhr die Siegerehrungen statt. Das Team um Günter Kulessa erhielt den 1.Platz der Teamwertung und neben einem wunderschönen Pokal und Blumenbukett gab es dafür jeweils drei Reifen, Luftpumpen und Helme...Klasse!
Diese Preise wurden auf der Rückfahrt von Capitano Günther uneigennützig unter den Teilnehmern verlost.
Auf einem idyllischen Rastplatz entdeckte er das ideale Plätzchen um die Tombola abzuhalten; mit hübsch gestalteter Blümchenschale, sehr lauschig gelegen an einer netten Tanke.
Glücksfee Elisabeth zog die Startnummern der glücklichen Gewinner. Erwähnenswert ist, dass Elisabeth quasi zur Grundausstattung dieser Tour gehört. Sie hatte(u.a.) die 25te oder mehr Milano-Sanremo-Tour erfolgreich hinter sich gebracht hat; und zwar mit einem gefühlt „antiken“ Rad, mit Satteltasche und Maskottchen.
Eine sehr sympatische Anti-Ausstattung - angesichts geballter Spitzentechnik. Absolut subjektiv gemeint und nicht repräsentativ für meine Renn-Begleitung Konrad Hötschl. Günther zauberte zum Anstoßen noch ein Sektchen aus dem Bus und die Gemeinschaft stieß glücklich auf die unfallfreie, erfolgreiche Teilnahme an.
Salute!
In eigener Sache eine kleine Berichtigung...es erschien mir wichtig den gleichen Busplatz wie auf der Hinfahrt zu bekommen...ich stelle fest, es wäre nicht wichtig gewesen.
Dazu gelernt.
Vielen herzlichen Dank an Günther, dass er mit soviel Herzblut in der Freizeit einen so tollen Job macht und dieses Rad-Event liebevoll und professionell organisiert.
Herzliche Grüße an den souveränen und sicheren Busfahrer Andreas und seine Frau Kathlen und an alle Team-Kollegen und Kolleginnen.
Über einen radfreien Tag in Sanremo oder 30 km weiter in Monaco könnte man mal nachdenken.
Bis zum nächsten Jahr...gleicher Ort – andere Zeit.
Ute Pfeffer
(wer Schreibfehler findet darf sie behalten)

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Mailand - San Remo 2013

Ein Bericht von Uwe Trick

Dann will ich auch mal berichten. Nach 2011 noch mal ein Start bei dem Italienischen Klassiker. Da es aber sehr viele Wiederholungstäter gibt, ist das nichts Besonderes. Als Einzelfahrer das alles organisieren wäre wohl mehr als aufwendig, mit Günther geht es super entspannt.

Samstag Anreise in Mailand. Hotel ohne Flair, aber 4 *** und direkt am Start. Könnt fast nicht besser sein. Feuertreppe ist auch gleich da, somit braucht man sich am Morgen nicht am Aufzug anstellen. Alles gut zu wissen und wichtig.

Meine Voraussetzungen waren nicht so gut: Vorbereitung eher schwach, weniger km als vor 2 Jahren und nur einmal mehr als 100 km gefahren. Mein Ziel, schneller zu sein wird schwierig mit knapp so 2000 km Vorbereitung. Aber manchmal kommt es anders als man denkt. Ich kenne die Strecke und bekomme meinen Plan ziemlich perfekt umgesetzt.

1. Früh an den Start. Um 06.10 stand ich so in der 3. Reihe vorne, umgeben von Italienern und Holländern mit Material, dass man neidisch werden könnte. Mit stärker konturierten Waden und weniger Gewicht. Egal. Ich steh halt auch da. Als es los geht, bin ich gleich ziemlich weiter hinten, da sich einige von der Seite rein drängen. Aber am 1. Kreisel, der komplett zu umfahren ist, kürzt vor mir ein Italiener innen ab. Also dem nach und schon wieder vorne dabei…

2. Vorgabe: Mitschwimmen, dabei bleiben. Nicht jede Spitze voll mitgehen. Langsam Plätze verlieren ist ok. Aber das Plätze verlieren geht schneller als einem lieb ist und trotz vollem Einsatz rutsche ich immer weiter nach hinten, einfach weil ich die Spitzen beim Antreten gar nicht voll mitgehen kann. Da fehlt einfach Power. Man merkt, dass viele Rennen fahren. Die fahren durch Lücken, die für mich nicht da sind. Wieder andere sind dabei, die können keine Spur halten, was bei so einem riesen Feld immer wieder zu Geschrei - Bremsen - dann wieder Antreten führt. Bei jedem Kreisel oder Hindernis aufs Neue.

Irgendwann bin ich doch recht weit hinten, komme aber durch glückliche Fügungen immer wieder vor. Einmal dient auch ein Gehweg dazu. Das Feld steht fast und ich rase einem auf dem Gehweg hinterher ums Eck und bin plötzlich wieder gut platziert. Prima.

Manchmal leuchtet unterwegs ein rotes oder schwarzes Kulessa Trikot aus vergangenen Tagen, man klopft sich auf die Schultern, freut sich und hat wieder zusätzliche Motivation. Die ist nötig, denn außer high-speed hat der erste Teil bis zum Turchino wirklich fast nichts zu bieten. Es gibt noch die ständigen Gefahr, sich auf dem Asphalt lang zu machen. Leider gab es auch mehrere Stellen, wo einzelne rum lagen. Also höchste Konzentration und wie sagt Günther immer: Lieber mal einen Tritt auslassen. Ansonsten wirkt alles, Straßen, Ortschaften und Landschaft, irgendwie heruntergekommen. Nichts, warum man hier sein müsste. Erst als es den Turchino hoch geht, wird die Landschaft schöner. Am Fuß des Turchino war ich bei 38,9 km/h im Schnitt. Trotz vielem Bremsen unterwegs. Der Hammer.

3. Vorgabe. Anhalten an der Verpflegung und langsam den Turchino. Schnell Getränke auffüllen, eine Hand voll Trockenfrüchte ins Trikot, Waffel in die Hand und weiter. Standzeit an den 3 Laben zusammen ca. 5 Minuten. Den Turchino „gemütlich“ hochfahren. Erholen. Lieber von allen überholen lassen. So bin ich ihn auch (fast) gefahren. Irgendwann dann noch mit einer Gruppe mit. Oben rüber, 2 Autos und Radler überholt und dann die Straße alleine gehabt. Der Traum. Guter Belag, Kurve auf Kurve. Herrlich. Unten das Meer. Jetzt geht es richtig los und Jetzt wird es auch richtig schön.

4. Immer fahren, zur Not allein, mein bestmögliches Tempo, ohne zu überdrehen. Auch zu Beginn gibt es 2 schöne Hügel, die das Profil nicht ausweist. Schnell, nicht am Anschlag fahren. Irgendwie habe ich trotzdem immer Gruppen gehabt, wenn auch mit wechselnder Besetzung. Es macht Spaß, an der Küste entlang zu ballern. Links Autos, rechts Autos, in der Mitte durch. An vielen Kreuzungen stehen Polizisten, wo keine stehen, fahren wir trotzdem. Ich kann mich nicht erinnern, auf der ganzen Küstenstraße an einer roten Ampel angehalten zu haben. Bei größeren Gruppen ist es entspannend, weit vorne zu fahren, um Überblick zu haben und besser reagieren zu können. Wer hinten fährt muss bremsen und mehr investieren. Immer hoch konzentriert und bremsbereit. Auch hier mal einen Radfahrer auf dem Asphalt bzw. schon auf einer Bahre liegen sehen. Man hält einen Tritt inne, aber trotzdem rast alles weiter. 

Es kommen die kleinen Capos: Mele, Cervo und Berta. Ich brauche was zu trinken, muss bei der Capo Cervo an der Verpflegung anhalten. Mist. Alles fährt weiter. Auch wenn es richtig schnell geht, ist die Gruppe weg. Keine Chance. Aber ich sammle wieder andere auf, von hinten kommen welche, es ist immer bald wieder ein Grüppchen zusammen.

5. Cipressa + Poggio: Raushauen, was noch geht. Zu meiner Überraschung geht es mir richtig gut. Die Steigungen sind angenehm fahrbar. Obwohl es mir schnell vorkommt, wie ich da rauf fahre, überholen mich erst mal zwei andere (Seufz). Aber dann kommt von hinten nichts mehr. Es ist richtig schön hier und obwohl ich mit Volldampf unterwegs bin, kann ich immer wieder auch einen kurzen Blick hinunter aufs Meer geniesen. Die Abfahrten sind der Traum. Alles gute saubere Straßen mit vielen Kurven. Unten stehen jeweils mehrere Polizisten. Mit fast 50 km/h sause ich zurück auf die Küstenstraße und weiter geht’s.

Nach knapp über 9 Std. im Ziel. Ein Schnitt von sagenhaften 32,65 km/h. Das ist sonst jenseits aller Realität, und das nach 300 km. Hat Spaß gemacht. Bereits im Ziel denke ich über 2014 nach.

Uwe Trick

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Mailand - San Remo 2013

Ein Bericht von Carl Ertl

Der RTF von Mailand nach San Remo ging für mich schon etwas früher los …

… in meiner Kindheit, im östlichen Teil der Republik, gab es damals einen Film – „Schussfahrt nach San Remo“. Allerdings führte damals das Rennen von Paris nach San Remo. Ich glaube alle Kinder und Jugendlichen haben damals diesen Streifen gesehen. Und vor lachen quer in den Bänken gelegen. In diesem Zusammenhang tauchte der Name – San Remo das erste Mal in meinen Leben auf.

Viele Jahre später habe ich bei einer Benefiz Radtour einen älteren Mitradler getroffen, der an der RTF Mailand - San Remo teilgenommen hatte und diese Veranstaltung als sehr gut beschrieb. Da merkte ich, dass ich auch einmal in diesem San Remo stehen will!

Das kleine Feuer wurde „zwischendurch“ u.a. durch Eric Zabel am lodern gehalten, der dieses traditionsreiche Rennen gewann.

Und auf dem Asphalt, auf den (Schweiß-)Spuren der ‚Großen’ einmal einen Klassiker zu fahren, wäre schon eine tolle Sache.

Da ich eher ein Rad-Neuling bin, ursprünglich komme ich zwar auch aus dem Ausdauersport, habe ich mir es ziemlich lange offen gehalten mitzufahren. 300 km ist nicht mal nur, um die Ecke.

Die Vorbereitung war (wie für viele andere auch) alles andere als optimal, die Witterungsbedingungen waren in diesen Frühjahr eher suboptimal. Die ersten Kilometer auf er der Rolle waren ok, bei den längeren Strecken musste ich‚ raus, sonst hätte ich es in die ‚Birne’ bekommen.

Dennoch war ich mit der Vorbereitung zufrieden, ich wollte endlich an die Startlinie!

Am 9. Juni 2013, 7 Uhr – war es so weit! Es ging los! Und es sollte zum Schluss etwas sein Ende finden, was ich Jahre vor mir „hergeschoben“ habe!

Und dann stand ich unter den Gleichgesinnten – alle wollten nach San Remo. Einige wollten gewinnen und ich wollte ankommen.

Aufgebunkert mit Getränke und Proviant ging es los bei leichtem Nieselregen, aber alles egal. Nach 50 Minuten hatte ich drei Verletzte passiert für die der RTF zu Ende war, ein Schicksal, dass mich auf keinen Fall treffen sollte.

Aber an der Stelle wo ich fuhr war alles sehr übersichtlich. Nach bereits 20 Kilometer wurde ich „verheiratet“. Du bist mein Mann, du hast mein Tempo, ich fahre das Ding mit dir zu Ende’, waren die Worte von Erich. Und nach 296 km haben wir auch die Ziellinie gemeinsam überquert. Bei Sonnenschein empfing uns San Remo, und ich am Ziel meiner Wünsche. Die Freude ging gegen ‚plus unendlich’.

Die Quintessenz des RTF war – ich wollte ankommen – bin ich. Ich habe wettertechnisch alles erlebt was der Himmel parat hat, von Sonne bis Gewitter, natürlich alles mit seinen Zwischenstufen. Immer wieder beeindruckend wo das Wasser überall hinlaufen kann und wo es wieder herauskommt. Körperlich hat es für die Strecke genau gereicht, ich war danach völlig erledigt - nach Mailand wäre ich nicht noch einmal zurückgekommen. Und ich werde das nicht noch einmal tun. Es bleibt ein großer Respekt gegenüber allen Radfahrern, die das jährlich auf sich nehmen.

Das heißt nicht, dass ich zum ‚extrem couching’ übergehe, aber ich will mal schauen was im Leben eines fast 54-Jährigen noch geht.

Also Günther, noch einmal DANKE für alles Erlebte! Es wird eine tiefe Rille auf meiner internen Festplatte geben und auch bleiben … .

Ich wünsche dir alles Gute!

Carl und Familie

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Ein Bericht von Urs aus der Schweiz

 

Hallo miteinander

Meine erste, über den TV-Live-Konsum hinausgehende Beschäftigung mit MSR ist eine frostige: Vor ein paar Jahren beschliessen wir kurzfristig für ein paar Tage nach Umbrien zu verreisen. Beim Packen der Kleider zappe ich auf die Live-Übertragung MSR. Meine Radkleider umfassen die volle Ausrüstung für warmes und kaltes Wetter, schliesslich ist’s bei uns an Ostern saukalt. Die Profis aber, die am TV der Ligurischen Küste entlang brausten, fahren in Sommerkleidung! Nix wie weg mit den fetten Klamotten, unser Ferienziel liegt südlicher ...
Die Autofahrt durch die Po-Ebene lässt den Kleider-Entscheid bald erfrieren: Dem schlechten Wetter zuhause durch den Gotthard entronnen und Milano im Sonnenschein, dennoch: Die Aussentemperaturanzeige sinkt und sinkt – zuletzt ist auf den Hügelchen rund um Florenz Schnee zu sehen. Dass die Ausfahrten in Umbrien kalt und kurz waren, muss hier nicht weiter erläutert werden...
März 2012. Das simple Leeren der Mailbox offenbart eine Überraschung: Ein Frankfurter Freund schreibt, dass er sich für MSR2012 angemeldet habe. Meine Überraschung ist so gross, dass ich mich erst nach meiner Anmeldung erkundige, weshalb er das vorhabe. Aber eigentlich logisch: Zahlreiche gemeinsame Touren offenbaren ihn als drückenden Flachfahrer, während dem ich Hügel, Berge und Alpen bei weitem vorziehe. Nichts Schlimmeres als flach fahren, v. a. soooviel flach. Dennoch, der Reiz des Weltcupklassiker obsiegt.
Ein Hinweis zu Günthers super Reiseservice zementiert den Teilnahmeentscheid. Die hochgezogenen Wimpern des Arztes beim Kontrollbesuch können nichts aufhalten. Ab nach Milano. Die üblichen Frühlingstrainingsfahrten werden sofort flacher und länger. Ich versuche neben Arbeit und Familie einmal pro Woche eine 100er-Runde einzubauen – bis zuletzt gelingt das 9 Mal. Temperaturstürze halten mich nicht auf – nur bei Regen bleibe ich daheim. Die letzte Testfahrt eine Woche davor in den Schwarzwald über 200 Km verströmt Zuversicht. Mit etwas über 4’ Km in den Beinen sehe ich dem Rennen zuversichtlich entgegen. Ich bin mir sicher durchzukommen, 10 Std. als Richtziel wäre toll, super natürlich etwas darunter. So baue ich mir meine Ziele auf, weil ich keinen Vergleichswert habe. Ultra-Marathons mit dem Bike kenne ich, Mehrpässefahrten mit dem Rennrad ebenso – aber 300 und fast flach, ne (wer tut sich das an).
Die Fahrt mit dem Car ist komfortabel. Das etwas in die Jahre gekommene Kongresshotel wird von Radfahrenden umschwärmt wie ein Bienenstock. Leider erweist sich das Abendessen gar nicht nach der von mir so geliebten Italianità – lange Buffets, wenig Personal und matsche Teigwaren. Angesichts der vielen Teilnehmenden etwas verständlich.
Sonntagmorgen: 4h aufstehen, Magen füllen, Restkleider versorgen, auf dem Klo ‘Überflüssiges’ runterspülen, runter zum Car, Tasche verstauen und einstehen. Kurz nach 7h geht’s los. Zum Glück hört der Regen bereits im Wegfahren auf. Flott radelnd durch die flache Gegend – das hohe Tempo und die teilweise unsicheren Fahrkünste anderer bedingen volle Aufmerksamkeit. So stark, dass die Zeit im Flug verstreicht und Ovada bald den ersten Verpflegungsposten offenbart, vor dem Turchino-Anstieg. Ich habe mich längst entschieden, hier durchzufahren und erst bei Km 200 die Bidons zu füllen. Zu meinem Erstaunen halten die meisten an – so dass aus der grossen Gruppe plötzlich nur wenige mit mir im Sattel blieben. (Abends wird sich dann herausstellen, dass die erste Grossgruppe hier durchfährt). Auf den Anstieg freue ich mich schon lange, leider ist es aber kein richtiger, nur zur Passhöhe hin sind ein paar Prozente messbar...
Runter Richtung Genua. Überraschend bläst an der Küste ein seitlich eintreffender Rückenwind, der aber bald auf die erwartete (Gegen)Richtung aus West dreht. Kopf runter und durch. Im gesenkten Haupt spielt sich ein Theater ab, ein richtiges Dilemma. Gute Beine und drücken, mehrheitlich alleine, oder leicht drosseln und mit anderen zusammen auch vom Windschattenwechsel profitieren. Mit dem Theater purzeln Kilometer, aber erst nach der letzten Verpflegung bei 250 ziehe ich alleine weiter, schliesslich locken die letzten Hügel und der Gegenwind spielt dort kaum eine Rolle. Der Poggio ist dann das Gefühlsfinale, immer noch gute Beine, zahlreiche, im Schlangenstil fahrende müde Kollegen überholend Richtung Ziel drückend. Die Ankunft in Sanremo mit den vielen Zuschauenden und bestem Wetter bilden das Abschlussambiente. Nach einem Bierchen telefoniere ich meiner Frau. Ich bin stolz, auch auf die Zeit von etwas über 9h, die, meine Frau ahnt es, zuhause angekommen ziemlich rasch die Basis bilden, im 2013 nochmals fahren zu müssen. Selbstverständlich mit Günthers Service. Dir gehört wirklich ein dickes Danke! Das Finale im Hotel in Sanremo belohnt die Strapazen: Voller Genuss auf der Terrasse: Vino bianco und eine fette Zigarre – später folgen mit allen zusammen ein feines Abendessen, montagmorgens dann das Packen und ein letztes Fotoshooting.
Bis 2013! Urs

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Ein Bericht von Ingo Köster, Delmenhorst
Milano-San Remo 2011

Vorgeplänkel

Nachdem ich als Fußballinvalide (Knorpelschaden im Knie) zunächst durch Radfahren im Fitnessbereich wieder auf die Beine kam, hat sich seit der ersten Teilnahme an einem Jedermann-Rennen im Jahre 2008 einiges geändert. Im zarten Alter von 43 Jahren entwickelte sich mit dem sportlichen Radfahren unter Wettkampfbedingungen eine neue Leidenschaft. Dass meine Ehefrau (schon immer sportlich) zunehmend ebenfalls Gefallen an solchen Aktivitäten fand, macht die Sache nur noch schöner.

Vor ca. einem Jahr entwickelte sich bei einem Glas Weizenbier (nicht alkoholfrei) die Idee, an einer etwas außergewöhnlichen Radsportveranstaltung teilzunehmen. Durch die Roadbike wurde ich auf Milano-San Remo aufmerksam. Ein Hobbyrennen mit der für normal denkende Menschen unfassbar langen Distanz von 298 Längenkilometern. Die 2 Höhenkilometer fallen da ja kaum ins Gewicht ...(:-). Hier und da mal von mir erwähnt, fragte meine Frau, warum ich denn so was machen müsste. Sie hatte natürlich recht. Ich dachte mir aber, es gibt auch keinen Grund, es nicht zu tun. Durch eine Info in der Roadbike stieß ich auf den Internetauftritt von Günther Kulessa. Dadurch war die Anmeldung problemlos auch als Nicht-Italiener hinzubekommen. Die Zwischeninformationen von Günther waren stets hilfreich und willkommene Vorfreude auf mein Jahreshighlight.

Anreise/Vorbereitung

Über einen beabsichtigten Umweg (Sustenpass, Gotthardpass, Lago Maggiore) reisten wir mit dem Wohnmobil an und fanden in unmittelbarer Nähe des Startbereiches ein hervorragendes, ruhiges Nachtlager. Bei der Ausgabe der Startunterlagen konnte man schon sehr hochwertige Räder mit ihren dazugehörigen muskelstarken Fahrern beobachten. Hier nehmen wohl keine "Bratwürste" teil, wie ein Bekannter sagen würde. Respekt! Informationen von anderen Wohnmobilisten und mehrfachen Milano-Sanremo Teilnehmern erhöhten meinen Respekt vor diesem Rennen (offiziell als RTF mit Zeitnahme getarnt). Aber bange machen zählt nicht, dachte ich mir. Nachdem es dann pünktlich zum Frühstück um 5:30 Uhr begann zu regnen, war mir schon etwas mulmig zumute. Das Ziel, in ca. 10 Stunden nach Sanremo zu kommen, habe ich insofern korrigiert, dass ich den Zielort unbeschadet erreichen wollte. So sahen es auch andere Teilnehmer, die ich aufgrund der ausgehänten Namenslisten auf ca. 1.000 schätzte.

Das Rennen

Gefühlsmäßig in der Mitte einsortiert ging es dann kurz nach 7:00 Uhr los. Trotz des Regens zog ich meine Regenjacke aus, weil ich mir dachte, dass ich mir später keine Zeit gönnen würde, diese bei besserem Wetter auszuziehen. Ausserdem empfand ich den Regen nicht als kalt. Ja, jetzt konnte es wirklich losgehen. Spannende Fragen konnten geklärt werden. Sind die Strassen wirklich so schlecht? Verfahren sich aufgrund der schlechten Beschilderung tatsächlich ganze Gruppen? Werden Autos in Kreiseln zum Anhalten gezwungen? Werden rote Ampeln stets ignoriert? Werden nach 270 km vermeintlich kleine Anstiege - wie die Cipressa oder der Poggia - zu echten Bergen? Klappt es mit der Verpflegung? usw. Ich glaube, keiner der Teilnehmer wäre an dem heutigen Tag unter Nicht-Wettkampfbedingungen auf die Idee gekommen, Rennrad und dazu auch noch nach Möglichkeit ziemlich schnell zu fahren. Insgesamt regnete es auf ca. 160 km. Direktes Hintereinanderfahren war aufgrund des Wasserstrahls direkt ins Gesicht unmöglich. Es mussten also geschickt Lücken gewählt werden. Nicht immer einfach, besonders wenn dass Rennradvolk keine gerade Linie fährt, Flaschen verliert, Löchern usw. ausweichen muss. Ich zog es vor, von Beginn an ohne Brille zu fahren, da ich mit Brille bei meiner letzten intensiven Regenfahrt nur noch sehr schlecht sehen konnte. Nach ca. 23 km schien dieses Abenteuer bereits zu Ende zu sein. Ein italienischer Radfahrer vor mir kam auf gerader Strecke in Schräglage und stürzte. In dieser Sekunde wusste ich, dass ich keine Chance hatte, hier ohne Sturz rauszukommen, hatte aber auch gleichzeitig das Gefühl, dass es gut ausgeht. Ich hatte das Glück, genau mit meinem Körper auf dem Körper des Gestürzten zu landen. Wir werden wohl ein paar Meter gemeinsam gerutscht sein. Nachdem ich mich aufrichtete, dem anderen auf Nachfrage wohl auch nichts fehlte, konnte die Regenfahrt weiter gehen. Einige Fahrer aus dem Team des Gestürzten kamen zudem noch zurück. Puh. Nach kurzer Zeit erreichte ich sogar die Gruppe wieder.

Nach diesem Schrecken ging es gefühlsmäßig eigentlich ziemlich gemächlich weiter. Zwischenzeitliche Blicke auf den Fahrradcomputer zeigten mir aber an, dass wir nicht ganz langsam unterwegs waren (meistens zwischen 35 und 45 km/h). Bis zum ersten Anstieg nach ca. 125 km ergab dies einen recht respektablen 37er Schnitt. Sehr nett. Nicht so nett war, dass – wie beim Berichtschreiber Bernhard Kraas – meine Blase unverhältnismäßig früh signalisierte, dass sie sich nicht bis zur ersten Verpflegungsstelle, die bei ca. km 122 sein sollte, gedulden wollte. Das Feld nach diesem nicht eingeplanten Stopp wieder zu erreichen hat einiges an Energie benötigt, hat mich aber nicht erheblich geschwächt. Schließlich habe ich nicht nur Ausdauer, sondern auch Fahrten im Spitzenbereich trainiert. Zudem kamen einige Fahrzeuge nicht sehr zügig an der sehr großen Gruppe vorbei, so dass ich mich teilweise auch in deren Windschatten kurzzeitig "ausruhen" konnte. Es war also alles wieder gut. Zwischenzeitlich hörte es sogar mal auf zu regnen. Ich hatte mich schon so daran gewöhnt. Schon einige Zeit bevor es in den Anstieg zum Passo del Turchino ging, begann das Feld etwas zu trödeln. Da offensichtlich keiner mehr mein Tempo mitgehen wollte und ich mich pudelwohl fühlte, entschloss ich mich, das Feld zu verlassen..... Ich liebe Anstiege und so war es ein echter Genuss, diesen leicht zu befahrenen Pass (maximal 6%) mit einigen Ups and Downs zu erklimmen. Am Scheitelpunkt war es schon trocken und so konnte ich bereits bei nahezu vollständig abgetrockneter Straße die tolle Abfahrt zur ligurischen Küste genießen. Durch etwas zu langsam fahrende Autos kamen jetzt wieder einige Abfahrer zusammen. Nachdem die Autos überholt wurden, konnte die flotte Abfahrt weiter gehen. Zwei bessere Abfahrer als ich es bin, zogen dann kurz vor Erreichen der Küste weg. So waren wir an der Küste zunächst 3 später 6 Fahrer, die Führungsarbeit gestaltete sich als einigermaßen gerecht. Hier und da ein kleiner Anstieg (meistens nur 4-5%), mal etwas Gegenwind (als Norddeutscher kein Problem), die Sonne lachte, die Weste konnte ich ausziehen; so konnte es bleiben. Das von Bernhard Kraas beschriebene Szenario (rote Ampeln werden ignoriert, Autos werden zum Halten gezwungen, Autos werden im Mittelbereich der Strassen überholt) kann ich bestätigen. Allerdings hatte ich mich aufgrund der Berichte von der Kulessa-Seite aus den Vorjahren darauf eingestellt und außerdem wüsste ich nicht, wie man sich anders verhalten sollte. Dies ist schließlich ein Rennen und kein Ponyhof. Mir hat`s jedenfalls Spaß gemacht, sich halboffiziell wie ein Verkehrsrowdy zu benehmen. Mit "meiner" Sechsergruppe fuhren wir dann auf zwei weitere Gruppen auf. Das Tempo wurde wieder etwas angezogen. Die zweite Verpflegungsstation, die ich zu spät gesehen habe, ließ ich aus. Sehr sympathisch fand ich, dass vom Führungsmotorrad eine Wasserflasche gereicht wurde, welche dann für die ersten 5-6 Fahrer/in der Gruppe ausreichte. Eine Baustelle bei KM 225 zwang unsere Gruppe zu einem Zwangsaufenthalt von ca. 2-3 Minuten. Die dritte Verpflegungsstation bei KM 250 sorgte dann für eine erneute Gruppentrennung, da einige weiter fuhren. Ich versorgte mich mit Apfelschorle und Apfelsinenstücken. Da die anderen Pausenlinge noch keine Anstalten zum Weiterfahrten machten, ging ich wieder alleine auf die Reise; vielleicht konnte ich die Durchgefahrenen noch erreichen oder würde selbst wieder eingesammelt werden. Ich fühlte mich jedenfalls noch topfit und in ca. 20 km begann ja schon der Cipressa-Anstieg. Meine Verpflegung bestand überwiegend aus selbstgebackenen Haferflocken-Riegeln, einigen Kohlenhydratengels und einigen anderen Reserveriegeln. Die Apfelsinen schienen mir wohl noch weitere Energie verliehen zu haben. Jetzt lief es wie "geschnitten-Brot". Im Cipressa-Anstieg war ich voll in meinem Element. Ich zog an mehreren Fahrern in für mich erstaunlicher Geschwindigkeit vorbei. Als ein überholter Fahrer sogar "Bravo" rief, musste ich unweigerlich an unseren Joke von Mallorca denken. Für längere Ausfahrten haben meine Frau, ein befreundeter Triathlet und ich unsere Räder mit einer etwas größeren Satteltasche von Rose ausgestattet. Nicht sexy, aber ungemein praktisch. Auf Fragen, was wir denn da alles drin hätten, antworteten wir stets: "Unseren Elektromotor". Inzwischen glaubte ich, dass da heute tatsächlich einer drin wäre. Ich sammelte bis kurz vor der Scheitelhöhe alle Fahrer der vorherigen Gruppe ein und freute mich auf die Abfahrt. Allerdings fing es jetzt wieder sehr heftig an zu regnen. Da es nur noch ca. 25 km waren, zog ich mir keine Weste mehr an und fuhr so vorsichtig, wie es unter diesen Bedingungen nur geht, herunter. Ich merkte sehr schnell, dass es bei dieser Nässe kaum eine Bremsreserve gibt, falls man sich bei der Dosierung der Geschwindigkeit vor den Serpentinen verschätzt. Es lief anschließend wieder ein Gruppe zusammen, mit der ich dann auch in den Haushügel von Sanremo, den Poggio, einbog. Da ich noch genügend Kräfte in mir hatte, zog ich wiederum davon. Irgendwie schade, dies sollte schon der letzte Anstieg sein? ... jetzt nur noch die Wassermassen verdrängen und heile runterkommen. Dann ein paar Kilometer durch den Ort – das war`s. Nach 8 Stunden und 51 Minuten offizieller Zeit bin ich unversehrt angekommen.

Nach dem Rennen

Auch meine Frau ist von Milano nach Sanremo gefahren. Wahrscheinlich war es für Sie anstrengender als für mich. Mit dem Wohnmobil weilte Sie bereits auf dem zuvor ausgeguckten Campingplatz 4 km vom Ziel entfernt. Aufgrund des Regens und Gewitters mochte sie leider nicht in den Zielbereich kommen. Da mir inzwischen ohne Bewegung etwas kalt wurde, zog ich es vor, zunächst beim Campingplatz zu duschen. Nachdem sich Blitz, Donner und Regen verzogen hatten, kehrten wir zurück und weilten noch einige Zeit im Siegerehrungsbereich mit Pasta und Cola. Leider verpassten wir die Siegerehrung. Gerne hätte ich noch Günther Kulessa persönlich kennen gelernt. Bedauerlicherweise war er nicht mehr vor Ort und auch nicht in der Nähe des Busses, bei dem ich noch mit zwei Kulessa-Teilnehmern sprach. Insgesamt war es ein ganz tolles Ereignis mit gutem Ausgang. Jetzt konnte weiter Urlaub gemacht werden. Wir blieben in Sanremo; es ist ein sehr geeigneter Ausgangsort für herrliche Touren in die Ligurischen Alpen und nach Frankreich sowie Monaco. Es gibt hier einen Wohnmobilstellplatz für 10 € die Nacht (ohne Strom, Ver- und Entsorgung ist möglich). Von hier aus beginnt auch die Area 24, ein fantastischer Fahrradweg (absolut autofrei) auf einer ehemaliger Bahntrasse. Hiervon sind bislang 21 km fertiggestellt (bis San Lorenzo). Die Blumenriviera verdient nach meiner Meinung ihren Namen zu Recht.

Fazit

Die Erwartungen waren größtenteils zutreffend. Die Strassen sind auf den ersten 120 km wirklich schlecht, besonders wenn bei gutem Wetter viel schneller und enger gefahren wird, sind Stürze und Pannen vorprogrammiert. Die Ausschilderung war ok. Uns begleitete aber auch die allermeiste Zeit ein Motorrad, dessen Fahrer wohl den Weg kannte. Verkehrsregeln werden in der Tat ständig gebrochen. Wer damit ein Problem hat, sollte hier nicht mitfahren.

Ingo Köster, Delmenhorst

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Ein Bericht von Jörg Doose aus Hamburg
 

Seit Jahren bekommen ich die Mails „Mailand – San Remo“. Irgendwann tauchte diese Veranstaltung auch mal auf meiner „To-do-Liste“ auf. Ende 2010 war es soweit. Meine Anmeldung bei Günther erfolgte. Zeit zum Trainieren sollte ja vorhanden sein. Na ja, es kam dann doch etwas anders. Acht Wochen vor dem Start sollte eine sechswöchige Zwangspause erfolgen. Plötzlich stellte sich mir die Frage, ob ich den Bus unmittelbar nach der Veranstaltung überhaupt in dem angegebenem Zeitfenster erreiche. Hätte ich bloß eine Übernachtung in San Remo gebucht, tja, - hättste, hättste , hättste!
Die vielen Informationen, die Günther vorab verteilte waren sehr hilfreich. Ich finde das sowieso klasse, was er da ehrenamtlich auf die Beine stellt!
Nun hieß es erst einmal von Hamburg nach Mannheim fahren und einen Tag später mit meinem Partner nach Mailand. Irgendwann kamen wir da ja auch an holten schnell die Startunterlagen und planten gemeinsam, bei Regen nicht das Rennen zu fahren. Es fing ja auch erst bei der Startaufstellung an zu regnen, also sind wir los. Trotz des Regens und der anfänglich schlechten Straße lief es ganz gut. In Genua schien sogar die Sonne, ich hatte einen guten Schnitt und der Bus war mir sicher. Ich fuhr von jetzt an den Rest der Strecke allein, bei den Ortsdurchfahrten orientierte ich mich strickt an der Mittellinie, allerdings war nicht an jeder roten Ampel freie Fahrt, was soll’s. Ich will den Bus kriegen! Einen Platzregen mit Gewitter nutzte ich bei der letzten Verpflegung zu einer längeren Pause, hätte vielleicht weiterfahren sollen, so schlimm war’s auch wieder nicht. Den Bus habe ich locker bekommen, mit meiner selbstgestoppten Fahrzeit war ich auch zufrieden.
Der Verein, der diese Veranstaltung organisiert hat wirklich gute Arbeit geleistet und sich gut um die Teilnehmer gekümmert.
Für mich ist diese Veranstaltung abgehakt, es hat sich gelohnt, hier teilgenommen zu haben und die Eindrücke mit nach Hause zu nehmen.
Einen besonderen Dank an Günther!
 

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Rennbericht Milano-Sanremo 2011

von Stefan Schär

 

Vorhaben & Zielsetzung
Damit die im Frühjahr auf Mallorca abgespulten 1800 km und die unzähligen schweisstreibenden Stunden im Kraftraum endlich mal zur Anwendung kamen, wurde eine richtige Herausforderung gesucht. Im Internet bin ich dann auf die Seite des www.ucsanremo.it gestossen, welcher dieses Rennen Mailand-Sanremo organisiert. Nach etlichen Recherchen und dem Durchlesen verschiedenster Erfahrungsberichten stand fest, dieses Rennen ist ein Muss für jeden Radsportler der das etwas andere "Rennen" sucht. Also habe ich mich angemeldet. Glücklicherweise konnte ich meinen Kollegen Michel Ritter auch dazu überzeugen, sich für dieses Erlebnis anzumelden. Als Zielsetzung galt, Sanremo mit einem Gesamtdurchschnitt von 30km/h zu erreichen, dies bei 295 km und einem Höhenunterschied von 1800 m. Um dies zu erreichen, war es unser Ziel, bis mindestens zum Passo Turchino in einem Fahrerfeld unter zu kommen, wo zwischen 35-40km/h gefahren wird. Schnell stand fest, dass ein eigenes Begeleitauto nur von Vorteil sein kann, sei es um Verpflegung entgegen zu nehmen oder auch aus materialtechnischer Hinsicht bei Defekten. Bis kurz vor der Abreise gestaltete sich jedoch die Suche nach einem Fahrer für das Begleitfahrzeug sehr schwierig, da viele die Auffahrtstage bereits anders geplant hatten. Ganz unverhofft gelang es jedoch Michel Ritter, seine langjährige Kollegin Barbara Schweizer für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu gewinnen. An dieser Stelle ist nochmals ein ganz herzliches "Dankeschön" an Barbara für diesen tollen Einsatz gerichtet!

Anreise Freitag 3.6.2011

Die Anreise nach Milano erfolgte am Freitag 3.6.2011 via Luzern > Gotthard > Chiasso > Milano staufrei. Wir haben bewusst den Anreisezeitpunkt auf 2 Tage vor Rennbeginn gelegt, damit wir uns gemütlich anklimatisieren konnten und wir nicht durch etwaigen Reisestress am Renntag negativ beeinflusst würden.
Bei der Ankunft im Hotel NH Milanofiori stellten wir fest, dass diese Gedanken sehr viele andere Rennteilnehmer aus aller Welt auch hatten. Auffallend viele Auto-Nummernschilder der Länder Belgien und Niederlande waren zu sehen. Jedoch noch mehr aufgefallen waren die auf den Autos befestigten Rennmaschinen sowie die dazugehörigen "Piloten" - Carbon und HighTech soweit das Auge reicht, braungebrannte glatt rasierte Sprinterwaden in der Dicke ausgewachsener Karnickelbäuche. Da schoss mir erstmals der Gedanke durch den Kopf "Bist Du hier wohl wirklich richtig....was hast du nur gemacht...."?
Kurze Zeit nach dem Einchecken hat Michel Ritter, infolge seiner bereits gesammelten Rennerfahrung, die für Ihn wichtigsten offenen Punkte/Abklärungen erledigt haben wollen > Ort Startnummernausgabe, Ort Start, Ort Frühstück vor dem Rennen etc. Nach Abklärung dieser Punkte begaben wir uns mit unserer Begleitwagenfahrerin Barbara in das nahe gelegene riesige Einkaufcenter. Trotz der zahlreichen Schuhläden verliessen wir dieses Einkaufscenter nur mit 24 Liter Mineralwasser um unsere Bidons zu füllen. Bei einem anschliessenden Einrollen inspizierten wir die ersten 10 km der Rennstrecke bei sehr schwülen Temperaturen. Ich hatte sehr Mühe richtig Luft zu bekommen (dies auf nur 10 km!!!)...da waren Sie wieder meine Gedanken "..wie willst Du bloss diese 295 km schaffen wenn Du schon nach 10 km fast keine Luft mehr hast"? Am Abend dann ging’s ins nahe gelegene Restaurant im Areal des Kinos. Bei einem Glas Wein und viel Pasta wurde vorwiegend über das Rennen gesprochen. So gegen 22.30 war dann Bettruhe angesagt, leider hatte ich diese Nacht sehr wenig Schlaf gefunden, zu oft kreisten meine Gedanken um das Rennen herum.

Samstag 4.6.2011

Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem mit Radsportlern völlig überfülltem Frühstücksraum, ging’s so gegen 09.30 Uhr zur Startnummernausgabe, welche direkt im Nebentrakt des Hotels statt fand. Davor bildeten sich teilweise im Regen schon lange Schlangen von Radlern, welche je nach Ihrer zugeordneten Startnummer (welche zuvor an aufgemachten Blättern abgelesen werden musste), sich in die entsprechende Schlange stellen mussten. Lustigerweise führten dann diese getrennten Schlangen zu ein und der selben Eingangstüre, wo ein Mitglied des UCSANREMO die Radler zum Einlass selektierte...Stichwort "Organisation Italia"...:-)) Nach mühsamen 90 Minuten, dem Abgeben eines ärztliches Sportattests und dem Unterzeichnen eines Dokumentes mit unbekanntem in Italienisch verfasstem Inhalt waren wir endlich im Besitze unserer Startnummer und dem Transponder. Obendrein gab es noch ein schönes Radtrikot, Sportfood und ein Massagegel.
Danach wurden mit Barbara Schweizer anhand ausgedruckter Karten, Reiseführer und Marschtabelle in der Hotelbar die Verpflegungspunkte ausgemacht, an denen geplant war, fliegend die Verpflegungsbeutel entgegen zu nehmen. Es waren dies folgende Punkte, jeweils nach der entsprechenden Ortschaft auf der rechten Strassenseite:
- Noviligure bei km 95
- Cogoleto bei km 167
- Finale Ligure bei km 210
- S. Lorenzo al Mare bei km 267

Trotz dieser zahlreichen eingeplanten Verpflegungspunkten zogen wir es vor, je Rennrad zusätzlich hinter dem Sattel einen Doppel-Bidonhalter zu montieren, so dass keine Halte an den offiziellen Verpflegungsposten eingelegt werden mussten und dadurch Zeitverluste entstehen. Dass diese Doppel-Bidonhalter nicht für Italiens Strassenbeläge tauglich sind, bewies uns das Renngeschehen schon nach wenigen Kilometern (siehe Anschnitt Renntag).
Am Nachmittag absolvierten Michel Ritter und ich infolge des schlechten Regenwetters eine kurze 1/4stündige Lockerungs-Einheit auf den Ergometern des hoteleigenen Fittnessraumes. Meine Beine waren sehr locker und drehten die Kurbeln mit 100 Umdrehungen mühelos, es kam erstmals ein kleines Rennfieber auf...yeahhhhh. Darauf präparierten wir im Hotelzimmer unsere Fahrräder und tätigten sonstige Rennvorbereitungen - Kette schmieren (:-), Riegel und Gaspumpe auf Rahmen kleben, Startnummer befestigen, Bidons schon mit Energy-Drink-Pulver füllen, Verpflegungsbeutel bereit stellen etc.

Schon fast als Ritual ging’s dann am Abend wieder in ein Restaurant im nahe gelegenen Areal des Kinos. Der Wein blieb jedoch auch an diesem Abend nicht aus, so auch die Pasta. So gegen 22.00 war dann Bettruhe angesagt, zuvor jedoch lockerten wir unsere Beine mittels Massagecreme und Electrostimulator. Michel Ritter "pflasterte" sich noch bis spät in die Nacht mit Brioche-Brötchen, Käse, Oliven-Öl und Salz kleine Sandwichs, welche er seinen Verpflegungsbeuteln beifügte. Ich hatte wiederum eine sehr unruhige Nacht und gesamthaft wohl nicht mehr als 4 Stunden geschlafen! Hatte ich doch im Halbschlaf andauernd Stürze, rasante gefährliche Abfahrten, Gerangel im Fahrerfeld etc. vor Augen.

Renntag Sonntag 5.6.2011
Infolge des schlechten Schlafes war ich sehr froh, dass uns der Wecker um 04.00 Uhr den Befehl gab, aufzustehen. Ein Blick zum Fenster raus liess zu dieser Uhrzeit noch nicht erahnen, welch Wetter uns in 3 Stunden am Start erwarten würde. Gegen 04.15 Uhr waren wir inkl. Barbara auch schon im Nebengebäude des Hotels, wo das Frühstück eingenommen werden sollte. Wir waren als erstes da, keine Menschenseele ausser dem Kellner waren zu sehen...respektive wir waren zu früh da...ja, wir waren die ersten...wenn es doch nur am Ende des Tages nach den 295 km auch so wäre..:-))
Nach einer 10 minütigen Wartezeit wurde uns Einlass zum Speisesaal gewährt. Pasta so früh am Morgen schmeckt einfach scheusslich, aber was soll’s, sie erfüllen eben ihren Zweck. Michel und Barbara hielten sich eher an das brotige mit den üblichen Aufstrichen, der Kaffee schmeckte wie immer: nach Kaffee.
Zurück im Zimmer gegen 05.00 Uhr wurden alle Utensilien, welche nicht mehr fürs Rennen gebraucht wurden, verpackt und ins Auto gebracht. Ebenfalls wurden die Ersatzlaufräder (je 2 VR und je 2 HR) mit 8 Bar gepumpt, in der Hoffnung, dass diese trotzdem nicht zum Einsatz kommen werden.
Wieder zurück im Zimmer schmissen wir uns in Schale, besser gesagt ins Radtrikot. Da am Vortag keine Vaseline im Einkaufscenter gefunden wurde um die bekannten Scheuerstellen wie Innenoberschenkel zu behandeln/schützen, kam eine Lippenpomade zum Einsatz. Dessen Anwendung sich übrigens während dem ganzen Rennen als vorzüglich bestätigt hatte. Nach diversen anderen Vorbereitungen standen wir dann "rennbereit" so gegen 06:20 vor unserem Hotel NH Milanofiori. Geschätzt hatten zu dieser Zeit schon die ersten 150 Rennfahrer die "Eingangs-Chip-Kontrolle" passiert und standen startbereit in optimaler Ausgangs-Position hinter der Startlinie. Wir reihten uns gleich dahinter ein. Der Startbereich befand sich unmittelbar vor unserem Hotel, welches sich in einem Kongress- respektive Industriegebiet von Milano befindet. Je näher die Uhrzeit gegen 07.00 Uhr ging, desto mehr erhöhte sich unsere Nervosität im Quadrat.
Pünktlich kurz vor dem Start setzte dann auch der Regen ein, so sollte es auch während gut 2/3 der Renndistanz bleiben, jedoch nur noch viel heftiger. Mit italienischer Pünktlichkeit starte dann um 07.07 Uhr das Rennen.
Wenn ca. 1000 Rennradfahrer rennmässig eine enge kleine Quartierstrasse mit etlichen Richtungsänderungen verlassen wollen, kommt dies ungewollt zu diversen "Annäherungen" mit anderen Radlern. Wer es dann endlich bis zum ersten Kreisel auf der grossen breiten Hauptstrasse geschafft hatte, war gleich mitten im Renngeschehen, egal ob links- oder rechtsrum durch den Kreisel..:-)). Mit Tempo 40 km/h ging’s sofort zur Sache, Richtung Süden. Nichts war vom gemütlichen Einrollen respektive vom gegenseitigen Beobachten. Zahlreiche Kreisel zierten die ersten paar Kilometer, diese Kreisel wurden infolge des Regenwetters und der damit verbundenen Rutschgefahr etwas vorsichtiger angefahren und vor allem auch wortlaut durch vordere Fahrer im Feld angekündigt. Nach nicht einmal 10 gefahrenen Renn-Kilometern verlor ich infolge des teilweisen sehr löchrigen und holprigen Strassenbelages meine 2 Bidons, welche aus dem Doppel-Bidonhalter hinter dem Sattel rauskatapultiert wurden. Michel Ritter ärgerte sich nur kurze Zeit über die "anscheinend" schlechte Halterung meines Doppel-Bidonhalters, denn ihm widerfuhr nur wenige Kilometer später dasselbe. Diese Stelle glich mehr einem Schlachtfeld als einer Strasse, da lagen bestimmt nicht weniger als 30 Bidons am Boden, teilweise auch zersplittert. So verwunderte ich mich dann nicht, dass nur wenige Meter weiter zahlreiche Rennfahrer mit Laufrädern in den Händen herum rannten, um diese entweder beim Begleitfahrzeug zu tauschen oder um einen neuen Schlauch einzusetzen. Besonders auffallend war, dass immer nach solchen Löchern in der Strasse mehrere Fahrer Plattfuss hatten. Ich denke, wir sahen über das ganze Rennen weit mehr als 100 Fahrer am Strassenrand. Evtl. hat sich meine Vorbereitung mit dem Aufziehen eines sehr Pannenresistenten Reifens ausbezahlt gemacht, oder wir hatten einfach nur grosses Glück, dass wir pannenfrei in Sanremo ankamen. Solche Situation waren immer sehr gefährlich, wollten doch die im Feld vor einem fahrenden "Piloten" diesen plötzlich auftauchenden Bidons ausweichen. Etliche Male kam es da zur Tuchfühlung respektive Rennrad- und Trikotfühlung. Die sehr schlechte Sicht wegen des immer stärker werdenden bis sintflutartig einsetzenden Regens machten diese Situationen zum Nervenkitzel. Noch vor unserem ausgemachten Verpflegungspunkt, wo Barbara Schweizer unsere Verpflegungsbeutel übergeben sollte, waren wir mit einem menschlichen Bedürfnis konfrontiert. Um dieses zu lösen, standen genau 2 Varianten (schlecht und schlechter..:-)) zur Verfügung - Variante "schlecht" > in die Hose laufen lassen ...Variante "schlechter" > anhalten, Kontakt zum Feld verlieren. So entschieden wir uns dann für die Variante schlecht, schliesslich wollten wir unser Ziel Sanremo mit einem 30er Gesamtdurchschnitt erreichen und zudem wusch der mittlerweile sehr stark prasselnde Regen die gelben Beweise binnen Sekunden in die riesengrossen Pfützen auf Italiens Strassen...viva strada Italia!
Mit der Annäherung an unseren ausgemachten 1. Verpflegungspunkt bei Km 95 in Noviligure, erhöhte sich auch das Tempo im Feld auf 45 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit, starkem Regen, in einem Feld und obendrein mit beschlagenen Brillengläsern "fliegend" einen Verpflegungsbeutel angeln zu können, grenzt an ein Wunder. Dieses Wunder war leider auch mir vergönnt, verpasste ich doch die gestreckte Hand von Barbara um gut einen halben Meter. Michel einige Meter hinter mir (war zur Übernahme der Verpflegung so ausgemacht) realisierte dies, verlangsamte stark das Tempo und angelte beide Beutel. Es war für uns sehr wichtig, dass wir diese Beutel hier doch noch erwischt haben, hatten wir doch kurz nach dem Start jeweils unsere beiden Reserve-Getränke-Bidons verloren. Diese Tempoverlangsamung hatte jedoch zur Folge, das wir in nicht einmal 20 Sekunden plötzlich 200-300 Meter hinter dem mit 45km/h davonbrausendem Feld waren. Es galt, den Anschluss an dieses Feld auf keinen Fall zu verlieren, das gefasste neue Bidon in den Halter und weg mit dem Beutel in den Strassengraben, samt den Riegeln, Gels, Sandwich und Cola. Ein Verstauen dieser Sachen im Trikot hätte einen weiteren Rückstand zum Feld mit sich gebracht. Mit einem ca. 10-15 minütigem Kraftakt kämpfte uns Michel Ritter wieder zurück in den schützenden Windschatten des Feldes, dies noch bei starkem Gegenwind > BRAVO und DANKE Michel, alleine hätte ich es nicht ins Feld zurück geschafft! Dieser Kraftakt sollte sich jedoch später noch bemerkbar machen. Den ersten offiziellen Verpflegungsposten am Passo Turchino in Campo Ligure bei km 135 haben wir ausgelassen.
Hier trennten wir uns dann somit auch vom grossen Feld, da die meisten Fahrer diesen Posten ansteuerten. Yeah, wir hatten somit auf einen Schlag ca. 150 Plätze vorerst gut gemacht. Der von dort aus immer noch währende 8 km lange Anstieg kam uns länger und steiler vor, als wir das Tags zuvor aus dem Rennprofil heraus interpretierten. Wir waren beide sehr erleichtert, als wir endlich nach der Passhöhe die rasante Abfahrt Richtung Genua in Angriff nehmen konnten. Zu allem Glück war ab der Passhöhe Sonne, viel Wärme (28 Grad und mehr - zuvor waren es ca. 15 Grad auf den ersten 140 km) und vor allem trockene Strasse angesagt, letzteres verringerte die Sturzgefahr bei der Abfahrt um vieles! Wir konnten endlich unsere Regenjacken in den Trikottaschen verstauen und unsere Radgenossen-Trikots unter Italiens Sonne aufblitzen lassen.

Unten in Genau Voltri angekommen, präsentierte sich das Rennen plötzlich von einer ganz anderen Seite. Es herrschte Gegenwind aus Südwest, dies sollte auch so bleiben bis zum Ziel. Auch gab es kein grösseres Fahrerfeld mehr, eher waren es vereinzelte Gruppen von 3 bis zu 20 Fahrern, welche nur ein Ziel hatten > Sanremo. Auch präsentierte sich die Verkehrssituation von einer ganz anderen Seite. Wo die ersten 150 km mehr oder weniger auf dem Lande
resp. Nebenstrassen absolviert wurden, galt es nun, das Rennrad auf den letzten 150 km durch die Hauptstrassen der Orte zu steuern, welche der Küste entlang verlaufen. Wer im Sommer hier Mal im Urlaub war kennt dieses Verkehrs-Situation bestens > Staus vor Ampeln, Fussgänger die sorglos auf die Strasse laufen, Vespas die links und rechts überholen, Busse die den Weg verstopfen und stinken etc.. An keiner Ampel und keinem Stoppschild wurde angehalten, mal rechts und mal links an stehenden Kolonnen vorbei, hier ein Fussgänger lauthals angeschrieen der die Strasse überqueren wollte, da einem Autofahrer den Vogel gezeigt etc...so präsentierte sich das Bild auf den letzten 150 km. Ich denke, meine Verkehrs-Vergehen summierten sich sicher gegen 70-80 Stk. Aber was soll’s, jeder andere Rennteilnehmer tat ja das gleiche. Ich denke, ein Vergleich mit diesen doch sehr gefährlichen Situationen und Russisch-Roulette ist nicht so abwegig. So wundert es mich doch sehr, hatte ich persönlich keinen Rennunfall gesehen. Ich hatte jedoch von einigen wenigen Unfällen gehört respektive im Hotel eine Person mit gebrochener Schulter gesehen. Wie und wo es zu den jeweiligen Unfällen kam, kann ich glücklicherweise nicht sagen. Ein Ortskundiger der die Strecke Genua-Sanremo entlang der Küstenstrasse schon einmal gefahren ist weiss, dass sehr oft nach einer Ortschaft eine Ansteigung kommt, bei welcher die Klippen bis zur nächsten Ortschaft umfahren werden müssen. Diese immer wiederkehrenden Steigungen haben es vor allem dann in sich, wenn man schon angesäuert in diese Steigungen fährt. Die bei km 95 getätigte Aufholjagd um zurück ins Fahrerfeld zu gelangen, zeigte seine Spuren. Immer wieder mussten wir bei diesen Steigungen Fahrer oder kl. Felder ziehen lassen und alleine gegen den Wind Richtung Sanremo kämpfen. Hatten wir doch unten bei Genua Voltri noch einen Gesamtdurchschnitt von 35km/h, sahen wir diesen mit zunehmender Renndistanz immer mehr schwinden.
Bei km 167 in Cogoleto wartete Barbara wieder mit den ersehnten Verpflegungsbeuteln auf uns. Leider gelang es wiederum nicht, diese "fliegend" entgegen zu nehmen. Einer der Beutel verteilte sich quer über den Asphalt, dabei hatte ich noch grosses Glück, dass ich nur sehr knapp einen Bidon ausweichen konnte. Da wir zu diesem Zeitpunkt dringend auf Flüssigkeit angewiesen waren, entschlossen wir uns für einen Blitzhalt > Bidon nehmen, Riegel und Gels nehmen und die Regenjacke sowie leere Bidons vor Barbaras Füsse werfen....das ganze dauerte nicht mal 30 Sekunden und wir waren wieder inmitten des Renngeschehens. Da wir hier auf diesem Streckenabschnitt teilweise sowieso auf uns alleine oder viele kleinere Gruppen resp. Fahrerfelder angewiesen waren, fiel dieser Blitzhalt nicht so sehr ins Gewicht. Da sich diese Methode zur Getränkeaufnahme schon fast bewährt hatte, entschlossen wir uns auch bei km 210 in Finale Ligure, einige Sekunden bei Barbara anzuhalten. Bei km 247 in Capo Cervo wurde beschlossen noch beim letzten offiziellen Posten des Veranstalters UCSANREMO für einige Sekunden anzuhalten. Eigentlich hatte ich dort nach Wasser für mein Bidon verlangt, bekam aber irgendein isotonisches wohl mit Salz angereichertes Getränk. Der dortige "Ausschankmeister" hatte auf alle Fälle immer von "Sali"..."Sali".. gesprochen. Gut, Salz konnte ich mittlerweile wohl auch gebrauchen, hatte ich doch bei den letzten 2 Ansteigungen jeweils Anzeichen eintretender Krämpfe an den Innenoberschenkeln. Diese Anzeichen respektive eintretenden Krämpfe verschwanden jedoch immer sehr schnell, als ich aus dem Sattel ging und im Wiegetritt die Anhöhe erklimmte.
Pünktlich auf den letzten 35 km setzte dann auch wieder der Regen besser gesagt fast die Sintflut ein. Da wir zuvor bei Barbara noch bei Sonnenschein unsere Regenjacken abgeliefert hatten, waren wir nun dem Regen schutzlos ausgesetzt. Teilweise waren die Niederschläge derart heftig, dass Beine und Arme infolge der stetigen Bombardierung durch die Regentropfen schmerzten. Im Aufstieg zum Cipressa wurden wir dann so richtig "angefeuert" (erstmals auf der ganzen Strecke..:-)), dies mit tosendem Applaus > viele nahe Blitzeinschläge, lauter Donner und starker Gegenwind begleiteten uns auf dem Weg zur zweitletzten Anhöhe, dem Cipressa. Ich war mir nicht ganz sicher, welches das optimale Wetter gewesen wäre, um diesen Hausberg zu bezwingen. Bei Sonnenschein und mehr als 30 Grad hätten wir bestimmt auch gelitten. Eines war ich mir jedoch bewusst, meine Bremsen griffen sehr schlecht bis gar nicht bei dieser Nässe. So schlichen wir dann in sehr langsamen Tempo wieder runter um nicht noch kurz vor dem Ziel einen Unfall/Sturz zu riskieren. Unten heil angekommen, fühlte ich mich fast wie neu geboren und war so was von beflügelt, dem Ziel schon so nahe zu sein. Allem Hundewetter zum trotz drehten meine Beine, als hätten sie noch keinen einzigen der bereits zurückgelegten 276 Kilometer absolviert. Gegenwind, Regen, Gewitter, riesengrosse Pfützen, Bäche die die Strassen entlang kamen, all dies konnte mir nichts mehr anhaben. So führte ich vor Michel in enormen Tempo eine kleinere Gruppe Richtung Abzweigung zum Poggio...ich fühlte mich so stark wie noch nie, ja, ich war im Rennfieber. Kurz vor der Abzweigung zum Poggio bestätigte ein Blick zurück mein Gefühl, nur noch Michel Ritter konnte diesem Tempo mithalten...yeahhhhhh, viva strade bagnata Italia, viva fulmine, viva pioggia, viva MILANO-SANREMO...
Den letzten 3,5 km langen Anstieg zum Poggio genossen Michel und ich bei eher gemächlichem Tempo. Mir kam das ganze Rennen nicht so lang vor, wie ich mir das in meinen "Ängsten" vorgestellt hatte. War ich doch erst gerade in Milano gestartet und jetzt befand ich mich schon in der letzten Steigung, fast war ich schon wehmütig, dass schon in wenigen Kilometern alles vorbei sein würde. Auch die Abfahrt vom Poggio wurde infolge der sehr nassen Strassen und der damit verbundenen Sturzgefahr und meinen nicht greifenden Bremsen im Schneckentempo zurückgelegt. Auf den letzten 500 m vor der Zieleinfahrt wurde ich dann noch Opfer meiner Gefühle selbst, legte meinen Arm auf Michels Schulter, gratulierte Ihm zu seiner Leistung und seinem Effort bei km 95, dabei konnte ich es nicht verklemmen, eine Freudenträne, welche im prasselnden Regen unterging, zu vergiessen. So gross war die Erleichterung, es überhaupt geschafft zu haben und dies erst noch innerhalb unserer gesetzten Zielsetzung. Wir erreichten Sanremo nach 295 km und 1800 Höhenmetern in 9 Stunden und 42 Minuten mit einem Gesamtschnitt von 30,4 km/h. Ebenso kühl wie das Wetter war auch der Empfang im Ziel. Keine Musik die da spielt, keine Bandenwerbung, keine Ehrendame, keine Sitzbänke respektive Wurststände wo sich eventuelle Zuschauer hätten verpflegen können, "nur" unsere Begleitwagenfahrerin Barbara wartete im strömenden Regen auf uns. Nur ganz kurz gönnten wir uns eine Portion Pasta im Gebäude, wo die Preisverleihung statt fand. Wir wollten nur noch eins, so schnell wie möglich ins Hotel unter die warme Dusche. Statt die Räder aufs Autodach zu laden, meisterten wir diese letzten 3 km und 70 Höhenmeter bis zum Hotel auch noch per Rad.
Am Abend dann genossen wir in Sanremo am Hafen unser wohlverdientes Abendessen, dabei wurden das Rennen und die neuralgischen Punkte nochmals durchgegangen. Tags darauf auf dem Rückweg hielten wir noch für 4 Stunden Badeaufenthalt in Alassio. Es herrschte Sonne pur und sogar das Meer war recht warm, somit wurden wir wenigstens ein wenig für den Vortag entschädigt.

Meine Gedanken, Erfahrungen und Tipps abschliessend zu diesem Rennen
Ich hätte nie gedacht, dass eine 10-20 sekündige Tempoverlangsamung eine Kräfteraubende Aufholjagd von 15 Minuten mit sich bringt, um wieder zurück ins Feld zu gelangen. Aus dieser Erkenntnis hinaus wäre es wohl besser gewesen, Verpflegung direkt aus dem fahrenden Begleitauto zu beziehen, welches wirklich direkt hinter respektive im Feld fährt. Auch wäre so im Falle eines Defektes die verlorene Zeit wohl am geringsten. Was nützen Ersatzräder und Werkzeug im Auto, wenn dieses kilometerweit vom Fahrer entfernt ist. Auch hier hatten wir einfach nichts anderes als Glück, dass wir nicht auf dieses
Ersatzmaterial zurückgreifen mussten.

Thema Verpflegung
Ich habe mich durch das ganze Rennen hindurch nur mit Sportnahrung des Herstellers Sponser verpflegt. Dabei beachtete ich, dass ich pro Rennstunde mindestens 1 Bidon 750ml Energy Isotonic und 1 Energy Riegel oder 1 Enegry Gel konsumierte. Zu keiner Zeit hatte ich Magenprobleme oder gar das Gefühl, in einen Hungerast zu geraten. Einzige Ausnahme war das Getränk am letzten offiziellen Verpflegungsposten.

Thema Bidonhalter
Ein breites Scotch-Band hätte den Verlust der Bidons 3 & 4 sicherlich verhindert...kleines Band, grosse Wirkung

Fazit
Es war einfach nur geil! Milano-Sanremo, ich komme nächstes Jahr wieder, jedoch mit einem anderen Ziel: Schnitt > 33km/h
Dabei hoffe ich sehr, dass in Punkto Sicherheit resp. Verkehrslenkung auf dem Abschnitt Genua > Sanremo einige Verbesserungen gemacht werden. Es war einfach nur grosses Glück, diesen Streckenabschnitt unfallfrei überstanden zu haben.
Die entstandenen Zeitverluste infolge obiger aufgeführten Gründe und des schlechten Wetters wegen lassen mich doch sehr hoffen, dass ich nächstens Jahr dieses Rennen mit einem Gesamtdurchschnitt von über 33 km/h absolvieren kann.

 

Weitere Details findet Ihr auf der nachfolgenden Seite:

http://www.radgenossen.ch/rennenundrundfahrten/milanosanremo2011/index.html

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Ein Bericht von Axel Niemann

41 ter Mailand Sanremo

Wir, das sind Dagmar Bergholz, Dirk Müller, Michael Kloke und ich Axel Nieman haben uns beim 5. fach Organisator Günther Kulessa vom RTF Klassiker Mailand - Sanremo angemeldet. Zusammen mit insgesamt 30 Teilnehmern an der organisierten Busreise starteten wir um 6:00 früh aus Frankfurt in Richtung Mailand. Die Busreise dauerte wegen einer Vollsperrung eines Tunnels gut zwei Stunden länger als geplant. Wir ahnten schon was uns in Mailand-Assago erwartete, Regen. Unterkunft, Verpflegung war top. Unser Hotel lag 100 m vom Start entfernt, so dass wir erst gegen 5:00 aufstehen mussten. Frühstück, 10 000 cal so früh in sich zu schaufeln ist schon gewöhnungsbedürftig. 6:30, so langsam treffen alle ca. 900 Teilnehmer dieser RTF am und im Startbereich ein. 6:45, der Wetterbericht hat recht, 15° es fängt wieder an zu Regen. Wir vier versuchen uns im Startblock zu finden und beschließen, die ersten km zusammen zu fahren. 7:00, es schüttet wie aus Eimern. Endlich 10 min nach 7:00 klicken alle gemeinsam in die Pedalen, das Geräusch des Regens lässt die Startansage verstummen. Los, los, los, nur nicht stürzen im Gedrängel. Wo sind die anderen, ich sehe nichts im Regen. Auf den ersten  km kann ich mich gut nach vorne durchsetzen. Es schüttet, die Straßen sind so schlecht, dass ich in der ersten Stunde wohl über 50 Trinkflaschen auf der Straße liegen gesehen habe. Die rechte Seite der Fahrbahn war gesäumt von Fahrern, die ihren Schlauch wechselten. Es bildeten sich auf Grund des hohen Tempos Gruppen, ich befand mich in der zweiten, wir fuhren einen Schnitt von 45 km/h. Nach zwei Stunden Regenfahrt erlebten wir eine Steigerung des Wetters, Gewitter, Blitze und noch mehr Regen. Ich dachte, wenn das so weiter regnet, hätte ich 2 von 4 Getränkeflaschen Zuhause lassen können. Wir nähern uns so langsam Campoligure, die erste Verpflegungsstelle nach 135 km. Leichter Anstieg, wir hatten an dieser Verpflegungspunkt einen 41 Schnitt. Die Gruppe wurde immer kleiner, ich beschloss diese Stelle auszulassen und mit der Gruppe bis Spotorno, dem nächsten Verpflegungspunkt zu fahren.

Nun galt es den Passo del Turchino zu bezwingen. Nach dem Tunnel auf der Passhöhe stürzten wir uns im Sonnenschein bei ca. 27° in die Abfahrt nach Genua. Links das türkisfarbene Meer und rechts die Felswände der ligurischen Küste. Vorbei an Palmen durch malerische Küstenorte näherten wir uns der 200 KM Marke und meinem ersten Verpflegungspunkt. Ich schaute aufs offene Meer und versuchte mich zu entspannen. Es wurde immer wärmer, meine 4 Getränkeflaschen waren leer, ich konnte dadurch keine Gels mehr zu mir zunehmen. Durchhalten, noch 30 km. Dieser Streckenabschnitt hatte nichts von einer RTF. Auf der Küstenstraße und in den Ortschaften war das blanke organisierte Chaos. Wir hielten an keiner roten Ampel, Kreuzungen die mit Autos befahren waren, wurden ohne anzubremsen mit Renntempo durchfahren. Fußgängerüberwege wurden mit Tempo passiert, die Fußgänger blieben wie versteinert auf dem Zebrastreifen stehen. Ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut. Die Italiener die diese Gruppe führten fuhren eindeutig mit Heimvorteil. Autos wurden nicht nur auf dem Mittelstreifen sondern auch rechts überholt. Wenn die Straßenbreite ein überholen unmöglich erschien, zeigten uns die Gastgeber wie das in Italien geregelt wird. Mann oder Frau nutzte einfach die Gegenfahrbahn, die Autofahrer waren gezwungen rechts zu halten. Ich musste schmunzeln, in meiner Heimat würde man mich einsperren, wegschließen. So langsam hinterlässt die gefahrene Strecke bei mir seine Spuren. Jetzt fängt so langsam der schwere Teil dieser Strecke an, die Straße führt immer wieder über kleine Anstiege. Ich nehme etwas tritt raus, da kommt ja noch Capo Berta, Cipressa und Poggio.

Endlich, nach 200 km und einem Schnitt von 38 km/h fahre ich in den Ort Spotorno. Der Verpflegungsstand hatte alles was ein Rennfahrer sich wünscht. Die Getränkeflasche sich aufgefüllt, die Trikotasche voll und nach einer kleinen Pause im Schatten freue ich mich auf das letzte Drittel und schwersten  Abschnitt meiner Abenteuerreise.

Entspannt setzte ich meine Fahrt fort. Wir waren zu dritt und fuhren mit einem Tempo von 15 km in Richtung Finaleligure, eine Anhöhe hinauf. Plötzlich verhakt sich mein Vorderrad in einem vor mir fahrenden Fahrrad, Sturz. Wir lagen mitten auf der Straße. Es ist 13:00, 210km und das Aus.

Das Ende vom Abenteuer, Prellungen, mein Rad defekt und bei dem andern Mitstreiter,  Schlüsselbeinbruch.

Ich möchte gerne das was jetzt kam überspringen, denn das war nicht lustig. Nur so viel, ich war gegen 19:00 im Zielbereich.

Wenig  später radelt Dagmar an uns vorbei, Mann sah sie gut aus. Auch Dirk und Michael kamen nach einer Weile an uns vorbei.

Resümee:

Ich werde nicht aufgeben, werde mich noch einmal der Herausforderung stellen.

Gratulation

                    Platz          Zeit            Durchschnitt

Dagmar     274             9:21                   31,55

Dirk            445            10:12                  28;92

Michael     449            10:14                  28,80

 

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Milano - San Remo 2011
von Werner Meier

Nach meinem Einstand 2010 war es für mich keine Frage, auch 2011 wieder teilzunehmen.
Was kann dir Besseres passieren, als ein Teil des Teams von Günter Kulessa zu sein ???
Er ist der Macher schlechthin! Alles perfekt!
Was für eine Rolle spielt da schon das Wetter, wenn man in Italien, in DEM Radsportland, an der RTF Milano - San Remo teilnehmen kann.
Geregnet hat es beim Start, geregnet hat es im Ziel, dazwischen gab es auch mal Sonnenschein, der Wind mal von vorne, mal von hinten.
Radsportler sind halt Naturburschen, die einiges aushalten.
Der Teamgeist, die Kameradschaft, der Spaß, die gemeinsamen Abende - all das macht das Team Kulessa aus.
Hiermit möchte ich mich bei allen aus dem Team Kulessa für die schönen Tage bedanken, besonders natürlich bei Günther Kulessa.
Ich hoffe, es bleiben alle gesund und wir treffen uns im nächsten Jahr wieder.

Vielen Dank und liebe Grüße - Werner Meier

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Mailand-San Remo 2011

Wir sind gerade auf der Rückfahrt, sitzen im Bus und fahren entlang der Ligurischen Küste. Es ist Montag, der 06.06.2011 um 11.00 Uhr. Außentemperatur: 22 °C.

Der Plan

Durch einen Bericht in der TOUR 3/2010 wurde mein Interesse an diesem historischen Rennen geweckt. Offiziell handelt es sich um eine RTF, tatsächlich ist es aber ein Wettrennen mit Transponder. Ich wollte unbedingt einmal diese historische Strecke kennen lernen, die als längste europäische Rennstrecke gilt. Vermutlich werde ich an diesem Rennen nie mehr teilnehmen.

Die Vorbereitung

Auch an meinem GCC-Krampfrennen am letzten Wochenende in Schleiz hatte ich wieder einmal gemerkt, wo meine Grenzen liegen. Damit ich in Mailand nicht wieder von Krämpfen geplagt werde, hatte ich zu Beginn der Woche sofort den Arzt sowie den Apotheker aufgesucht. Mir wurde empfohlen, täglich 300 mg Magnesium zu nehmen und sehr viel mehr zu trinken als in der Vergangenheit. Dieses Vorhaben habe ich eingehalten. Darüber hinaus war Schleiz sicherlich eine gute Vorbereitung. Mein Hauptziel war es, wie immer unverletzt im Ziel anzukommen, möglichst unter 10 Stunden.

Ich hatte ein Doppelzimmer in Mailand unmittelbar am Startplatz gebucht, weil Monika oder Florian mitfahren wollten. Als sich dies letztendlich zerschlug, habe ich Günther Kulessa aus Frankfurt angerufen, der sich sofort bereit erklärte, mich mit zu nehmen, zumal im Bus noch einige Plätze frei waren. Günther hat sich um alle Formalitäten vorbildlich gekümmert. Dies bot mir auch den Vorteil, auf der Rennstrecke nicht allein zu sein, sondern immer in einer Gruppe von ca. 30 Teilnehmern Anschluss zu finden.

Ich bin dann am Samstagmorgen um 02.30 Uhr nach Frankfurt gefahren. Wir haben uns dort auf dem Parkplatz des Hessischen Rundfunks getroffen und sind gegen 06.15 Uhr weiter gefahren. Unterwegs haben wir noch viermal gehalten um andere Teilnehmer aufzunehmen. Die Busfahrt war unterhaltsam, aber trotzdem anstrengend, zumal wir über 2 Stunden im Stau standen. Wir waren erst um 19.30 Uhr in Mailand. Wir haben nur kurz die Startunterlagen abgeholt und uns um 20.00 Uhr zum Abendessen getroffen.

Dort wurde auch die Empfehlung gegeben, nicht nur 2 Trinkflaschen mitzunehmen und die erste Verpflegungsstelle nach 125 km zu ignorieren. Dort würden alle Teilnehmer halten; es würde daher sehr lange dauern, bis man Proviant bekomme. Wir sollten an dieser Verpflegungsstation vorbei fahren und erst die 2. Verpflegungsstation nach 200 km ansteuern. Dies bedeutete, dass wir 2 weitere Flaschen in den Trikottaschen mitnehmen mussten und dazu natürlich jede Menge Gels und Riegel. Ich hatte 60,00 €, 2 Scheckkarten sowie wichtige Telefonnummern und Adressen in einer kleinen Plastiktüte verstaut und diese in der innen liegenden Tasche der Radlerhose untergebracht. Wie sich später rausstellte, war dies ein großer Fehler.

Bei der Pastaparty am Abend haben wir alle Unmengen Nudeln zu uns genommen, um schon jetzt einem Hungerast vorzubeugen.

Frühstück gab es bereits um 05.00 Uhr. Als ich um 05.30 Uhr in den Frühstücksraum kam, waren die meisten bereits fertig. Die Italiener hatten bereits ihre Rennradkleidung angezogen und sprachen laut und aufgeregt über das bevorstehende Rennen. Die ersten standen bereits eine Stunde zu früh am Start.

Nach dem Frühstück galt es, Sonnencreme sowie Gesäßscreme üppig aufzutragen, alle benötigten Utensilien in der Radkleidung zu verstauen, das Rad zu überprüfen, die Koffer zu packen und im Bus zu deponieren.

Da in meinen Startunterlagen der Transponder fehlte, gab es unendliche Diskussionen mit dem Rennkomitee. Keiner sprach dort Deutsch oder Englisch. Ich brauchte sehr viel Geduld, um den Transponder schließlich doch noch zu bekommen.

Das Wetter

Der Wetterbericht sprach von einer 90 %-igen Regenwahrscheinlichkeit am Renntag (Sonntag). Als wir zum Frühstück gingen, regnete es bereits und der Regen verstärkte sich zum Start hin. Die Italiener standen unter den Regenschirmen ihrer Bräute, während wir beschlossen hatten, sogar ohne Regenkleidung zu fahren. Ich hatte nicht einmal eine Regenjacke dabei, weil ich mit solch einem Wetter schlichtweg nicht gerechnet hatte. So waren wir bereits völlig durchnässt, als es um kurz nach 7 endlich losging.

Insgesamt kann man sagen, dass wir auf den ersten 150 km Regen und auf den zweiten 150 km Südwest-Gegenwind hatten.

Beim Start hatten wir 15° und bei der Ankunft am Ligurischen Meer hinter Genua waren es teilweise sogar 32°. Bis auf Schuhe und Socken wurde die Kleidung wieder trocken.

Auf den letzten 2 Stunden fuhren wir im heftigen Gewitter. Während man nach dem Start noch versuchte, jeder Pfütze auszuweichen, fuhren wir auf den letzten 2 Stunden hemmungslos durch jede Pfütze. der Regen war so stark, dass die Gullis und Dachrinnen überfordert waren. An den Hängen floss das müllmitführende Wasser über die Straße. Dies veranlasste alle Teilnehmer, auch die Italiener, die Abfahrten vorsichtig zu nehmen.

Das Wetter hätte schlimmer kaum sein können. Die Sturz-und Unfallgefahr konnte nicht größer sein. Während des Gewitters wurde es dunkel, zumal wir mit Sonnenbrillen fuhren, die von den vorausfahrenden Rädern völlig verspritzt und verschmutzt wurden. Zudem wurde die Sonnencreme vom Regenwasser abgewaschen und floss in die Augen.

Das Rennen

Der Startschuss fiel unmittelbar vor dem NH-Hotel Milanofiori kurz nach 7 Uhr. Dieses Hotel liegt im Industriegebiet. Von den rund 1.000 Teilnehmern standen ca. 600 vor mir am Start und ca. 400 hinter mir. Der Kontakt zu den 30 Teilnehmern des Kulessa-Busses riss schnell ab. Immer wieder sah man jedoch unterwegs diese Teilnehmer, da wir alle das gleiche Trikot trugen. Dies habe ich als ausgesprochen angenehm empfunden.

Offiziell handelte es sich um eine RTF, tatsächlich war es jedoch ein klassisches Rennen mit Transpondern. Aus haftungsrechtlichen Gründen wurden wir darauf hingewiesen, dass die Straßenverkehrsordnung einzuhalten ist. Unabhängig davon, ob es in Italien eine solche Straßenverkehrsordnung  überhaupt gibt, haben wir diese jedenfalls völlig auf den Kopf gestellt. Nicht an einer einzigen roten Ampel wurde angehalten. Wir haben die Autofahrer stets zum Anhalten gezwungen. Ich muss einräumen, dass die Verkehrsteilnehmer sich uns gegenüber ausgesprochen rücksichtsvoll verhalten haben. Wir durften zwar nur alle die rechte Fahrbahn benutzen, häufig wurde jedoch auch die Gegenfahrbahn in Anspruch genommen, so dass das Gegenverkehr gezwungen war, rechts anzuhalten.

Eine besondere kuriose Situation sah ich in Genua. Dort war ein sehr alter Mann mit Stock dabei, den Gehweg zu überqueren; er brauchte nur noch ca. 2 Meter bis zum rettenden Ufer. Plötzlich war dieser Mann wie eine Insel, vor und hinter ihm rasten die Rennradfahrer vorbei. Der Mann wusste nicht mehr, was er machen sollte. Er musste einfach abwarten, bis der Strom an Radfahrern vorbei war.

Ca. 10 km nach dem Start ist ein Fahrer direkt hinter mir schwer gestürzt. Man hörte gleichzeitig einen lauten Aufschrei und dann ein entsetzliches Krachen und den Aufprall des Körpers. Gleichwohl sind alle weitergefahren, um nicht weitere Auffahrunfälle zu provozieren.

Die ersten 125 km waren sehr flach und erlaubten eine hohe Geschwindigkeit. Wegen des starken Regens und der nassen Fahrbahn sind wir jedoch ziemlich zurückhaltend gefahren. Trotzdem haben wir auf den ersten 125 km einen Schnitt von 36 km/h erreicht.

Nach ca. 2 Stunden stellte ich fest, dass meine Wertsachen nicht mehr in der Tasche waren, diese war vollkommen leer. Ich habe dann während der Fahrt meinen Körper abgetastet und musste festellen, dass ich insbesondere die Scheckkarten verloren habe. Ich hätte gerne Monika angerufen, damit die Scheckkarten gesperrt werden. Ich hatte jedoch aus Platzgründen das Handy nicht mitnehmen können und sah mich daher veranlasst, erstmal bis zum Ziel zu fahren und von dort aus alles weitere zu veranlassen. Die Innentasche der Hose befindet sich in der Nähe des rechten Hüftknochens. Ca.2 Stunden später stellte ich erstaunend fest, dass am linken Unterbauch etwas scheuerte. Bei genauem Nachtasten entdeckte ich die verlorenen Utensilien. Diese haben sich selbstständig gemacht und waren im Trikot umher gewandert. Ich war heilfroh, diese Dinge wieder gefunden zu haben, gaben sie mir doch die Freiheit, auch im Falle des Rennabbruchs mit einem Taxi zum Hotel fahren zu können.

Italiener kann man sympathisch finden. Italienische Rennradfahrer muss man nicht sympathisch finden. Diese sind eine Welt für sich. Uns gegenüber waren sie ausgesprochen arrogant und rücksichtslos. Sie haben mir verdeutlicht, dass ein Radrennen nichts anderes ist als Vordrängeln mit dem Rad. So ähnlich wie beim Anstehen am Skilift wird mit dem Vorderrad jede erdenkliche Lücke ausgenutzt, ohne Rücksicht auf Verluste. Eine Verständigung war nicht möglich und auch von ihnen nicht gewollt.

In den ständigen auftretenden Gefahrensituationen waren sie jedoch sehr dienlich. Wenn ein Gegenstand auf der Straße lag, man plötzlich abbremsen musste oder eine andere Gefahrenquelle auftauchte, konnte man sicher sein, dass ein lautes Spektakel aufmerksam machte.

Am Straßenrad wurden den Italienern freundlich Getränke angeboten. Die Stände wurden mit der italienischen Nationalflagge angezeigt und damit deutlich gemacht, dass es Getränke nur für Italiener gab.

Die edelsten Rennmaschinen waren im Einsatz. Die Italiener fuhren überwiegend mit Carbon-Laufrädern. Bekanntlich haben diese einen dreimal so langen Bremsweg, insbesondere bei Regen. Auf der gesamten Strecke haben wir weit über 100 Radfahrer gesehen, die den Schlauch wechseln mussten. Außerdem habe ich noch nie so viele weggeworfene Trinkflaschen auf der Straße gesehen, eine ständige Gefahrenstelle.

Die Straßen selbst waren nicht gut, aber auch nicht erwähnenswert schlecht. Man musste halt ständig aufpassen. Das gesamte Rennen war eine einzige Konzentrationsübung.

Außer den vermissten Wertgegenständen machte mir meine Blase besondere Probleme. Nach ausgiebigem Trinken konnte und wollte ich nicht vom Rad aus – trotz des Regens – mein Geschäft erledigen, sondern habe anhalten müssen. Es hat mich  5 -10 km  enorme Schinderei gekostet, um an das Feld wieder heran zu kommen. Weil ich sah, wie das Peleton enteilte, habe ich die Blase nicht vollständig entleert. Dies hatte zur Folge, dass der Druck fast eine Stunde später wieder enorm einsetzte. Bei der zweiten Pinkel-Pause habe ich mir dann wertvolle Zeit genommen und mich danach im wahrsten Sinne des Wortes enorm erleichtert gefühlt. Ich hatte den höchsten Berg, den Passo del Turchino mit 532 m sehr gut überstanden. Ich fühlte mich richtig gut. Als wir dann nach der Hälfte der Strecke bei Genua ans Ligurische Meer kamen, da schien die Sonne und die Welt war in Ordnung, wenn die vielen Rollerfaher nicht gewesen wären. Nach ca. 200 km habe ich dann – wie empfohlen – die 2. Verpflegungsstelle, für mich die Erste, angefahren, die Trinkflaschen auffüllen lassen und einige Bananen an mich genommen. Ich habe während dieses Rennens bei jeder sich bietender Gelegenheit getrunken und gegessen. Es ergaben sich während des Rennens immer wieder neue Gruppen, die gemeinsam das Tempo hochhielten.

Mein Ziel unter 10 Stunden anzukommen, konnte ich nur erreichen, wenn ich einen Schnitt von 30 km/h halten konnte. Die setzt wegen der vielen Anstiege natürlich voraus, dass man ständig zwischen 35 und 40 km/h fährt. An der Ligurischen Küste wurden wir auch häufig vom Straßenverkehr abgebremst. Einmal war die Straße sogar wegen einer Baustelle für 5 Minuten gesperrt, so dass wieder alle aufschließen konnten. Reichlich Sorgen bereitete mir im Vorfeld der Anstieg zum Cipressa auf 240 m. Der steile Anstieg hatte mir fast alles abverlangt. Bei diesem Anstieg setzte das Gewitter ein. Der Regen war wegen der bis dahin hohen Temperaturen sogar angenehm. Bei der Abfahrt brauchte man in beiden Händen alle Kräfte, um das Rad in den steilen Serpentinen einigermaßen abbremsen zu können. Es hat immer so gerade noch geklappt. Dieser Anstieg war von der Rennleitung vor einigen Jahren eingebaut worden, um einen Massensprint zu vermeiden und das Feld auseinander zu ziehen. Ein weiteres Hindernis gab es ca. 10 km vor dem Ziel. Diesen Anstieg hatte ich nicht mehr in meiner Planung. Ich sah kurz vorher ein Schild: 5,5 km nach San Remo. Plötzlich wurden wir in die Berge umgeleitet und mussten den Poggio hochfahren: einmal Lattenberg und zurück, allerdings deutlich steiler. Bei diesem Anstieg erinnerte ich mich an das legendäre Rennen Race Across America. Dort gibt ca. jeder 2. Fahrer auf. Einige Fahrer sogar kurz vor dem Ziel. Ich habe mir allerdings geschworen, so kurz vor San Remo nicht aufzugeben. Glücklicherweise wurde ich während des gesamten Rennens von Krämpfen verschont.

Wenig romantisch und ohne den entsprechenden Empfang war die Ankunft San Remo an einem öffentlichen Gebäude, wo wir den Transponder abgeben mussten. Schön war jedoch, etliche bekannte Gesichter aus unserer Gruppe dort zu sehen, um die Tachowerte zu vergleichen. Wir waren alle glücklich, es unbeschadet überstanden zu haben. Irgendwie meinte Dagmar: „Hauptsache wir sind heile angekommen“!

Es stellte sich jedoch dann bei der Ankunft im Hotel heraus, dass Uwe bei dem Rennen schwer gestürzt war. Nach der 2. Verpflegungsstation bei ca. 200 km hatte ein anderes Vorderrad sich hinten in sein Hinterrad verharkt, so dass er schwer gestürzt war und die rechte Schulter gebrochen hat. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und notärztlich versorgt, so auch von seinem Kollegen Axel.

Am Abend wurde berichtet, dass ein anderer Rennteilnehmer mit dem Kopf durch die Windschutzscheibe eines Pkws geflogen ist.

Als man in das Gebäude kam, um den Transponder abzugeben, genoss man die angenehme Raumtemperatur. Als wir jedoch wieder herauskamen, haben die Zähne geklappert und die Hände vor Kälte gezittert. Wir mussten noch einige Kilometer steil bergauf in die Berge von San Remo fahren, um so zu unserem Hotel zu gelangen. Und als wir mit ca. 8 Teilnehmern an der Rezeption stehend  für eine Wasserlache sorgten, wurden uns schnell die Zimmerschlüssel ausgehändigt und es wurde uns genauso wie in Mailand erlaubt, die Rennräder mit ins Zimmer zu nehmen.

Die Renndaten: 298 km, 1800 hm (mein Tacho zeigte 2071 hm), Durchschnittsgeschwindigkeit 32 km/h, Ankunft nach rund 9 Stunden und 25 Minuten, effektive Fahrzeit laut Tacho: 9 Stunden 12 Minuten. Damit hatte ich mein Ziel in jeder Hinsicht erreicht.

Überrascht war ich, einen einbeinigen Rennradfahrer zu erleben mit hohem Tempo im Hauptfeld. Nur an den Anstiegen fiel er etwas zurück. Ich musste unwillkürlich an unsere Spinningkurse denken, wo wir einige Sekunden das einbeinige Fahren geübt haben und froh waren, dann wieder beide Beine benutzen zu dürfen. Welche Leistung für diesen Mann!

An besonderen Gefahrenpunkten waren Polizisten oder Helfer postiert, die alle anderen Verkehrsteilnehmer stoppen, um unsere Durchfahrt zu gewähren. Ein Mehr an Akzeptanz war nicht vorstellbar.

San Remo

Diese Stadt hat ihren Höhepunkt längst überschritten. Bei den im Zentrum stehenden Gebäuden handelt es sich um alte Pracht, die dringend saniert werden müsste. Lage und Baumbestand sind jedoch einmalig. Unser Hotel lag sehr hoch über der Bucht mit herrlicher Aussicht. Noch während des Abendessens trudelten die letzten Teilnehmer aus unserer Gruppe ein, sie waren ebenfalls völlig entkräftet, aber glücklich, es geschafft zu haben. Diese Teilnehmer haben allein auf der Strecke vermutlich mehr Energie aufgebracht als die Tagessieger, Gratulation!

Am nächsten Morgen bin ich zu Fuß ca. 8 km durch San Remo gelaufen um den Ort anzuschauen und Lesestoff für die Rückfahrt zu besorgen. Dies ist mir am Hauptbahnhof gelungen. Ich würde San Remo gern noch einmal besuchen, nicht aber unbedingt mit dem Rennrad, jedenfalls nicht unter Zeitdruck. Wegen meiner Stadtbesichtigung hatte ich das Frühstück verpasst, im Bus gab es aber von der Hinfahrt noch ausreichend Getränke und Kuchen. Wir haben San Remo um 10.30 Uhr verlassen und sind um 0.30 Uhr in Frankfurt angekommen. Ich war um 4.00 Uhr im Bett.

Resümee

Eine historische Strecke für Radsportler und ein sporthistorisches Ereignis für mich: Froh es versucht und geschafft zu haben. Die Gefahren insbesondere wegen des schlechten Wetters, halte ich jedoch für unvertretbar. Es wäre für die Italiener zu teuer, die gesamte Strecke zu sperren. Aus diesem Grunde wird das Rennen schlichtweg als RTF deklariert und auf die Straßenverkehrsordnung verwiesen. Es ist sehr erstaunlich, dass nicht viel mehr schwere Unfälle passiert sind. Eine größere Gefahr, als mit dem Rennrad und hoher Geschwindigkeit durch Innenstädte zu rasen, sämtliche Ampeln zu überfahren und Vorfahrten zu missachten, ist kaum vorstellbar.

Froh bin ich insbesondere, nicht auf eigene Faust nach Mailand gekommen zu sein, sondern mich der Kulessa-Gruppe angeschlossen zu haben. Ein großes Kompliment an Günther, der es mit sehr viel Übersicht und Geduld versteht, ein solches Vorhaben zu organisieren. Für Staus und Wetterlage ist er leider noch nicht verantwortlich. Glück hatten wir auch mit unserem Busfahrer Andreas, bei dem sich jeder absolut sicher fühlen konnte.

Einmal im Leben sollte man es sich gönnen: Mailand-San Remo!

Sportliche Grüße aus dem Sauerland

Bernhard Kraas

Arnsberg-Oeventrop

 

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Milano - Sanremo

08.06.2010 08:52 von Markus Utz

„La Primavera" (die Fahrt in den Frühling) hieß es Ende März, als die Radsportprofis die rund 300 KM unter die Räder nahmen. Nach dem langen Winter, den windigen Frühlingsabenden und den oft nassen Trainingsausfahrten hatten Achim Escher, Frank Schamberger, Achim Schmidhauser und Markus Utz am vergangenen Wochenende ihre eigene Fahrt in den Frühling.

An der Raststätte Bad Bellingen stieg man in den von Frankfurt gestarteten Bus, der nun bis auf den letzen Platz gefüllt war. Nun war das „Team Kulessa" komplett.

Herzklopfen pur, als am Sonntag um 7:00 Uhr der Startschuss in Mailand fiel. Knapp 800 Teilnehmer klickten nahezu gleichzeitig in die Pedale ein. Wir Bamlacher reihten uns am Ende des Feldes ein und beschlossen die Fahrt gemeinsam durchzuziehen. Ein guter Entschluss, sah man doch den Einen oder Anderen gestürzten Fahrer. Fast 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zeigte der Tacho in den ersten zwei Stunden. Immer wieder überholte unsere ca. 50 Mann starke Gruppe jene Fahrer, die dem Tempo im Hauptfeld nicht mehr folgen konnten.

Nach der ersten Verpflegung bei KM 135 machten wir nur ein, zwei Minuten Pause und arbeiteten uns immer weiter nach vorne. Nun galt es den Turchino zu bezwingen. Nach dem Tunnel auf der Passhöhe stürzten wir uns in die Abfahrt nach Genua. Nun hatten wir den Streckenabschnitt erreicht, den wir aus dem Fernseher kennen. Links das türkisfarbene Meer und rechts die Felswände der ligurischen Küste. Vorbei an Palmen durch malerische Küstenorte näherten wir uns der 200 KM Marke und der zweiten Verpflegung. Teilweise war diese Streckenabschnitt gefährlich. Hektische Bremsmanöver, das Umfahren der zahlreichen Autos, Gegenverkehr und das Überfahren roter Ampeln zwangen die Teilnehmer zu äußerster Konzentration.

Wer nun meinte das Schwierigste wäre geschafft hatte sich mächtig getäuscht. Auf dem letzten Drittel verließ man immer wieder die Küstenstraße. Capo Mele, Capo Cervo, Capo Berta, Cipressa und den Poggio di Sanremo hieß es zu bewältigen. Keine großen Anstiege im Vergleich zum Schwarzwald, aber für Einige wurden nach den bis dahin gefahrenen Kilometern diese „Hügel" zu standhaften Bergen.

Nach offiziell 295 KM erreichten wir nach 10:07:00 Stunden das Ziel und belegten die Plätze 370 - 374.

Unser „Team Kulessa" gewann als größte Gruppe einen Pokal. Ein herzliches Dankeschön an Günther Kulessa der die Busreise ehrenamtlich organisiert hat.

Immer wieder haben die alteingesessenen Vereinsmitglieder des RV-Bamlach von den Erlebnissen vergangener Jahre bei Mailand - Sanremo erzählt. Diese zum Teil spektakulären Geschichten haben uns dazu bewegt diese Strecke selber einmal zu bewältigen. Nun sind auch wir „Finisher" des längsten Tagesrennen, der „La Primavera".
 

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Mailand - San Remo
08.06.2010 von Michael Haak
Am vergangenen Wochenende machte ich mich bereits zum zweiten Mal mit meinem Dad Manfred und meinem Bruder Mario (Begleitperson) auf nach Mailand um den Spuren eines Radrennens zu folgen, das schon so viel Geschichte geschrieben hat. Heutzutage ist das Profi-Rennen, das immer im März ausgetragen wird, das längste Eintagesrennen im UCI-Rennkalender und gehört zu den fünf Monumenten des Radsports. Bei seiner ersten Austragung im Jahr 1907 wurde den 33 Startern eine Aufwandsentschädigung von je 5 Lire ausbezahlt.
 

Im Gegensatz dazu wird heute von dem Veranstalter, der UC San Remo, für das Amateur-Rennen 45 Euro verlangt. Offiziell ist es als "Radtourisikfahrt" ausgeschrieben und für die vergleichsweise geringe Startgebühr von 45 Euro gibt's ein Radtrikot, drei Verpflegungsstationen und Pasta im Ziel. Aber alles der Reihe nach.
 

Am Sonntag um 07:00 Uhr ging es in Mailand in Form von einem Massenstart los. Es war schon recht warm und nach ein paar Kilometern war das Trikot schon nassgeschwitzt. Wie erwartet war das Anfangstempo auf der geraden und breiten Straße sehr hoch. Viele Radfahrer nutzten die Gegenfahrbahn, um sich im Feld weiter vorzuschieben und so bekamen wir auch immer mehr den "Ziehharmonika-Effekt" an den zahlreichen Kreisverkehren und Fahrbahnverengungen zu spüren. So trennte sich das große Feld von über 800 Fahrern aus ganz Europa hinter uns und wir waren mit ein paar hundert anderen Fahrern in der Spitzengruppe dabei. Nach ca. 80km hatte ich dann auch schon meinen ersten Tiefpunkt. Nach jeder Kurve, bei jedem Gegenverkehr (die Straße war nicht gesperrt) und bei jeder scheiss Straßenverengung ging die kräfteraubende Antreterei von vorne los und wir mussten darauf achten am Feld dranzubleiben und nicht abreißen zu lassen. Mit Müh und Not gelang es mir immer wieder Lücken zuzufahren, aber wir hatten ja noch nicht einmal ein Drittel der Gesamtdistanz hinter uns!

In die erste erwähnenswerte Steigung am "Passo del Turchino" nach 135km ging's mit einem Schnitt von über 40km/h. Am besagten Pass splitteten sich die zwei großen Gruppen auf und nach 400 überwundenen Höhenmeter ging's bergab nach Genua. Von da an verläuft die Strecke immer am Meer entlang, mit ein paar kurzen, aber steilen Abstechern auf die angrenzende Hügelkette. Nach 155km gab's unsere erste kurze Pause. Dank Mario wurden wir bestens verpflegt und konnten nach jeweils 50km frisch gefüllte Trinkflaschen, Cola und Salamiweckle aufnehmen.
 

Die wohl bekanntesten Hügel sind die beiden letzten. Der "Cipressa" und der "Poggio di San Remo" verhalf schon so manchem Fahrer zu einem geglückten Ausreißversuch und damit zum Sieg. Den Sieg konnten wir uns nach 10 Stunden nicht mehr holen. Dafür gab's zur anschließenden Stärkung noch 'ne ordentliche Runde Pasta.
 

Auch wenn der "Tour"-Bericht in der März-Ausgabe über das Rennen ziemlich negativ ausgefallen ist, war es für uns wieder ein saugeiles Erlebnis. Die Sichtweise der "Tour"-Reporter können wir nicht teilen. Es ist nunmal eine Radtouristikfahrt, das Startgeld beträgt nur 45 Euro und die Landessprache ist halt nunmal Italienisch. Respekt gilt vor allem dem Veranstalter, der doch einen enormen Aufwand für die rund 800 Starter betreiben muss.
 

Besonderen Dank gilt auch Günther Kulessa, der jedes Jahr die Organisation für den deutschsprachigen Raum übernimmt! Auf seiner Seite http://www.milano-sanremo.net gibt's alle Infos, Bilder, Ergebnisse und Erfahrungsberichte auf Deutsch.

 

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Radtouristik-Fernfahrt Gran Fondo Internazionale MILANO-SANREMO 2010

Ein Bericht von Detlev Nolte

Mailand - San Remo. Welcher Rennradfahrer im Hobby-Bereich lässt da nicht seinen Gefühlen freien Lauf? Einmal die Strecke der Profis, die La Primavera (Fahrt in den Frühling), wie das Rennen der Profis genannt wird, zu fahren. Während das längste Tagesrennen mit 295 km Länge bei den Profis alljährlich im März ausgetragen wird, findet die Gran Fondo Internazionale der Hobbyfahrer stets Anfang Juni statt. Will ich mir das wirklich antun? Der Reiz ist da. Ja, ich will! Nach der Anmeldung gilt es einen ausreichenden Trainingszustand herzustellen, um diese Strapaze durchzuhalten.

6. Juni 2010, endlich ist es so weit. Eingebunden in das Kulessa-Team des Hessischen Rundfunks warte ich mit einer Teilgruppe vor unserem Hotel am Kongresszentrum in Mailand-Assago. Einige stehen bereits in vorderer Linie der Startaufstellung. Es ist 06:50 Uhr, wir fahren ebenfalls dorthin. Wir schließen auf und befinden uns im letzten Viertel der Startaufstellung. Man hat den Eindruck, wie man es von Rennpferden kennt. Hufe scharren, aufgeregt sein und dann der Gedanke, wann geht es endlich los. Ein irres Gefühl. Die Sicht nach vorne gerichtet. Endlich um 07:00 Uhr die Startfreigabe. Aus dem Kongresszentrum hinaus in Richtung Pavia. Erst einmal einen Kreisverkehr passieren. Aber Vorsicht! Im zweiten Kreisverkehr soll rechts ein Schlagloch sein. Sturzgefahr! Alles geht gut. Prima, nichts passiert. Mein Garmin streikt. Ich bemerke das zu spät. Er hat sich aufgehängt. Das Gerät wird neu gestartet. Die Zeit beginnt ab jetzt zu zählen. Es fehlen die ersten Kilometer in der Aufzeichnung.

Die ersten zwei Stunden verlaufen im Peloton recht angenehm. Die Durchschnittsgeschwindigkeit bei dieser Gruppe lag in diesem flachen Teil der Tour um 38 km/h. Man konnte sich im Wind abwechseln. Nur einige drückten sich vorne zu fahren. Lutscher! Am Wegesrand waren viele platte Reifen zu beklagen. Zwangspause für diese Rennradfahrer. Aber die schlechten Straßen mit ihren Schlaglöchern verlangten ihren Tribut. Und dieses sollte verstärkt bis zum Passo del Turchino so bleiben.

An Voghera, Tortona und Ovada vorbei in Richtung Campo Ligure. Kurz nach Novi Ligure nach rd. 100 km schon gefahren löst sich eine Gruppe von ca. acht bis zehn Fahrern aus dem Pulk. Fahre ich mit? Kurzes Überlegen. Ich entscheide mich und klinke mich ein. Die Geschwindigkeit erhöht sich. Zuerst 40 km/h, um danach mit einem 45er Schnitt weiter zu fahren. Was soll das? Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Das Tempo ist mir im Prinzip zu hoch. Typischer Anfängerfehler, über dessen Stadium ich eigentlich hinaus sein sollte. Nach einer guten Viertelstunde werde ich von meinem Körper bestraft. Inzwischen sind 107 km gefahren und ich bekomme einen Wadenkrampf, doch bleibe verschont, nicht anhalten zu müssen. Ich muss mich zurückfallen lassen. Noch vor Ovada werde ich von der nachfolgenden Gruppe einkassiert.

So, jetzt aufpassen. Du darfst keinen Krampf mehr bekommen. Lieber noch zwei Gels verzehren. Die Geschwindigkeit, die jetzt gefahren wird, ist in Ordnung - durchschnittlich 34 km/h Wir fahren in der Po-Ebene weiter. Bis Campo Ligure kann ich meine Wadenkrämpfe kontrollieren, ohne absteigen zu müssen. Plötzlich ist es vorbei. Es geht nicht mehr. Ich muss absteigen und durch dehnen versuchen, diesen Zustand wieder zu ändern. Das Feld zieht vorbei. Sch... Danach fahre ich weitgehend allein bis zur ersten Verpflegungsstelle. Wasser trinken, die Flaschen füllen, Bananen-, Apfelsinen- und Kuchenstückchen essen. Einfach nur erholen.

Mit Sportkameraden aus dem HR-Team fahre ich schließlich weiter. Im zeitlichen Verlauf holen mich die Wadenkrämpfe auf der Steigung des Passo del Turchino ein. Drei Mal absteigen ist bis zum legendären Turchino-Tunnel angesagt. Tunneldurchfahrt und dann der schöne Ausblick auf Genua. Nun geht es ca. 12 km hinunter. Eine grandiose Abfahrt. Aber was habe ich davon. Ich empfinde es nicht so berauschend. Ich lasse mich rollen. Nur keinen Krampf bekommen. Vielleicht noch etwas kurbeln. Etwas geht noch. So kann ich noch mit einer Geschwindigkeit von 40 km/h hinunter fahren. Reihenweise werde ich von anderen Teilnehmern überholt. Welch ein Frust.

In Genua-Voltri angekommen, sofort an der nächsten Kreuzung wieder ein Krampf. Na ja, das warst dann. Die nächste Bahnhofsstation anfahren und mit dem Zug nach San Remo fahren. Doch dann die Überraschung. Das Gewusel in den Straßen von Genua und den folgenden Orten lässt meine Waden entkrampfen. Ich kann wieder weiter fahren. Jetzt ein paar Gels. Die Option, jederzeit eine Bahnhofstation aufzusuchen, bleibt. Nur nicht den Anschluss verlieren. Genua-Crevari, 12:15 Uhr, 5:03 Stunden gefahren und 155 km zurückgelegt. Wenigstens 200 km schaffst du jetzt. Ab und zu ereilt mich wieder ein Krampf. Aufhören? Nein! Ich spreche mit mir. Wer hat es eigentlich zu sagen? Mein Wille oder mein Körper, der sich sporadisch aufbäumt? Die Antwort lautet, mein Wille. Da musst du durch. Nur nicht aufgeben. Diesen Gedanken überhaupt nicht mehr zulassen.

An der Riviera entlang erreiche ich nach der zweiten Verpflegungsstelle Alassio Centre um 15:51 Uhr. Ich bin laut meinem Garmin 8:40 Stunden unterwegs und 234 km gefahren. Die Krämpfe haben sich inzwischen weitgehend verflüchtigt. Ich muss nicht mehr absteigen und kann mental meinen Körper wieder kontrollieren.

Das Schlimmste ist überstanden. Nun eine Gruppe suchen, mit der ich gegen den von vorne blasendem Wind fahren kann. Die Gruppe ist gefunden. Wir wechseln uns in der Führungsarbeit ab. Unterschiedliche Tempopassagen gestalten das Fahren entlang der Küste. Gefährlich sind jedoch die Ortsdurchfahrten. Es scheinen alle Verkehrsregeln außer Kraft gesetzt worden zu sein. Rote Ampeln und Zebrastreifen finden so gut wie keine Beachtung; sie werden einfach ignoriert. Aber auch die Polizei winkt uns durch. Dazu eine neue Erfahrung. Rechts fahren in den Ortschaften ist zu gefährlich für die Rennradteilnehmer. Auf die linke Spur gehen, an den im Stau stehenden Fahrzeugen vorbei. Entgegenkommende Fahrzeuge fahren äußerst rechts. Es bildet sich zwischen den Fahrzeugspuren eine Gasse in einer Breite von zwei Rennrädern.

Nur noch den Capo Mele und Capo Cerve überwinden. Eine Verpflegungsstelle noch. Dann wird es hart. Stehe ich das durch? Klar! Jetzt kommt nichts mehr dazwischen. Die Verpflegungsstelle ist erreicht. Flaschen mit Wasser füllen. Jetzt eine Cola, noch etwas essen. Bananen- und Orangenstückchen, etwas Süßes. Nach 10 Minuten Pause kann es um 16:33 Uhr weitergehen.

Die erste Herausforderung nach dem letzten Stop ist Capo Berta. Kurz vor der letzten Kurve lege ich eine Verschnaufpause ein. Zwei Minuten, dann weiter. Der Ort Imperia ist nicht mehr weit. Nun habe ich wieder meinen runden Tritt. Von Krämpfen keine Spur mehr, hochfrequent treten.

17:23 Uhr, 273 km gefahren, der 5,6 km lange Aufstieg nach Cipressa beginnt, der zu diesem Zeitpunkt auch von den Profis gefürchtet wird. 17:49 Uhr, an der Kontrollstelle vorbei, steil bergab. Mit bis zu 45 km/h und geschätzter Temperatur von 30° C fliege ich fast den Berg hinunter und werde für den quälenden Aufstieg belohnt. Wieder auf der Hauptstraße angekommen noch einmal vier Kilometer, um danach den Schlussanstieg zum Poggio aufzunehmen. Super Gefühl, du hast es bald geschafft. Es ist 18:16 Uhr, der Anstieg fühlt sich vergleichsweise leicht an. Lächerliche 3,7 km hinauf. Nun hat die Schinderei bald ein Ende. Um 18:36 Uhr ist der Poggio bewältigt. Ich befinde mich wieder auf der Hauptstraße in Richtung Ziel. Sechs Minuten später ist es nach 298 km erreicht. Ich durchfahre den Zielbogen. Meine Empfindungen sind kaum beschreibbar. Das Erreichte bewirkt ein hohes Maß an Zufriedenheit, gepaart mit einem großen Gefühl an Stolz.

Letztendlich drücke ich Günther noch meine Hochachtung für Organisation der Fahrt mit allen seinen Kleinigkeiten aus.

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2010 Mailand-Sanremo

Bericht von und über Konrad Hötschl
„beste Platzierung“...im Bus (direkt neben den Keksen)

Hallo Sportfreunde,
das erste mal dabei, angekommen (gerade noch auf die Matte gefahren) und begeistert!!!
Begeistert war ich allerdings vom ersten Moment der Anmeldung an....
und das muß sich Günther Kulessa und sein Familien-Orgateam auf
die Amateur-Fahne schreiben lassen!
Suuuuuuper Betreuung – telefonisch, per Mail vorher, mit genauen Wetterdaten
und nachher mit Sofort-Ergebnissen,
persönlich im Bus, z.B. kulinarisch mit Kuchen,
Nüsschen,Wasser, Apfelschorle und dergleichen mehr...
und nicht zu vergessen der Abschluß-Piccolo zum geselligen Anstoßen
auf die verletzungsfreie, erfolgreiche Teilnahme an dem Traditions-Radrennen.
Beim Einladen der ganzen Köstlichkeiten in den Bus,
wimmelte das Familien-Team Kulessa , nur so hin und her
und schleppte kistenweise "Energie" an.
Es blieb dann doch noch ein wenig Platz im Stauraum,
sodass auch die Taschen und Rucksäcke der Teilnehmer Platz fanden
und nicht zurück gelassen werden mußten.
So ein Ehrenamt macht sehr viel Arbeit, welche man nicht immer sieht
und man sollte nicht vergessen, dass Capo Günther ja auch als
aktiver Rennradler am Start war. Chapeau an dieser Stelle!
Übrigens wurde er sogar gesehen, als er auf der Strecke
anderen Fahrern zu Hilfe kam.
Ganz begeistert war ich auch von dem Detail, dass die beiden Busfahrer
beim Festzurren der wunderschönen Räder, extra Handschuhe angezogen hatten.
Eine kleine und aufmerksame Geste gegenüber sensiblen Eigentümern.
Böse Zungen behaupten,mit einem Augenzwinkern, dass die Beiden
keine Fingerabdrücke hinterlassen wollten...wird wohl stimmen,
wenn auch aus „guten“ Gründen!
Schließlich hatte jeder das Rad auf Hochglanz gebracht.
Zum Rennen selbst kann ich nur sagen...
nach flotten 150 km ging er los: der Kampf mit dem Krampf!!!
Ich hatte bis dahin nicht gewußt, dass man 153 weitere km mit Krämpfen fahren kann.
Manchmal war mir schon sehr nach Aufgeben zumute...aber,
dann sandte mir der Schutzpatron der Rennradfahrer „Fausto Coppi“,
gleich zwei Engel....in Gestalt von kleinen, untersetzten,
modisch gekleideten Italienern auf einer Vespa!
Als ich von Krämpfen gebeutelt am Wegrand stand „fragte“ der erste Vespa-Italiener
wild gestikulierend, was los sei....ich gestikulierte zurück und er verstand.
Sofort wendete er seinen Roller, stoppte , sprang ab und
fing an meine Beine zu kneten und die Muskeln zu lockern.
Er machte das so gut, dass ich ohne fremde Hilfe wieder aufsteigen
und weiter strampeln konnte. Danke Fausto!
Der zweite Schutz-Italiener traf mich an, als ich an einer Mauer lehnte;
unfähig vom Rad zu krabbeln, weil beide Beine vorne und hinten,
oben und unten krampften. Er sprang ebenfalls flott von der Vespa
und erklärte mir, dass da nur ein Espresso helfen könne.
Zufällig gehörte die Mauer zu einem Cafe und er sprintete los um
mir den Espresso zu holen. Unentgeldlich! Bella Italia!
Ein Wunder geschah!
Tatsächlich konnte ich nach einer Weile wieder an-und weiterfahren!
Grazie Coppi!
Das Foto ist im Zielbereich entstanden und ich glaube man kann
darauf gut meinen verkrampften Gesichtsausdruck erkennen!!!
Wenn es aber geschafft ist und die Erinnerung anfängt zu
vergolden , wird man wieder übermütig und sieht schon mal
im Terminkalender nach, ob der 05.06.2011 noch „frei“ ist.
Die radelnden Cousins sind auch schon auf die Kulessa-Web-Seite „angesetzt“ worden.
Jetzt muß nur noch die „Familie“ mitmachen.
Aber das krieg ich hin!!! Vielleicht hilft Rennrad-Patron Fausto nochmal!


Mille Grazie - Coppi, Vespa-Engel ,Günther und Familie Kulessa -
sagen Konrad Hötschl und Ute Pfeffer
 

 
La Classissima Milano - Sanremo ´10

Ein Bericht von Relef Tantzen

Nachdem wir in diesem Jahr bereits RTF's in den Niederlanden und Belgien unter unsere Räder genommen hatten, wollten Ulrike und ich mit der Tour Mailand - San Remo nun erstmals eine italienische Veranstaltung besuchen. Um es vorweg zu nehmen: Auch diese Veranstaltung nennt sich zwar RTF und in den Regeln wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass kein Rennen gefahren wird, aber dies ist wohl nur eine versicherungsrechtliche Formalie. Tatsächlich handelt es sich durchaus um ein Rennen, mit Zeiterfassung über Transponder, mit Zielschluss, Siegerehrung und Ergebnisliste. Die Strecke hat eine Länge von 295 Kilometern und gefahren wird auf der Originalstrecke der Profis im Frühjahr. Absperrungen gibt es natürlich nicht, ist ja eine RTF...

Schon allein wegen der Entfernung zwischen Sittensen und Mailand bzw. San Remo verbat sich natürlich eine private Organisation. Die Tatsache, dass es sich um eine Point-to-point-Strecke handelt, macht es nicht einfacher, allerdings organisiert der Veranstalter für 40 Euro nach der Tour einen Rücktransport per Bus nach Mailand.

Wir hatten eine Reise vom 05.-07.06. gebucht über Günther Kulessa von der Betriebssportgruppe des HR und wir können diese Art der Teilnahme nur empfehlen. An alles war gedacht, es gab quasi eine Rundumversorgung und Betreuung, wie wir sie noch nicht kennengelernt haben. Für jeden Teilnehmer gab es ein T-Shirt mit persönlichem Namenszug und Streckenprofil



zum besseren Kennenlernen (zusätzlich noch ein Renntrikot - sehr stylish, auch mit Namenszug), Kuchen, Süssigkeiten, Kaffee, kalte Getränke im Bus, alles da und zwar bis zur Rückankunft einschließlich.

Am 05.06. ging es gegen 06:00 von Frankfurt aus los mit einem komfortablen Bus
einschließlich Radanhänger, mit dem die Räder sicher transportiert wurden. Nach zwei Zwischenstopps mit der Aufnahme weiterer Fahrer und Durchquerung der Schweiz, waren wir dann gegen 17:00 in Mailand in unserem Hotel (4 Sterne), das gleichzeitig das Race-Hotel war und vor dessen Haustür die RTF gestartet wurde.



Da sich in unmittelbarer Nähe ein Riesen-Einkaufszentrum befand, bestand noch die Gelegenheit, letzte Einkäufe zu tätigen.

Gegen 19:00 erfolgte dann die Ausgabe des Racetrikots, der Startunterlagen, des Transponders etc..Auch vom Veranstalter selbst gab es ein Renntrikot, das im Startgeld von 45,-- Euro enthalten war. Farblich (flieder) zwar für unsere Augen etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch hier vom Stil super, mit Streckenprofil auf dem Rücken etc.. Von Günter Kulessa erhielten wir dann noch zwei zusätzliche Trinkflaschen, mehrere Powerbar-Gels und -riegel.

Gegen 20:00 fand dann eine Pastaparty im Hotelbereich statt, die mit unseren Pastapartys nicht zu vergleichen war. Im Grunde ein Büffet mit mehreren Essen und Dessert (mehrere Kuchensorten), einschließlich Aqua und Tischwein. Aber schnell musste man sein, nachgelegt wurde so gut wie kaum.

Nachdem wir dann noch alles fertig hingelegt hatten (Räder auf dem Zimmer),



war gegen 04:15 Aufstehen angesagt, um ab 05:00 zu frühstücken. Frühstück vor der RTF bedeutete einschließlich Nudeln und Spaghetti



(die von den Italienern übrigens mit Olivenöl gegessen wurden). Dann wurden die persönlichen Gegenstände in den Bus verbracht, um sich mit den übrigen der ca. 800 Teilnehmern in den Startbereich einzusortieren. Vorher wurden noch die Transponder auf einer Matte getestet.



Da wir doch recht zeitig erschienen waren, standen wir ungefähr mittig. Pünktlich um 07:00 und bei ca. 20 Grad Lufttemperatur ging es dann los, wobei wir gegen ca. 07:05 die Startlinie überquerten.

Ein Führungsfahrzeug vorneweg



und gruppenweise dann hinterher. Am Anfang hatten wir eine schöne Gruppe im 34er/35er Tempo, bei der wir uns gut hätten aufhalten können, allerdings machte der Abnehmer von Ulrikes Tacho Krawall, wir mussten rechts ran und weg war sie. Allerdings stiegen wir dann in eine neue Gruppe ein, die ein 32er/33er Tempo fuhr, das für unseren Geschmack etwas zu langsam war, zumal man für die Strecke nur 12 Stunden Zeit hatte, also ungefähr 25er Schnitt und der vielleicht nicht anstrengendste, aber zeitaufwändigste Part lag auf der zweiten Streckenhälfte. Es musste also etwas rausgefahren werden, was die Cracks auch machten, die bis zur ersten Verpflegung bei ca. 130 Km penetrant über 40 Km/h fuhren.

Für mich stellte sich dieses Problem nicht, da bei mir wieder einmal der Defektteufel zuschlug und zwar bereits bei ca. Km 10.45: Platten vorne. Sonst immer hinten, jetzt vorne. Das hatten wir wohlweislich geregelt. Taktik war: Ulrike fährt weiter und ich komm hinterher. Gesagt, getan. Relativ schnell für mich in 8-10 Minuten war alles fertig einschließlich verpacken und los gings. Einzelzeitfahren sozusagen in einem Tempo zwischen 32 Km/h und 34 Km/h, immer in der Hoffnung, irgendwann auf einen langsameren Teilnehmer aufzufahren. Aber der kam nicht! Statt dessen musste ich feststellen, dass die Italiener von einer RTF-Beschilderung doch eine andere Auffassung haben als wir in Deutschland. 20-30 Km nichts, um dann auf 100 Metern bei keiner anderen Fahrmöglichkeit 3 Aufkleber anzubringen. Gelpackungen, abgefallene Flaschen, Teamfahrzeuge, die ihre Fahrer mit Defekten aufnahmen etc. zeigten mir wie bei Hänsel und Gretel, dass ich noch richtig war. Noch. Denn die Einschläge kamen immer näher. Einen Kreisverkehr musste ich bereits dreimal fahren, um den richtigen Ausgang zu erwischen, dann hatte es mich aber erwischt.

Die ligurischen Berge sollten nach der ersten Verpflegung überquert werden bei ca. Km 145 über den Passo del Turchino über eine Kreisstraße, während ich die Überquerung via "Bundesstraße" (ST 35) über den Passo dei Giovi vornahm. Nur ganz am Rande: obwohl es hierauf nicht darauf ankam, war das schon geschummelt. Der Giovi erreicht die Höhe des Turchino nicht und hat mit ca. 26:36 einen deutlich niedrigeren Score.

Allerdings hatten die Fahrer der richtigen Route weitaus größere Vorteile. Man startet in Mailand auf einer Höhe von 113 m, um den Turchino bei 532 Metern durch einen Tunnel zu überqueren und sich dann auf einer 12 Km Abfahrt auf 0 Meter herabzustürzen und in einem Vorort von Genua Richtung San Remo zu landen.

Ich allerdings fuhr seicht den Giovi hinab und landete mitten in Genua, ohne dass eine Beschilderung zu erkennen war, wie es überhaupt weiterging. Schließlich befand ich mich im Passagierhafen. Jetzt musste erst einmal ein Notstopp her. Abgesehen davon, dass Mineralwasser aufgefüllt werden musste, erste Telefonierversuche. Bereits erste unbeantwortete Anrufe auf meinem Handy, aber keine Kontaktaufnahme möglich. Auch nicht über eine uns zur Verfügung gestellte Notfallnummer. Immer nur: Hallo, ich kann Sie nicht verstehen. Und die Zeit lief und lief und lief. In einem Restaurant endlich eine englischsprachige Bedienung gefunden, die mir die Straße nach San Remo zeigte. Völliges Unverständnis, dass ich dorthin mit dem Rad wollte (noch ca. 150 Kilometer). Noch einmal in Genua-Ausgang gefragt, ob ich nach San Remo richtig sei. Ja, alles klar, aber ob ich sicher sei, dorthin mit dem Rad zu wollen. Ja, ich solle aber nicht zu weit fahren, dann würde ich noch in Frankreich landen...

Aber dann gings weiter, mehr als 130 Kilometer über die Küstenstraße Richtung San Remo. Dass ich noch einen weiteren Reifendefekt hatte, will ich hier nur am Rande erwähnen. Ich vermutete ein schadhaftes Felgenband und benutzte einen Teil einer Serviette, um einen dritten Schlauchwechsel überflüssig zu machen. Klappte dann. Und Ulrike telefonisch erreicht, nachdem es mir zuvor gelungen war, erstmals per Handy eine SMS abzusetzen.

Bei Kilometer 226 nochmals Aqua gekauft und Notpause gemacht, da ich ernährungsmäßig total unterversorgt war. Im Grunde die ganze Tour nichts gegessen mit Ausnahme von 400 Gramm Aldi-Gelees und einem Bissen Powerbar-Riegel, woraufhin mir schlecht wurde. Ein halber Liter Aqua half dann aber.

Die Küstenstraßentour hatte es dann aber in sich. Überall entweder Industrieorte oder Ferienhochburgen. An mindestens 50 roten Ampeln und weiteren 50 Fußgängerüberwegen musste ich halten, wo vor mir die Gruppen sich entweder selbst den Weg gebahnt hatten oder sogar von Polizisten durchgewunken wurden.

50 Kilometer vor dem Ziel dann noch ein Tunnel, der von Radfahrern nicht passiert werden durfte. Der grüne Streckenpfeil war schon abgenommen, so dass ich nicht wusste, dass ich da hätte fahren dürfen. Einmal durch den Ort und wieder gefragt. Und wieder die Zeit... Und schließlich das erste Schild: San Remo 27 Kilometer. Und es wurde langsam dunkel. Gas geben Dann endlich wieder ein grüner Pfeil: rechts ab. Ah, keine Abgase mehr, keine Autos, kein Verkehr. Nein, jetzt gings es kurz vor Schluss von Null auf den 240 Meter hohen Cipressa und dann im Halbdunkel wieder runter auf die Küstenstraße. Etwas sauer auf die Streckenbauer, hätte ja nicht sein müssen. Dann endlich ein Schild San Remo 5 Km.

Auf einmal kommt mir auf einem Moped ein älterer Polizist entgegen, laut palavernd und weg war er.Ich dachte, er schimpft wegen fehlender Beleuchtung. Er fuhr immer links von mir und redete und redete. Ich verstand nichts. Auf einmal winkte er mich rechts raus. Links abdeckend, so dass ich nicht geradeaus fahren konnte. Und da sah ich es: ein weiteres gelbes Streckenschild, ich musste unweigerlich noch den 162 Meter hohen Poggio di San Remo hoch. Wie ich später erfahren habe, war es Job des Polzisten, den letzten Fahrer abzufangen.

Also hoch, innerlich fluchend, der Anstieg war nicht ohne. Hier fahren die Profis schon noch einmal Attacke, um eine Sprintankunft zu vermeiden. Dann wieder ab, nahezu bei Dunkelheit, aber ab und zu im Schein von Laternen. Und dann rein nach San Remo gegen 21:30. Um 22:00 endlich im Hotel.

Für Statistiker: Strecke offiziell: 295 Km, mein Tachostand: 325,5 Km. Die Angaben zu den Höhenmetern schwanken zwischen 1.800 und 2.250. Sieger: Michele Mascheroni in 7:49:21.00=37.58.

Also: im nächsten Jahr nicht gerade wieder, weil wir etwas anderes vorhaben, aber dann wird einmal auf Angriff gefahren.

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La Classissima Milano - Sanremo ´10

Ein Bericht von Ulrike

Nachdem ich Konkursus schon nach den ersten 10 km verloren hatte, begann mein eigenes Abenteuer. Ich blieb bei unserer relativ großen Gruppe, die gnadenlos rote Ampeln, Zebrasteifen und ähnliche störende Elemente ignorierte. Die Italiener waren darauf voll eingestellt, hielten respektvoll Abstand und verzichteten auf ihre Vorfahrt, sogar ein Linienbus blieb mit Sicherheitsabstand stehen. Vereinzelte unwissende ausländische Teilnehmer, die bei roten Ampeln anhielten, hatten Pech und mussten sehen, wie sie wieder Anschluss an die vorbeirauschende Gruppe bekamen.

Die Straßen auf den ersten ca. 100 km befanden sich in einem katastrophalen Zustand, dagegen war das Velothon der reinste Lacher. Kein Wunder, dass schon nach kurzer Zeit gestürzte und von Pannen heimgesuchte Mitfahrer reihenweise am Straßenrand standen.

Auch ich wurde mit ein paar anderen Opfer der z. T. chaotischen Beschilderung. In einem Kreisverkehr folgte ich mit einigen anderen Deutschen einem gelben Schild, während ein mitfahrender Italiener eine unbeschilderte Straße nahm. Das machte uns glücklicherweise stutzig und bei genauerem Hinsehen zeigte sich, dass das Schild zu einer anderen Veranstaltung gehörte, also schnell umdrehen und hinter dem Italiener her.

Nach ca. 135 km kam die erste "Vollverpflegung", wie es so schön auf den Schildern hieß, die allerdings nicht besonders umfangreich war. Es gab Wasser, Tee und Isogetränke, Bananen, Orangen, Honigkuchen, mit Vorsicht zu genießenden italienischen Kuchen und eingeschweißte Schoko-Croissants.



Das Angebot entsprach offenbar auch nicht unbedingt dem Geschmack aller Italiener, sodass auch gerne Eigenverpflegung mitgenommen wurde.



Am Pass und der langen steilen Abfahrt zum Mittelmeer fiel die Gruppe auseinander. Es war dann ganz angenehm, ab und zu eines der auffälligen rot-schwarzen Kulessa-Team-Trikots zu sehen.

Nach der Abfahrt begann der härteste Teil der Strecke, die Küstenstraße. Es herrschte starker Verkehr besonders von Badegästen, sodass in kleineren Ortschaften ein Vorankommen nur noch im Stop and Go - Verkehr möglich war. Besonders schlimm waren die Abgase. Ab und zu mussten zwischen den Ortschaften Felsen umfahren werden,



eine kleine Erholung, weil der Verkehr dort für kurze Zeit stark nachließ.

Inzwischen wurde ich zunehmend nervöser, weil Konkursus noch immer nicht aufgetaucht war. Ich hielt des öfteren an, um ihn telefonisch zu erreichen und erhielt dann per SMS "Verfahra". Da Konkursus zuvor noch nie in seinem Leben eine SMS geschrieben hatte (Allergie gegen moderne Elektronik), musste schon ein extremer Notfall vorliegen. Meine Nervosität steigerte sich enorm und ich versuchte alle 5 - 10 Minuten erneut, ihn zu erreichen. Perfekt wurde der Stress dadurch, dass bei km 195, wo eigentlich die 2. Verpflegung sein sollte, weit und breit nichts zu sehen war, sodass ich nun befürchtete, mich ebenfalls verfahren zu haben. Also bei allen Schildern angehalten, um die Richtung mit dem Streckenplan zu vergleichen. Leider war die RTF-Beschilderung an der Küstenstraße nicht besonders ausgeprägt. Manchmal kam mehr als 20 km garnichts. Quälend waren auch die vielen Eisdielen und -stände am Wegesrand. Ab und zu kam das dringende Bedürfnis, einfach anzuhalten und mit einem riesigen Eisbecher auf Konkursus zu warten.

Die zweite Verpflegung kam dann nach ca. 205 km.



Dort traf ich dann auf diese beiden netten Jungs, die unbedingt ihre dampfenden Füße untersuchen mussten.



Den restlichen Weg legten wir größtenteils gemeinsam zurück. Bei einem weiteren Telefonversuch klappte es schließlich und ich hörte zu meiner Erleichterung, dass Konkursus inzwischen auf dem richtigen Weg gelandet war. Da ich zu dem Zeitpunkt noch hoffte, das Zeitlimit einhalten zu können, wartete ich nicht, sondern versuchte, schnell weiterzukommen, was wegen des zunehmenden Verkehrs auf der engen Straße immer schwieriger wurde. Hinterher erfuhr ich, dass es besser gewesen wäre, in der Straßenmitte zu fahren (aber wohl auch gefährlicher).Es kam dann ca. 40 km vor Schluss (auch wieder mit falscher km-Angabe die dritte Verpflegung), die auch von einem bereits gut besetzten Besenfahrzeug angesteuert wurde. Unser Dreier-Team hatte an einer Mitnahme kein Interesse, sondern machte sich mit dem Slogan "Wir fahren durch bis morgen früh .." wieder auf den Weg. Irgendwann war dann auch San Remo ausgeschildert. Aber die RTF-Schilder, die plötzlich wieder zahlreich vorhanden waren, zeigten in eine andere Richtung, herauf nach Cipressa. Meine Begleiter wären lieber auf dem direkten Weg weitergefahren und wollten sich nicht so recht davon überzeugen lassen, dass Cipressa auslassen das gleiche wie eine Mitfahrt im Besenfahrzeug ist. Der anstrengende Anstieg wurde durch einen fantastischen Ausblick auf die Mittelmeerküste belohnt. Die Abfahrt führte zurück auf die Küstenstraße, wo kurz darauf zwei wild herumfuchtelnde Streckenposten darauf bestanden, dass wir noch einen weiteren Schlenker über den Poggio machten. Dort musste der Bär losgewesen sein. Die Straße war mit Parolen beschriftet und eine letzte 10%-Abfahrt führte endlich direkt zum Ziel auf dem Marktplatz. Als wir eintrudelten, wurde gerade die Zeitmessung abgebaut. Glücklicherweise war aber noch die Transponderrückgabestation im Einsatz.

Und nun kam das dicke Ende. Den Zettel mit der Wegbeschreibung zum Hotel hatte Konkursus, weil seine Satteltasche größer war. Der eine Mitfahrer hatte eine Privatunterkunft und der andere hatte nicht daran gedacht, den Hotelzettel mitzunehmen, wusste aber wenigstens, dass es das Grand Hotel war. Da es kaum englisch bzw. deutsch sprechende Personen gab, wurden wir mehrfach in die Irre geschickt. Als ich schließlich gegen 21:00 Uhr das Hotel erreichte, zeigte der Tacho 309 km an.

Das nächste Mal, das es sicherlich geben wird, machen wir es besser. Bis zum Mittelmeer durchheizen, was Beine und Lunge hergeben, da auf der Küstenstraße Zwangserholung garantiert ist, die dann auch genug Kraft für die letzten Hügel gibt. Im Zweifel immer hinter den Italienern herfahren und für den Notfall eine Landkarte bzw. ein GPS mitnehmen. Dann ist das Zeitlimit keine ernste Hürde. Auf jeden Fall werden wir auch nächstes Mal wieder mit Günter Kulessa fahren. Bequemer geht's wirklich nicht.

Näheres zu Günter Kulessa hier


Ulrike

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Ein Kommentar von Eckhard Heinemann

 

Hallo Günther,

an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank für Deine fürsorgliche "Fernbetreuung" aller deutschen Milano-Sanremo-Fans!
Perfekt!
Und auch den damaligen in der TOUR veröffentlichten subjektiv-kritischen Beitrag zu diesem außergewöhnlichen Radsportevent kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Die erste sehr positive Überraschung erlebten wir bei der Registration und Nummernausgabe in Mailand: das Gruppenpaket für uns 5 Fahrer aus Rostock war bereits fix und fertig vorbereitet. Wir brauchten weder lange anstehen, noch uns mühsam einzeln registrieren. Perfekt!
Der Start am Sonntag früh: bei bestem Sonnenschein ging es nach dem Startschuss zwar zügig, jedoch gesittet und unaufgeregt los. Bis zum ersten größeren Anstieg vor der ersten Verpflegung wurde zwar wie irre "geheizt" (nach 125 km hatten wir im großen Spitzenfeld einen knappen 41er Schnitt). Auf Grund der Größe dieses Spitzenfeldes, vieler Kreisverkehre und Hindernisse am Straßenrand mussten wir auch extrem oft und heftig abbremsen, jedoch floss erstaunlich wenig Blut. Im Unterschied z.B. zu den Vattenfall Cyclasics in Hamburg sind hier nämlich viele echte Radsportler am Start, die wissen, wie in großer Gruppe und bei hohem Tempo Rad gefahren wird.
Da wir dann an allen Verpflegungsstationen länger pausierten (wir wollten als geschlossene Gruppe ankommen und im zweiten Teil der Strecke auch die Landschaft genießen) kann ich hier einen anderen Kritikpunkt widerlegen: an allen Verpflegungsstationen gab es auch für Nachzügler reichlich flüssige und feste Nahrung. Über den Geschmack fester Nahrung lässt sich zwar bekanntlich streiten, jedoch gilt hier der Spruch: andere Länder andere Sitten!
Auch die Tatsache, dass wir weite Teile der Strecke Teilnehmer des öffentlichen Straßenverkehrs waren, störte überhaupt nicht. Denn die alte Weisheit wonach der Deutsche fährt, wenn er Recht und der Italiener wenn er Platz hat, beinhaltet auch, dass man hier in Italien miteinander lebt und nicht gegeneinander. Demzufolge warteten Fußgänger an den Überwegen bis wir vorbei waren, auf den teilweise dicht befahrenen Küstenstraßen fuhr der Gegenverkehr zur Seite und selbst im Kreisverkehr befindliche Autos ließen uns gewähren. Alles in Deutschland undenkbare Verhaltensweisen, die uns - bei aller Vorsicht - jedoch ein beruhigend sicheres Gefühl gaben.

Bis zum nächsten Mal!
Eckhard Heinemann
 

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Mailand Sanremo für (nicht ganz) Jedermann

Ein Bericht von Michal Müller

http://granfondo.blog.canyon.com/?p=2000&hpcnclc=1542

Mein Saisonhighlight 2010 war ganz klar die Jedermannfahrt von Mailand-Sanremo. Wobei gut ein Drittel der Starter feststellen musste, dass die 300 Kilometer durch Italien eben doch nicht für “Jedermann” geeignet sind und das Rennen vorzeitig beendet haben. Ich habe mich schon lange vorher entschieden, die Wahnsinnsstrecke in Angriff zu nehmen – oder besser gesagt sie zu fahren. Denn aufgeben stand nicht auf dem Plan. Im Laufe des Tages stellte sich aber noch heraus, dass es nicht so einfach werden sollte, sich daran zu halten.

Da das Rennen an sich schon fordernd genug war, habe ich mich entschlossen, die Reise nicht alleine zu unternehmen, sondern habe mich in die Hände des Teams Kulessa begeben, das alles komplett organisiert hat: Anreise, Radtransport und die Rückreise waren in dem Komplett-Paket inbegriffen. Obwohl wir in Frankfurt schon um sechs Uhr morgens losgefahren sind, war die Fahrt insgesamt recht entspannt, so dass wir gegen 17 Uhr ausgeruht in Mailand angekommen sind. Am Abend gab es dann noch eine große Pasta-Party für alle Teilnehmer, auf der wir unsere Energie-Speicher für den kommenden Tag auffüllen konnten.

Am kommenden Morgen darauf bin ich dann schon um 4:00 Uhr aufgestanden, da es eine Stunde später Frühstück gab. Zwei Stunden danach – punkt 7 Uhr – ging es dann für die 800 Fahrer auf die Piste – zum Glück war der Start direkt vor unserem Hotel, so dass ich keine weite Anreise mehr hatte. Ich habe mich gleich zu Beginn des Rennens in einer 70 Mann starken Gruppe festgesetzt und wir sind gemeinsam bei angenehmen Temperaturen von 22° Celsius und mit einem 36er Schnitt bis zur ersten Verpflegung bei Kilometer 125 am Fuße des Passo del Turchino gefahren. Was aber nicht heißt, dass das erste Stück entspanntes Radeln war: Durch den Ziehharmonikaeffekt, den wir jedes Mal bei Kurven und in Kreisverkehren hatten, haben wir hier schon einige Körner auf der Strecke gelassen.

Gegen Mittag stiegen die Temperaturen dann deutlich an und die Sonne brannte auf den Asphalt. Bei 35 Grad Hitze konnten wir nach dem Pass eine traumhafte Abfahrt Richtung Küste genießen. Hier habe ich mich dann mit einigen Fahrern zu einer kleinen Gruppe zusammengetan und wir sind gemeinsam über zwei kleinere Anstiege gefahren. Die ganze Veranstaltung ist ohnehin schon keine Kaffeefahrt, aber wenn man mal bedenkt, dass wir uns in dieser Bullenhitze noch zusätzlich durch die Autos und Motorroller im italienischen Stadtverkehr und durch diverse kleine Ortschaften schlängeln mussten, bekommen die 300 Kilometer nochmal eine ganz andere Bedeutung. Absperrgitter? Fehlanzeige.

Bei der zweiten Verpflegungsstation bei Kilometer 200 musste ich dann eine etwas längere Pause einlegen, da ich mit meinem Magen zu kämpfen hatte. Das Problem dabei war, dass ich jetzt nur noch alleine fahren konnte – und es lagen noch fast 100 Kilometer vor mir. Aufgrund meiner Magenprobleme war mein Körper komplett ausgelaugt und ich hatte mehrfach Krämpfe und Schmerzen in den Beinen. Auf den letzten Kilometern – alleine gegen den Wind – habe ich dann immer mal wieder kurze Pausen eingelegt und habe letztendlich nach rund 12 Stunden die Ziellinie total erschöpft, aber überglücklich im Blick gehabt.

Mein Fazit: ein fantastisches Event, das ich so schnell nicht vergessen werde. Leider hatte ich auf 150 der 300 Kilometer keinen Blick für die fantastische Landschaft und das Meer.

Michael Müller

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Ein Bericht von Stephan Breuer

 

Milano – San Remo 2009

Oder drei Rennradfreunde müßt ihr sein

 

von links: Frank Hürtgen, Achim Michels, und Stephan Breuer

Es war einmal, das der Vorsitzende von Komet – Delia kundtat „In drei Jahren werte Mitglieder ist es an der Zeit das wir unsere hundertjähriges Feiern dürfen, da wäre es doch schön in dem Jahr beim hundertjährigen Mailand – San Remo mitzufahren“.

Begeisterung machte sich in der Runde auf „jawohl dat is jut!“

Als damaliges neues Mitglied war auch ich davon begeistert, leider wusste ich noch nicht was es heißt 300km an einem Stück/Tag zu fahren.

Die nächsten zwei Jahre zogen ins Land, man verbesserte seine Leistung, putze an seinem Vehikel und nahm an der einen oder anderen RTF oder Jedermannrennen teil. So schraubte man (ich) seine Jahresleistung von ca. 1500km auf 11000km hoch.

Letztes Jahr stand dann zum Erstenmal ein Klassiker an Lüttich – Bastogne – Lüttich.(170km Variante)
Mit mehreren Vereinsmitglieder stand man am Start und wollte am Liebsten.nach 60km zurück bzw. nach Hause. Leider standen da noch mehrere 20% Steigungen im Weg, die man Schlußendlich auch bewältigte.
Jetzt hätten man am besten noch Bäume ausreißen können.

Ende des Jahres die Nachfrage, was denn nächstes Jahr Mailand – San Remo machen würde. Wie, was, wo, davon wüsste man aber nix. Aber wenn gewünscht dann setzten wir mal einen Kümmerer ein.
Blöd, dass man das dann selbst wurde. In zwei Vereinen ein bisschen Werbung gemacht und es fanden sich doch sieben Mitstreiter, die auch brav ihre Anzahlung machten. Leider bekamen dann welche von ihrem Arbeitgeber nicht frei, einer vergaß doch glatt den 94. Geburtstag seiner Mutter und so weiter. Zum Schluß blieben drei übrig. Und es wurde beschlossen jetzt aber eifrig zu trainieren. Rund um Köln wurde mitgenommen und die eine oder andere längere RTF. Einer der Runde schaffte es doch auch mal 205km an einem Stück zu fahren, sah aber danach, nach eigener Aussage, ziemlich besch…. eiden aus. Ein anderer hatte doch drei Woche vorher zwei Wochen lang Zeit sich mit Montezumas Rache auseinander zusetzen.

Also alles super Vorraussetzung um Mailand – San Remo anzusteuern.

06.06.2009 2:00 Uhr morgens der Wecker klingelt.
Was macht man bloß? Nochmals umdrehen, die anderen versetzen, ist doch eine blöde Idee gewesen.
Ab unter die Dusche, angezogen, Kleinigkeit gegessen, Sachen nochmals kontrolliert, die man am Vortag gepackt hat (bloß jetzt nix vergessen) und schon bellen Nachbarshunde und kündigen die Fahrradkollegen Achim und Frank an.

Fahrradträger mit drei Rennrädern angehangen, Wagen voll gepackt und um 2.45 Uhr war man wie im Traume auf der Autobahn gen Süden. Wettervorhersage war nicht die Dollste und so regnete es auch ab Karlsruhe immer wieder. Schön wie beim Rennradfahren wurde sich abgewechselt und man kam dem Ziel über Basel, Luzern, Gotthart Tunnel immer näher. Kurz vor Mailand riss auch endlich der Wolken/Regenvorhang auf und es wurde merklich wärmer.
Ca. 12.30 war der Campingplatz in Mailand erreicht. Endlich, Sachen ausgepackt, Zimmer verteilt, was an Zimmern da war und Pasta, von Gaby vorher selbst zubereitet, mit Elefantenmümese gefuttert.
Auf dem Weg dann zur Anmeldung wehte schon ein guter Wind und erste Verdachtsmomente keimten beim Achim auf, dass das der falsche Wind aus der falschen Richtung wäre. Umgeknickte Bäume und diverse weitere wild umher fliegende Teile bestätigten ihn immer mehr.
Startpunkt machten auf Achim und Frank auch keinen guten Eindruck, insbesondere wie sie lasen, dass nur ca. 700-800 Teilnehmer gemeldete waren. Sind wir hier richtig?
Das rosa Trikot, das man zu seinem Startpaket bekam, verfolgtständigte das ganze Szenario. Franks probierte sein L-Trikot mal an und der ist schon schmal, aber mit dem wurde er noch schmaler.
Unbeeindruckt von dem ganzen, ich habe davon keine Ahnung, machte ich den Vorschlag Mailands Innenstadt noch unsicher zu machen, wir hatten gerade mal 16.00Uhr. Ab ins Centrum, Parkplatz aufgesucht und welche Überraschung, der Mann an der Kasse fuhr es selbst in Tiefgarage, dafür bekamen wir einen kleinen Zettel.

Groß stand der Mailänder Dom vor uns oder besser gesagt wir klein vor ihm. Ab rein, Kultur ist immer gut. Einmal im Rund alles beluhrt, wie der Kölner sagt. Kerzen aufgestellt und ein kurze Stoßgebet, dass morgen bloß alle gut geht.
Scala noch mitgenommen und dann gönnten sich Frank und Achim einen Cafe. Da mir aber der Hunger in den Kniekehlen stand, in der Bäckerei gegenüber eine kalte halbe Pizza erstanden und die in den kleinen Gassen aufgemümmelt. Hier dann auch diverse schnuckelige Restaurationen vorgefunden inkl. promenierender Mailänderinnen, jetzt weiß ich auch warum Mailand eine Modestadt ist.
Schnell berichtete ich und schon saßen wir gemeinsam draußen an einer Eckkneipe und genossen nun gemeinsam den Mailänder Flair. Unser kleiner Italiener Achim bestellte dann das Bier und irgendwie sollte das Buffet inkl. sein. Also schickten wir Achim vor dies zu testen und es klappte. Allein viermal ging ich und lud mir den Plastikteller voll. Nachdem wir nun gestärkt und nur um 18,00€ für alle ärmer waren, schlugen wir den Rückweg ein. Zettel gezückt und schon wurde unser Auto gegen 13,00€ vorgefahren. Frank meinte nur, hier muß er noch mal hin.
Campingplatz in einer rasanten Fahrt schnell erreicht, also man kann sich also Fahrer an den italienischen Fahrstil gewöhnen, die Beifahrer hatte ich das Gefühl, nicht so sehr. Und Achim sagt doch immer beim Rennradfahrern „Mut zur Lücke“.
Beim Gute Nacht Bier schlug aber der Pessimismus meiner beiden Mitstreiter wieder voll durch. Zwar war es jetzt Windstill, aber morgen und die wenigen Leute und und und….

07.06.09 4:30Uhr, irgendwas poltert
Ich drehe mich noch mal und werde um 5:15 Uhr mit fertigem Frühstück vor unserer Behausung begrüßt. Geduscht, gegessen, Flaschen zurecht gemacht, alles fürs Rennen ins Auto gepackt und ab zum Start.
Nervös war man ja schon und leider erst um 6:50 da. Hinten angestellt, noch kurz parliert mit Holländern, Belgiern, Italienern und Deutschen etc. um sich Mut zu machen.

Noch ein Foto, ja so sieht man vorher aus, nochmals viel Glück und gutes Ankommen gewünscht und da ging es auch schon völlig unspektakulär los. Das Start-Tor war natürlich viel zu klein und zog alles auseinander. Wir hatten uns aber gut hinter einer großen belgischen Mannschaft positioniert.
Das Anfangstempo, wie kann es anders sein, war schon über 40. Die Gruppe fuhr relativ gut und man arbeitete sich immer weiter nach vorne. Wir drei hielten uns zusammen. Aber man merkte schon, dass der Wind von rechts vorne kam. Das Tempo zog unmerklich an und ich wunderte mich über mich selbst, das es kein Problem war bei 45-46km doch so locker mitzufahren, bloß dass das gut geht.
So richtig abgesperrt waren die Strassen ja nicht und offiziell war es ja auch nuuuur eine RTF, aber die Begleitfahrzeuge und Motorräder verschafften uns doch ganz schön Platz. Rote Ampeln wurden rigoros ignoriert und wenn doch Autos davor standen im vollen Tempo vorbeigezogen. So im Rausch bekommt man das ja gar nicht richtig mit und ungefährlich ist das ganze auch nicht. Leider lagen die ersten dann auch schon auf der Strasse.
Wir in der Gruppe weiter, die erste Stunde verging wie im Flug und 40 km waren geschafft. Puh und das noch 9-10 Stunden?
Bloß das Essen und trinken nicht vergessen. Die Strassen waren jetzt doch in einem Zustand wo man mal kurz die Hände vom Lenker nehmen konnte, um zu trinken bzw. zu essen. In Mailand war daran nicht zu denken. Superasphalt wechselte sich mit fast schon Panzerstrassen ab.
So nach 80km und zwei Stunden waren wir in der ersten Gruppe der „Normalfahrer“, Achim meinte das es auch eine Profigruppe gibt. Jetzt spürte man auch doch merklicher den Gegen wind und das Tempo brach leider auf 35/36 ein. Keiner wollte so richtig führen, auch nachdem Achim da vorne versucht hatte Bescheid zu sagen. Das wurde ihm dann zu bunt und er schnappte sich einen VW-Bus der da mit 50 vortrudelte. Jetzt wollten die anderen auch dahin, auch Frank. Das wäre aber beinahe für einige vollkommen schiefgegangen und sie reihten sich dann schnell wieder ein.
Kurze Zeit später kam hupend ein Motorrad links an uns vorbeigeschossen im Schlepptau 40-50 Rennfahrer, was denn nun fragte ich mich, da mir hören und sehen verging. Tja das war dann die falsch geführte „Profitruppe“ die jetzt das weitere Feld auseinandernahm. Da durch weitere Motorradfahren uns jetzt beide Strassenhälften zur Verfügung stand, sich aber alles links, wegen des Windes, tummelte, musste man haarscharf darauf achten jetzt nicht aus der Reihe zu fallen. Frank passierte das aber und Achim versuchte ihn wieder reinzubekommen was dann auch klappte. Die Profis nehmen keinerlei Rücksicht auf Verluste und Achim meinte nur, dass einer mich beinahe abgeschossen hätte.

Nachdem die Profis endlich durch waren beruhigte sich das Feld wieder und man fuhr doch wieder kontinuierlich 42-45km/h. Das war dann doch ziemlich aufregend. Langsam wurde es dann auch welliger, aber bedingt durch das Feld fuhr man das Tempo weiter. Bloß das trinken nicht vergessen. Bis hier hatten wir einen Durchschnitt von 39.

Vor uns kam der Gebirgszug in Sicht, stetig ging es aufwärts, das Tempo nur noch 31/32km.
Die Gruppe zog sich auseinander, manche mußten schon in den Wiegetritt. Ca. 8km vor dem Pass endlich die Verpflegungsstation. 100 Leute stürzten sich gleichzeitig auf die Verpflegung.
1oo fuhren weiter die sich von ihren eigenen Leuten Verpflegen ließen. Wasser hier Banane da. Wollte Frank meine 1Liter-Flasche mitgeben um Wasser zu holen und er im Tran schmeißt sie in den Müll. Klasse.
Wir wieder aufs Rad, ein paar andere mit uns. Erst wieder mal das Tempo bzw. den Tritt finden. Der Gegenwind fuhr immer heftiger in die Schlucht. Ließ einer Gruppe großzügig den Vortritt und wir schlossen uns an. Leider war das Tempo für Frank zu hoch, Achim blieb bei ihm. Da ich ein absolut schlechter Abfahrer bin fuhr ich der Gruppe hinterher.
Passo Del Turchino
Trotz roter Ampel fuhren wieder alle Radfahrer durch den Tunnel, einige machten wieder Rast. Andere fuhren weiter denen ich folgte. Die Strassen waren gut und übersichtlich, sodass ich endlich mal eine Abfahrt fast geniesen konnte. 50-65km waren drin. Einige Autos konnte ich doch glatt überholen. Dann der erste Ausblick aufs Meer einfach gigantisch.
12km Abfahrt gingen fiel zu schnell vorbei und mein Schnitt stieg wieder auf 37km/h. In dem Ort Genua-Voltri fanden sich einige Abfahrer zusammen und es ging auf die Küstenstrasse. Was Achim vorhergesagt hatte, traf dann auch ein Gegenwind (habe nachher mal nachgeschaut Windstärke 4-5). Wo aber blieben meine Mitstreiter?
Ich entschloss mich bei der Gruppe zu bleiben und bei der nächsten Verpflegung zu warten.

Ca. 45 km ging es jetzt an der Küste lang, 1-2m hohe Wellen, dicke Schaumkronen obenauf, kein Mensch, trotz 28-30C Außentemperatur, im Wasser. Aber die Strände waren voll.
Man musste jetzt höllisch aufpassen auf Fußgänger, die die Strasse querten.
Unsere Gruppe war jetzt ca. 30 Mann groß und die Polizei, muß man ihr lassen, versuchte Kreuzungen etc. für uns freizuhalten und winkten uns so gut es ging überall durch. Das Tempo wurde bei 38, trotz Gegenwind, gehalten. Leichte Anhöhen wurden mit Volldampf durchgezogen. Für mich war das ganze nicht einfach, in Kurven pfiff der Wind manchmal ganz schön rein und versetzte nicht nur mich.
Tja und dann kam eigentlich das was nicht kommen sollte. Durch einen Felsabsturz an der Küstenstrasse, musste man einen kleinen Umweg über den LeManie fahren, von fast 0 auf 318m. Eigentlich kein Problem, aber rechts rum von 38km/h auf 10-12km/h und erste Kettenblatt war schon eine Umstellung. Hier wurde es auch etwas Windstiller und die Sonne konnte so richtig auf einen losgelassen werden. Der Schweiss floss nur an einem so runter. Die ersten standen dann auch schon links und rechts am Wegesrand und suchten Schatten unter den spärlichen Bäumen.
Endlich oben, Verpflegung und erst einmal drei/vier Cola viel zu schnell getrunken. Bananen, Orangen, Croissants mit Marmelade, Honigbrot und Kuchen eingeschmissen.
Wo sind die Kollegen? Nach 10min endlich, Achim. Erstmal vom Rad und was trinken. Frank hat ihn einfach weggeschickt. Manchmal ist das so. Da geht einem einfach alles auf den Keks und man will nur noch stur seinen Tritt fahren.
Aber dann nach unendlich langen weiteren 10min kam auch Frank. Noch auf dem Rad zwei Colas. Hammerhart das alles und wir waren erst bei km 205.
Langsam konnten wir weiter. Die Abfahrt war hier schon viel enger und mit einigen Spitzkehren. Unten angekommen konnten wir uns dann einer größeren Gruppe von 30 Fahrern anschließen. Mit Tempo 31/32 ging es über die Küstenstrasse dem Ziel entgegen. Leider musste Frank nach ca. 5km doch wieder reißen lassen und schickte uns der anderen Gruppe hinterher.
Rauf und runter ging es, immer munter. Man zählte schon gar nicht mehr die Anhöhen, leider waren die kleine Abfahrten auch nix, da dort bestimmt immer der Gegenwind noch einen Zacken mehr drauf stand.
Zack, urplötzlich erwischte es mich dann doch, km256 waren die Salze und Mineralien trotz trinken und essen ausgespült und Krämpfe machten sich breit. Ein Glück riet mir Achim nur noch kleine Gänge und nach kurzer Pause konnte es auch weiter gehen. Leider war da die schöne Gruppe schon weg. Auf ging es, einige zurück gefallenen fuhren wiederum mit uns oder wurden gnadenlos überholt. Achim habe ich aber trotzdem, wegen des Windes, noch nie so Fluchen hören, zum Schluß schickte er mich auch noch in den Wind.
Die letzten Hügel standen an. Eine schnelle Gruppe fuhr auf uns auf und Achim verspürte den letzten Wind um sich dieser anzuschließen. Mir war das kurz vor dem Ziel dann doch ziemlich sch.. egal und fuhr meinen Tritt zu Ende. In San Remo war der Verkehr am bescheidensten, hier mussten man doch kurz vor Schluß fast mehr aufpassen, um nicht noch unter oder in einem Auto zu landen.

Die letzte Gummimatte das Ziel.

Leider waren so gut wie keine Zuschauer oder irgendwas ähnliches dort, wo man meinen könnte hier ist das Ziel. Nach 300km und über 2000 Höhenmeter und reiner Fahrzeit von 9:42 (10:46 offizielle) durchschnitt laut Tacho 30.7 (27.4) war das kein schöner Abschluß.

Ein Achim lukte um eine Säule herum, er war zwei Minuten vorher angekommen, sodass wir uns jetzt in die Arme fallen konnten und uns gegenseitig beglückwünschten. Auch Frank konnten wir zwanzig Minuten später in die Arme nehmen. Was für ein Tag.

Nach Dusche, kleiner Pasta, ab zum Bus und einladen. Wir pünktlich wie die Mauerer 19.00 da und die Fahrräder verstaut. Meine Wenigkeit machte sich dann auf wenigstens noch ein paar Bier zu besorgen. Rund um den Busbahnhof alles zu, nur MC Doof war auf, Doch da eine kleine Lotterie und was hatte die Gothar Bier, schnell 6 Bier und zurück. Schnell hätte ich mir sparen können. Abfahrtszeit offiziell 19:30, wer später kommt der hat Pech gehabt. Stand so in der Ausschreibung. Irgendwie hatten wir das ganze aber ohne die Italiener gemacht, die erst um 20:15 erschienen und ihr Zeugs dann in aller Seelenruhe verpackten. Achim explodierte in der Zeit verschiedenste male.

20:30 Uhr Abfahrt, keine 50m weiter, wir haben Grün kommt von rechts ein Bus angedonnert nimmt unserem Bus die Vorfahrt und fährt einfach weiter, da war kein halber Meter mehr. Da fährt man 300 km ungezügelt Rad und wird beinahe von einem Bus im Bus umgenietet. Einfach schön war die Korrespondenz an der nächsten Ampel zwischen zwei italienischen Busfahrern. Ich hab nix verstanden, aber einfach schön.

Um 01:30 waren wir mit unserem Auto und Fahrrädern am Campingplatz, Gute Nacht.

08.06.09 9:00 Uhr
Guten Morgen, keine schweren Beinen, keine Krämpfe, hallo wir sind doch gestern ein bisschen Fahrrad gefahren. Nix, Kurios. Geduscht, gefrühstückt (bitte keine Bananen mehr) und eingepackt. Los ging es um 11:00 Uhr heimwärts.
Leider wollte das Navi noch nicht zurück und schickte uns erstmal kreuz und quer über die Autobahnen von Mailand. Kurzerhand überstimmten wir es und legten die Fahrtroute fest. Nach kurzen Grummel und Schmollen zeigte es sich mit der nun angezeigten Route zufrieden. Um 20:00 Uhr zeigten sich die Gefilde von Köln am Horizont ab Ziel erreicht.

Fazit:
Langsam kann ich die Leute verstehen die uns für bekloppt erklären, insbesondere unsere Frauen. Aber einmal im Leben muß man so was gemacht haben, ansonsten wüsste man nicht was man (oder Frau, ja da fuhren ein paar bekloppte mit) verpasst hat. Das sind so Storys, die man noch seinen Enkelkindern erzählt. „Opa du musst bekloppt gewesen sein“, hört man sie schon sagen.
 

Stephan Breuer  / 16. Juni 2009

 

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Ein Bericht von Martin Mayer

 

Milano – San Remo 2009

Das war wirklich ne harte Nummer! Das Rennen geht erst so richtig nach 200 km los.
Der erste Anstieg kommt nach 130 km und bis dahin ist absolute Hektik und Chaos im Feld.
Einige Stürze habe ich gesehen und bin froh, dass ich nicht involviert gewesen bin.

Nach etwa 40 km hatte sich das Hauptfeld geteilt und ich war Okay damit, nicht in der ersten Gruppe zu sein.
Ständig über 45 Sachen zu fahren, ist um 7 Uhr morgens eben nicht Jedermanns Ding...
Durch die Teilung wurde es auch etwas ruhiger im Feld, so dass die nächsten 60 km dann mit einem flotten 40 iger Schnitt gelaufen sind.

Das war immer noch schnell genug und mein Puls hat sich dann auch wieder erholt.

Doof war, dass ich so ziemlich genau bei 100 km einen Platten hatte.
Leider war ich durch ein fettes Schlagloch gerauscht und dabei ist es passiert: Durchschlag am Hinterrad.
Meinen (einen) Ersatzschlauch zu montieren, hat mich ziemlich viel Zeit (20 Minuten) gekostet, weil ich echt feuchte Finger hatte.

Dadurch habe ich auch den Anschluss an meine schöne Gruppe verloren und musste hart kämpfen, um wieder den Anschluss in eine neue Gruppe zu erreichen.

Die ist dann relativ ruhig mit etwa 34 Sachen im Schnitt gelaufen bis zum ersten langen Anstieg, also bis etwa 130 km.

Der nominell höchste Anstieg war ein eher entspannter Roller. Bin völlig ruhig mit dem kleinen Blatt die 10 Km Steigung hochgekurbelt, um dann sofort nach Genua herunter zu fahren.

In Genua hatte ich 170 km auf dem Tacho mit genau 5 Stunden (inkl. Defekt). Das waren also 34 Schnitt und fast perfekt.
Mit der Abzweigung in Genua in Richtung Nizza hatten wir Radfahrer dann mit konstant heftigen Gegenwind zu kämpfen.
Leider bin ich dann noch in einem Tunnel in ein weiteres Mega-Schlagloch gefahren. Der Schlag war so heftig, dass es meinen Lenker nach unten verstellt hatte.

Um das wieder gerade zu biegen, musste ich anhalten und habe in diesem Moment eine weitere, gute Gruppe verpasst. Der gewünschte 30 iger Schnitt war damit gelaufen.

Durch einen Erdrutsch mussten wir den Anstieg "le Manie" hochfahren.
Ich wollte ja mal wissen, was die Profis fahren müssen: jetzt weis ich es! Das Ding geht mit 16 % los, ist 4,7 km lang und tat fürchterlich weh.

Ach ja: an diesem Miststück hatte ich auch mal Rückenwind… bei 37 Grad in der Sonne... Quälerei!!!

Danach noch 3 mittlere bis leichte Anstiege (nur die "Berta" (Küstenanstieg) war noch mal böse zu mir) und dann war das Ding durch!

Man kann sagen, dass das Rennen erst bei 200 km richtig los geht. Ab 220 km bis ins Ziel hatte ich mit Krämpfen zu tun…
So verteilt über den Tag hat mir fast alles mal weh getan… Beine, Waden, Nacken, Kopf, Arsch, Hände, Arme, Fußsohlen und dann wieder in einer anderen Reihenfolge…

Ich werde wohl noch eine Zeit lang brauchen, um die Eindrücke zu verarbeiten, erst mal bin ich sehr sehr müde.

Viele Grüße


Martin Mayer  / 18. Juni 2009

 

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Ein Bericht von Ulrich Zimmermann

Mailand - San Remo vom 07.06.09  

 

Höhenmeter: 2233 hm
Technische Schwierigkeit: mittel
 
 
Die vergangenen drei Jahre bin ich die Radtouristik-Fernfahrt mit Zeitmessung Mailand – San Remo mit dem Rennrad Scott CR1 gefahren. Das erste Mal 2006 nach dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft (München 09.06. Deutschland – Costa Rica 4:2) und dann zweimal mit Günther Kulessa ab Frankfurt / Main. Im Vorjahr hatte ich die Strecke erstmals unter 10 Stunden (9:03:40 h brutto, 32,5 km/h) zurückgelegt. Da ich keine realistische Möglichkeit der Verbesserung der Zeit sah, habe ich mir überlegt, nicht mit dem Scott zu fahren. Das Gazelle Stahlrad kam aufgrund seines Gewichts (Beleuchtung mit Nabendynamo, feste Schutzbleche und Gepäckträger – deutlich über 18 kg mit zwei Trinkflaschen) nicht in Frage. Das Scott Plasma Zeitfahrrad wollte ich wegen der schmalen Bereifung (19 mm) und da ich mit dem Rad noch keine sehr langen Strecken gefahren bin, nicht nehmen. Gegen beide Räder sprach auch die große Übersetzung (jeweils 2 x 10, kein kompakt). Damit stand mein Entschluss fest: Ich fahre mit dem Crossrad Simplon Booster (Rohloff 14-Gang-Nabenschaltung, 42 mm breite Marathon-Plus-Bereifung). Das Rad ist etwa doppelt so schwer wie das Scott CR 1. Als ich meine Entscheidung meinen Radsportfreunden und meinem Radhändler mitteilte, hielten diese mich für „bekloppt“ und meinten, ich sollte doch besser mit dem Rennrad fahren. Das Rennrad stand noch in Einzelteilen im Keller, da mir bis dahin die Zeit fehlte, es nach dem Urlaub im Vormonat zusammenzubauen.

Anfang Mai bin ich mit dem Simplon den Gladbacher Marathon (mit Anfahrt >260 km, 1800 hm in etwas über 10 Std.) gefahren, um die Tauglichkeit des Rades auf sehr langen Strecken zu testen. Dass das Rad die Strecke problemlos meisterte, hatte ich erwartet. Mir ging es hauptsächlich darum, auszuprobieren, ob ich bei einer so langen Tour Probleme mit dem Sattel bekomme. Erfreulicherweise war das nicht der Fall.

Vorsichtshalber habe ich das Simplon noch meinem Händler zum Check übergeben. Eine Speiche im Hinterrad hat er ersetzt und alle Verschraubungen überprüft. Die vordere Bereifung, die schon viele tausend Kilometer problemlos ihren Dienst verrichtete, habe ich erneuert, da sie schon zahlreiche Schnitte aufwies. Nach etwa 5.000 Kilometern Laufleistung der Originalbereifung des Simplon (Schwalbe Marathon) habe ich diese wegen häufigen Reifendefekten getauscht (jetzt Schwalbe Marathon Plus MTB). Seitdem hatte ich nur eine Reifenpanne. Der Nachteil an dieser Bereifung ist das deutlich höhere Gewicht von fast einem Kilogramm pro Reifen. 

Am Freitag Abend hatte ich das Simplon bereits ins Auto eingeladen. Da das Crossrad deutlich größer als das Rennrad ist, musste ich Hinter- und Vorderrad ausbauen, wobei zu beachten war, das Hinterrad stehend einzuladen, da sonst das Getriebeöl ausläuft. 

Samstag früh um 2:00 Uhr ging der Wecker und ich bin mit einer kleinen Tasche und einem kleinen Rucksack (den ich eventuell auf der Tour mitnehmen wollte) eine dreiviertel Stunde später nach Frankfurt aufgebrochen. Um 5:45 Uhr sollte ich in der Mainmetropole beim Hessischen Rundfunk sein, was mir fast auf die Minute genau gelang. Die letzten Kilometer wollte ich nach dem Navigationssystem fahren. Leider war die Schrift auf dem Gerät so klein, dass ich diese nicht lesen konnte und bin deshalb einen kleinen Umweg gefahren (insgesamt 270 km). 

Nach dem Vorderrad wollte ich das Hinterrad einbauen, was mir nicht gelang, da der Schnellspanner sich an der falschen Seite öffnete. Auch mit Hilfe einer Kombizange vom Busfahrer bekam ich das Problem nicht in den Griff. Da die Zeit drängte, um 6:15 Uhr sollte der Bus abfahren, haben wir das Gepäck und das defekte Rad eingeladen. 

In diesem Jahr fuhr „nur“ ein Bus ab Frankfurt, da viele Teilnehmer mit Begleitperson nach Mailand gereist sind, die das Auto am Sonntag nach San Remo steuerten. Der erste Halt des Busses war in Karlsruhe auf einem Parkplatz in der Nähe der Autobahn, wo weitere Mitreisende zustiegen, danach folgte ein weiterer Stopp auf einer Raststätte in der Schweiz, wo wir den letzte Mitfahrer einsammelten. Danach waren 29 Räder im Hänger. Ein Teilnehmer hatte wegen Krankheit absagen müssen. Die Kontrollen an den Grenzübergängen sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt erfolgten sehr schnell. Nicht einmal die Ausweise wurden an der Schweizer Grenze kontrolliert. Auf der Hinfahrt mussten wir kurz vor dem Gotthard-Straßentunnel warten, da die Durchfahrt nur einspurig möglich ist. 

Um 17:00 Uhr erreichten wir wie geplant das Hotel in Mailand. Da der Bus mit Hänger als LKW gilt, darf er nur 80 km/h fahren, so dass mit Pausen keine frühere Ankunftszeit möglich ist. Auf dem Parkplatz vor dem Hotel erwartete uns das Team (Reporter und Fotograf) von der „Tour“, das einen Bericht über das Rennen, allerdings erst im nächsten Jahr, veröffentlichen wird. Das Team war mit dem Auto aus München angereist und so nett, Günther und mich zum Motodrom zu fahren, dort erhielten wir die Startunterlagen und Trikots, die diesmal sehr klein ausfielen. Trikotgröße XL ist diesmal hauteng, beim letzten Mal war mir diese Größe etwas zu weit. Günthers deutschsprachiger Ansprechpartner (alle anderen sprachen nur italienisch) „vermittelte“ uns einen Kollegen, der uns zu einem Radhändler fuhr. Wo wir hin mussten, wusste er auch nicht so genau. Um nach dem Weg zu fragen, hielt er mehrmals (mitten auf der Straße) an und hupte ein paar mal. Nach einem kurzem Gespräch ging es dann weiter. Auf einigen Umwegen erreichten wir dann unser Ziel. 

Ein anderer Mitreisender hatte beim Auspacken des Rades eine gebrochene Speiche im Hinterrad festgestellt. Die Reparatur des Laufrades wurde umgehend erledigt und ich erhielt für fünf Euro einen Schnellspanner für das Hinterrad. Der kaputte Schnellspanner wurde auch noch repariert. Ich hatte leichte Zweifel, dass der Schnellspanner wegen eines größeren Durchmessers nicht passt. Der Radhändler meinte, das sei kein Problem, und so war es dann auch. 

Zurück im Hotel war mein Rad und Gepäck, das ich in der Nähe der Rezeption abgestellt hatte, verschwunden. Meine Vermutung, dass mein Zimmergenosse Andreas, der mit dem Auto aus der Schweiz angereist war, es aufs Zimmer mitgenommen hatte, bestätigte sich nicht. (Da ein Doppelzimmer wesentlich preiswerter ist, hatte ich mich dafür entschieden, ohne zu wissen, mit wem ich das Zimmer teile.) Da ich etwa zwei Stunden unterwegs war, war mein Rad und Gepäck sichergestellt worden und ich konnte es an der Rezeption abholen. 

Die Zeit war wie im Flug vergangen. So kam ich erst nach der Pastaparty inklusive Wein zum Duschen. Nachdem ich die Vorbereitungen für den morgigen Tag abgeschlossen hatte, war es schon kurz nach 22:00 Uhr und Zeit ins Bett zu gehen. Frühstück gab es am Sonntag ab 4:00 Uhr. Das war mir etwas zu früh um aufzustehen. Den Wecker habe ich auf 4:30 Uhr gestellt, so blieb mir noch 2,5 Stunden bis zum Start. Andreas wollte etwa 30 Minuten später aufstehen. 

Die meisten Mitreisenden dachten scheinbar, wenn sie nicht als Erste zum Frühstück kommen, dass sie leer ausgehen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass als ich zum Essen kam fast alle Plätze belegt waren. Das Essen reichte auch für diejenigen, die etwas länger geschlafen hatten. Kurz vor 6:00 Uhr war ich wieder auf dem Zimmer, um zu packen und mich mit dem Sonnenschutz einzucremen. Das Zimmer lag wie auch in San Remo am Ende des Gangs im 11. (und obersten) Stock. In San Remo musste ich nur in den 1. Etage. 

Andreas war direkt in Radbekleidung zum Essen gegangen und konnte deshalb vor mir das Zimmer verlassen. Im Vorjahr bin ich über die Treppe mit Rad und Gepäck nach unten gegangen, da der Aufzug in den dritten Stock nicht kam. Glücklicherweise gab es so ein Problem diesmal nicht. Der Aufzug kam umgehend. Das Gepäck und der Rucksack waren schnell verladen. Die Tasche habe ich im Kofferraum und den Rucksack wie gewohnt auf dem Sitz im Bus verstaut. Um 6:30 Uhr ging es mit Günther per Rad zum fünf Kilometer entfernten Start. Andreas war schon vorher gefahren, um einen besseren Startplatz zu bekommen. 

Am Samstag Nachmittag und Abend hatte es noch gestürmt, so dass an den Straßenrändern abgebrochene Äste lagen. Am frühen Sonntagmorgen zeigte das Wetter sich von seiner besten Seite: 18°, Sonne, wenig Wolken und kein Wind. Während des Rennens kam stärkerer Wind aus südlicher Richtung, also leider von vorne auf. 

Kurz nach 7:00 Uhr fiel der Startschuss und es dauerte einige Zeit bis auch die Letzten auf der Strecke waren. Diesmal ging es nach dem Start der RTF nicht so schnell los wie im Vorjahr (40 – 50 km/h auf den ersten 50 km). Ich fand eine größere Gruppe, wo ich am Ende gut mithalten konnte. Auf eine vierte Trinkflasche hatte ich verzichtet, da ich die Kamera, eine Weste, ½ Dutzend Gels und das Mobiltelefon dabei hatte, nur die Geldbörse hatte ich nicht mitgenommen. 

Nach etwa ½ Strecke vor der ersten Verpflegung fuhr ich als Letzter einer Gruppe. An einem Kreisverkehr fuhren alle vor mir eine Ausfahrt zu früh raus. Die Ausschilderung war richtig. Sie ist allerdings etwas anders als bei RTFs in Deutschland und klebt häufig an der Leitplanke mal auf der rechten, mal auf der linken Seite. Die Vorausfahrenden hatten ihren Irrtum lautstark bemerkt, so dass ich die richtig Straße nehmen konnte. Die andere Spur führte in die gleiche Richtung direkt zu einem Einkaufszentrum. Anstatt zu wenden, fuhren alle parallel weiter in der Hoffnung, dass es eine Verbindung zwischen den beiden Straßen gäbe. Das war allerdings nicht der Fall, so dass ein breiter unbefestigter Streifen zu Fuß überquert werden musste. 

Mir gelang es zu dem letzten Fahrer, der richtig abgebogen war und jetzt alleine fuhr, aufzuschließen. Im Windschatten ging es mit 38 km/h längere Zeit hinter ihm her. Das Tempo, meinte ich, könnte ich auch im Wind fahren (Eine Fehleinschätzung wie sich bald herausstellen sollte). Einem weiteren gelang es, zu uns aufzuschließen. Das Tempo war mir jetzt zu hoch, da ich noch nicht einmal ¼ der Strecke bewältigt hatte. So fuhr ich einige Zeit alleine weiter. An einem Kreisverkehr fehlte die Ausschilderung. Da zwei Straßen geradeaus weitergingen, hielt ich es für besser, kurz zu warten bis die nächste Gruppe kam, die den Weg kannte. 

An der ersten Verpflegung gab es Isogetränke, Wasser, Cola, Bananen, geschnittene Orangen und Müsliriegel wie auch an den anderen Kontrollen. Als ich den Verpflegungspunkt erreicht hatte, sah ich Günther, der gerade los fuhr. Nachdem ich mich gestärkt hatte, ging es die Steigung (nicht sehr steil: max. 5 – 6%) zum Turchino. Der Pass ist mit 530 m der höchste Punkt der Tour und liegt etwa auf ½ Strecke. Vor dem Pass wird dreimal die Eisenbahn mit beschranktem Bahnübergang gequert. Einen Zug hatte ich bei meinen bisherigen Teilnahmen nie gesehen. Kurz vor Erreichen des ersten Bahnübergangs schlossen sich die Schranken. Ein Radfahrer vor mir fuhr dennoch und musste sein Rad auf der anderen Seite über die Schranken heben. In einer Einmündung hinter dem Bahnübergang stand ein Rettungswagen, falls jemand beim Überqueren der Gleise stürzen sollte. Bei meiner breiten Bereifung ist ein Sturz dort ausgeschlossen. Da es einige Zeit dauerte bis der Zug kam, habe ich das einzige Foto auf der Tour von den wartenden Mitfahrern gemacht. Vor dem Bahnübergang habe ich auch einen Mitfahrer auf dem MTB getroffen. Auf meine Frage, warum er nicht mit dem Rennrad unterwegs sei, antwortete er mir, dass er kein Rennrad habe. Die beiden anderen Bahnübergänge konnte ich ohne Stopp überqueren. Der Aufstieg zum Turchino war nicht sehr steil und ich war schon nach fünf Stunden oben am Tunnel. 

Nach der Tunneldurchfahrt begrüßte mich eine freundliche Frauenstimme. Es war Rinna aus dem Rennrad-Forum. Mit ihr bin ich schon einige Male Mailand – San Remo und die Tour Transalp gefahren. Rinna hatte Probleme mit dem Magen und hatte deshalb die RTF vorzeitig beenden müssen. Da ich diesmal ohne Zeitdruck fuhr, beschloss ich anzuhalten. Wir haben uns dann ein paar Minuten nett unterhalten. Rinna ist mein Rad direkt aufgefallen, und sie hat dann einige „Beweisfotos“ gemacht. 

Bevor es in die lange Abfahrt nach Genua auf Meeresniveau ging, habe ich mir noch die Weste angezogen. Über dem Turchino hingen Wolken und es war recht kühl. Die Abfahrt wollte ich langsam angehen. Sie wurde noch langsamer als ich vorhatte, da der Rettungswagen vor mir auf der Serpentinenstrecke noch langsamer war als ich, so dass ich sogar unplanmäßig bremsen musste. Den Wagen wollte ich nicht überholen. Das war mir zu gefährlich. Als wir uns langsam Genua näherten, hielt ein Radfahrer den Rettungswagen auf. Auf der Abfahrt hat uns einziger Radfahrer überholt, den ich später wieder eingeholt habe. 

Ab Genua verläuft die Strecke größtenteils am Mittelmeer. Ein paar kleinere Steigungen mit wenigen Höhenmetern sind nicht erwähnenswert. Bei Finale Ligure (nach ca. 200 km) war die Strecke wegen eines Erdrutsches gesperrt. Die Umleitung ging durch den Ligurischen Apennin mit über 300 Höhenmetern und etwa 4 Kilometern Umweg. Hier war auch steilste Anstieg mit über 10% Steigung. Am Beginn des Anstieg habe ich Günther eingeholt. Mit der sehr kurzen Übersetzung des Crossrads konnte ich die Steigung trotz Mittagshitze einigermaßen entspannt hochfahren. Die kleinste Übersetzung, die ich normalerweise nicht fahre, habe ich hier erstmalig länger gefahren. Am Ende des Anstiegs war die zweite Verpflegung, die letzte kam etwa 40 km vor dem Ziel. 

Ab Genua hatte ich keine Gruppen mehr, den ich länger folgen konnte. Vielfach machten die Mitfahrer eine Pause, oder was selten vorkam, waren sie mir zu schnell. Die vorletzte Steigung „Cipressa“ kam mir nach der Umleitung gar nicht so steil vor. Damit der Anstieg nicht ausgelassen wird, erfolgt oben eine Zeitmessung. In San Remo geht es dann letztmalig bergauf zum „Poggio“. Hier bin ich dann erstmalig so schnell wie möglich gefahren und habe noch fünf Rennradler stehen gelassen. Als ich dann zu einem Schweden (sein Trikot deutete darauf hin) aufgeschlossen hatte, bin ich erstmal hinter ihm geblieben. Als er dann langsamer wurde, dachte ich er will in meinem Windschatten folgen. Als ich mich etwas später umdrehte, war von ihm nichts mehr zu sehen. Mich würde schon interessieren, was die Rennradler am letzten Anstieg gedacht haben, als ein Mountainbike (Crossrad) nach etwa 300 Kilometern an ihnen vorbei gefahren ist. Kurze Zeit später war ich oben. Jetzt ging es in Serpentinen nicht sehr schnell runter nach San Remo. Auf der Abfahrt traf ich einen Italiener, der mir per Handschlag gratulierte und wir fuhren dann gemeinsam ins Ziel. Mein Zimmergenosse war schon lange im Ziel, etwa 10 Minuten nach dem Sieger. Diesmal war die Polizei nicht so präsent wie im Vorjahr, wo sie an vielen Kreuzungen und Kreisverkehren stand. An weniger als 10 Stellen wurde der Verkehr von der Polizei geregelt. Eventuell lag das daran, dass ich diesmal wesentlich später unterwegs war. 

Nach der Rückgabe des Transponders habe ich die Pastaparty „mitgenommen“. Das Hotel war das gleiche wie die letzten Jahre und schnell gefunden. Der Busfahrer hatte das Gepäck bereits ausgeladen und es stand im Keller des Hotels. Dort waren auch zwei Räume, wo die Räder abgestellt wurden. Mein Rucksack fehlte, da ich ihn im Bus, statt im Gepäckraum deponiert hatte. Der Busfahrer hatte wohl damit gerechnet und war in der Nähe seines Fahrzeugs. So konnte ich mich gerade noch rechtzeitig vor dem Abendessen duschen und umziehen. Die Eile wäre nicht nötig gewesen, da sich das Essen (Pasta und Schnitzel) um ½ Stunde verschob. Nach ein paar Bierchen ging ich zu Bett. Einige Mitreisende haben sich noch in das Nachtleben von San Remo gestürzt, dazu war ich zu müde. 

Am Morgen ab 8:00 Uhr gab es Frühstück. Danach wurden die Räder und das Gepäck verladen. Der Bus konnte mit dem Hänger nicht vor das Hotel fahren, so dass das Einladen an der Hauptstraße geschehen musste. Gegen 10:00 Uhr ging es dann Richtung Heimat. Da die Auffahrt San Remo West gesperrt war, musste der Busfahrer eine geeignete Stelle zum Wenden finden und dann komplett nochmal durch die Stadt zurück fahren. Andreas haben wir mit seinem Rad bis zu einer Raststätte in der Nähe von Mailand mitgenommen. Bis zum Hotel zurückzufahren, hätte zu lange gedauert. Durch den Gotthardtunnel ging es ohne Stau, nur einige Kilometer vor der Deutschen Grenze stockte der Verkehr in der Schweiz. Auf einer Raststätte bei Freiburg wurde der Fahrer getauscht, um die Lenkzeiten einzuhalten. Vor einem Jahr war das nicht nötig, da ein Mitreisender einen Busführerschein hatte. Wie vorgesehen erreichten wir um kurz vor Mitternacht Frankfurt. Schnell haben wir unsere Räder verladen und es ging nach Hause, wo ich um 2:30 Uhr ankam. 

Fazit: Auch mit dem Crossrad ist es möglich, die Tour zu fahren. Es dauert nur „etwas“ länger. Eine gelungene Veranstaltung, an der ich eventuell nächstes Jahr wieder teilnehme. Dass ich nicht mit dem Rennrad gefahren bin, war sogar eventuell von Vorteil, da das Rad bei seinem ersten Einsatz danach nach weniger als 100 km einen Totalschaden (abgerissenes Schaltwerk, Rahmen- und Speichenbruch) hatte. 

Laut meinem Tacho:

304,09 km (+ Fahrt zum Start: 6,4 km)

11:03 Stunden Nettofahrzeit

27,40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit

60,00 km/h Maximalgeschwindigkeit

2.233 Höhenmeter (laut GPS 2.400 hm)

12 % maximale Steigung

510 m maximale Höhe

Ulrich Zimmermann / 22. Juni 2009

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Hallo,

vielen Dank für die nette Mail. Ich denke aber, dass ich mich bedanken muss für die vorzügliche Organisation der gesamten Fahrt. Dieser Tag wird insgesamt in meine persönlichen Highlights eingehen, da alles Wesentliche aus meiner Sicht perfekt geklappt hat (sturzfreies Ankommen, Zeit war absolut nachrangig). Also ausdrücklich und nochmals  "Lob in verschärfter Form" . Verbesserungswürdig sind aus meiner Sicht lediglich die folgenden kleineren Punkte (die aber am absolut positiven Gesamteindruck nichts ändern können):

- Verbot der Tria-Flaschenhalter (da doch viele Flaschen vor allem am Start flogen und gefährliche Situationen heraufbeschworen)

- Absperrung der gesamten Strecke (ich weiss, dass das an der Küstenstrasse nahezu utopisch ist; es wäre aber dennoch klasse)

- Verbesserung des Bustransfers (zu spät losgefahren, 30 min Pitstop gegen den Wunsch der Passagiere, die unter die Dusche und ins Bett wollten)

- Fotoservice an der Strecke (an steilen Abschnitten - von denen es ja einige gab :-)))

Beste Grüsse

Holger Hackländer

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Hallo Günther,
Danke erst einmal für dein Interesse zu meiner ,,Nichtplatzierung''.

Fing ja eigentlich alles ganz gut an, pünktlich aufgestanden, gut gefrühstückt, zeitig genug am Startplatz gewesen mit meine Kumpel F. Ammann.
Dann der Start, mächtig hektisch und eine noch sehr nervöse Fahrerei, zügig und dann immer dieses plötzliches runterbremsen, ohne Grund oftmals.
Wahrscheinlich ein typisch- italienischer Fahrstil, dachte ich, da muss man sich erst noch dran gewöhnen.
Wir waren ungefähr 10 bis 15 Meter hinter dem Führungsfahrzeug, bis es bei dem 7. Kilometer, 5 Meter vor mir einen Reifenplatzer gab, dies habe ich später dann erst erfahren. Die ersten stürzten schon, Vollbremsung half auch nicht mehr, also bin ich auch gestürzt, da lag ich nun und konnte es kaum glauben. Hinter mir jede Menge zu Boden, nur diese hatten alle ein bisschen mehr Glück!
Bei mir eine schöne Pflasterflechten und eine dicke Acht im Vorderrad, und das wars mit dem Rennen.
Zurück zum Hotel, da stand unser Auto. Mein Kumpel kommt erst Nacht gegen 1:30 Uhr zurück.
Im Nachbarzimmer war noch jemand aus Stuttgart, der sollte Abends seine Leute von Sanremo abholen, also hab ich ihn aus dem Schlaf geklingelt und die Situation geschildert, eingestiegen nach Sanremo und um 16:30 Uhr wieder in Sanremo ausgestiegen.
Pünklich mit F. Ammann ( 9:38) angekommen, nur anders. Fahrrad noch umladen in den Bus nach Milano und um 20 Uhr gings dann zurück.
Sonst hat alles gut geklappt, außer mein Missgeschick, aber nächstes Jahr ist ja auch noch mal.

P.S. Danke für deine Organisation, vielleicht trifft man sich nächstes Jahr mal Persönlich.

P.S. Danke auch noch mal an Dominik aus Stuttgart und seinen Leute von der SG-Stern fürs mitnehmen nach Sanremo.

Mit freundlichen Gruß
Mike Kühls!

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Hallo Günther,
ich habe auf meine älteren Kameraden gewartet und denen durch den Wind geholfen, nachdem mir am Anfang der RTF die Flaschen aus dem Halter gefallen waren und alle starken Gruppen weg waren...
So nun kann ich mit diesem Ergebnis leben oder im nächsten Jahr das Ganze noch einmal in Angriff nehmen. Ich denke es wird auf Plan B hinaus laufen (-;
Alles in allem war es ein tolles Erlebnis an das ich jetzt und in 20 Jahren noch denke. Und die Organisation - war sensationell! Die Hotels und das Essen, super.
Zu den Verbesserungen im nächsten Jahr:
- Bitte eine Bemerkung, dass die Trikots ziemlich klein ausfallen.
- Für den Verband: Man könnte in verschiedenen Leistungsklassen starten.
- Abbau der Zeitmesser könnte eine Stunde nach hinten verlegt werden.
- Eine Kamera könnte am Ziel mitlaufen, sodass man später im Internet sich ein Zielfoto ausdrucken kann
Also das war es erst mal von meiner Seite.
Also, bis dann Gruß Ralf

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Hi Günther,
ich glaube wir haben euch (den Veranstaltern) zu Danken für die großartige Orga!!!!
Aus meiner Sicht war es ja das erste mal das es über 300km (mit Mania gesamt 307km) ging, so dass ich froh war nur anzukommen.
Jedoch war ich sehr beiendruckt von der Strecke die mich noch weit nach dem Ziel aller Impressionen (Höhen und Tiefen mit eingeschlossen) beschäftigt hat.
Kurzer Abriss aus meiner Sicht:
- die ersten 60km das typische einordnen in die Gruppen (natürlich mit vielen Stürzen), habe mich natürlich mit der Hektik um einen guten Platz mitreissen lassen und schon ein paar Körner liegen lassen.
- nach 135km in nur ca. 3,5h (38 iger Schnitt) war dann die erste Verpflegungsstelle erreicht, kurz Getränke und Essen aufgenommen und dann ging es auch schon weiter.
- dann über den Torchino (Traumhaft und sehr gut zu fahren!) und dann die Abfahrt ab an die Küste (man bekommt Quasi einen Rausch) .
- An der Küste kam dann aber der böige und sehr zunehmende Westwind der meine Gruppe auseinander Bliss und der Schnitt ging auf 33 runter.
- dann kam der folgen schwere (Junior) Fehler bei km 260! Hatte noch ca. 1,5 Flassche Getränke und 3 Gels und laut Tacho zu 297km noch 37km und entschied mich die letzte Verplegungsstelle auszulassen.
- Jedoch kamen da noch ein paar Höhenmeter und die Mittagshitze und so sollte es sein das die Flaschen sehr schnell lehr wurden und die Gels verschlungen wurden.
- Dann noch 2 mal eine Gruppe an die vordere gefahren, da die hinter mir auch keine Körner mehr hatten, und so mußte ich dann doch abreißen lassen und die restlichen 20km mit einem 20 Schnitt fahren .
Aber das Ziel in Sanremo war dann die Erleichterung und die Belohnung sowie mal wieder eine Erfahrung reicher !!!!!
Verbesserungsvorschläge/Anregungen: -Genaue Beschreibung wo der Buss nach Milano abfährt , Bus ist dann auch erst um 20:30h gestartet!!
- Pasta party am Vorabend schon um 18 Uhr anfangen da sonst der Magen so voll ist.
- Morgens am Start (am Velodrom) vieleicht ein Gruppenfoto mit allen Kulessa Startern
- Ansonsten natürlich so weiternmachen wie gewohnt....:)
Grüsse aus Bad Homburg
Matthias
 

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Mailand- Sanremo 2009

 

Am Sonntag 07.06.2009 um 07:00 Uhr wird unser Abenteuer starten. Italo und ich werden auf das Rad steigen und am Abend vermutlich mit einem roten Po hinuntersteigen.
Zum guten Glück haben wir unseren Sklaven Tinu dabei. Ich habe gehört, dass er uns nach dem Rennen den Po massiert :-) Unser Team besteht aus drei Mann.

Tinu unser Sklave

Aufgaben:
Po massieren, Auto ohne Radarbusse durch Italien fahren, Überbringer des Essen und des Trinken, muss immer gut gelaunt sein, darf keine faulen Sprüche bringen.
Einfach ausgedrückt, Herr gib, Herr mach endlich :-)
 

Italo unsere Maschine

Aufgaben:
Übersetzer der komischen Sprache und Tretmaschine, wird als Zugmaschine von Patrick missbraucht, damit er nicht viel im Gegenwind fahren muss.
 

Patrick der die Schmerzen liebt

Aufgaben:
Ist für eine Höhle zum schlafen verantwortlich, darf Tinu schlagen, wenn er nicht pariert, muss vor Italo den Zielstrich überqueren.
 

Einen solchen Event kann nicht ohne Training absolviert werden, denn ohne Training, wird unser Po 3 Wochen lang rot sein :-)

Unsere Trainingskilometer:
Italo 2200 Kilometer Velo
Patrick 1667 Kilometer
Tinu 17000 Kilometer mit dem Auto :-)

Da waren wir, in Mailand in einer Grossstadt mit viel Lärm, Verkehr und Koordinationsschwierigkeiten.
Unsere Tagesrettung war die erhaltene Karte von Valeria und Mario, mit der wir uns in diesem Wirrwarr durchkämpften.

Bereits standen uns Testräder für ein Testtraining bereit, die wir natürlich sofort ausprobieren mussten.

Tinu hat schnell neue Freunde in Mailand gefunden.

und Italo konnte zum ersten Mal im Mittelpunkt der Stadt stehen

Es gab dort einen Ferrarishop, bei dem alte Teile eines Original F1 Fahrzeug verkauft wurden.
Das teuerste Teil war dieser Motor von Michael Schuhmacher für 50000 Euro, natürlich nicht Betriebsbereit.

Karten waren unsere Rettung, ohne diese wären wir einmal am Dom gewesen und würden nie mehr nach Hause finden.
 

Sogar eine Station gab es, die nach einem Käse benannt wurde.

wie schon erwähnt, ohne Karte wären wir vermutlich in Rom gelandet.

 

 

Mailand hat auch eine schöne Seite, ca 30 Minuten zu Fuss landet man in einem Künstlerviertel.

 

 

Diese Strasse war für mich der schönste Platz in einer sehr hektischen Grossstadt.

 

 

Am Abend wurde es noch hektischer. Mateo kam mit seiner Mutter Sandra auf Besuch. Wenn ich zwischen der Hektik von Mailand und von Mateo wählen würde, würde ich vermutlich Mailand vorziehen....:-)

 

 

 

Mario und Valeria waren nicht aus dem Hauschen zu bringen. Für Sie war die Welt um viele Leute die schönste Welt.

 

 

Sandra die Mutter von Mateo tat mir richtig leid, dieser Mateo ist in Ordnung, hat aber ein Temperament eines 20 Jährigen.

 

 

und vor dem Rennen noch eine Flasche Wein, denn wir wollen doch nicht den ersten Platz erreichen, oder? :-)

 

 

Tagwach um 04:45 Uhr. Dann Essen und trinken und um 05:20 Uhr Abfahrt mit dem Auto zum Startplatz ausserhalb Mailands.
Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter. Um 06:15 Uhr hatten wir bereits 19 Grad.

 

 

Ich war froh, waren wir so früh am Startplatz angekommen, so konnten wir uns in Ruhe auf den Start vorbereiten.
Ich sage Euch, da waren Velos und Beine vor Ort, die machten uns grosse Angst. Velos um die 5000- 15000 Euro waren vor Ort, teilweise sogar Entwicklungsräder verschiedenen Velofirmen und da kamen wir mit unseren Velos daher.....

 

 

Was soll's, mein altes Velo war vor 10 Jahren das Aktuellste und Beste was man haben konnte.
Mein altes Velo fuhr vor 10 Jahren eine Bergetape an der Tour de Romandie und ein Bergzeitfahren und eine Bergankunft an der Tour de Suisse.
Am Velo sollte es heute nicht liegen, denn dieses hatte genug Rennerfahrung.

 

 

Das Rennen wurde um 07:05 Uhr gestartet. 1000 Fahrer fuhren los und die ersten 100 Kilometer waren sehr hektisch.
Daher habe ich mich einer Gruppe Holländer angeschlossen, die ich bis zum ersten Pass folgte.
Es war ein guter Entscheid, wir fuhren zwar ein sehr langsames Rennen, doch sah ich bei den ersten 50 Kilometer viele Fahrer bereits am Strassenrand blutend liegen.
Meine Entscheidung war richtig. Italo war bei Kilometer 20 mit einer schnelleren Gruppe weggefahren, dieses Wegfahren hat sich vermutlich bei den vielen Aufstiegen bemerkbar gemacht.

 

 

Italo war bis zum zweiten Pass ca. 40 Minuten vor mir. Ich hatte immer gemeint, dass er hinter mir wäre, doch der zweite Pass hatte es in sich. Frage einfach bei Italo nach.....

 

 

Mein einziges Problem war die Flüssigkeit. Bis Kilometer 150 gab es keine Verpflegung, durch die grosse Hitze bekam ich langsam eine Not, doch hatte ich Glück und bekam beim Aufstieg zum ersten Pass Aqua für meine Flasche, dies war die Rettung.

 

 

Ich habe schon vieles erlebt, doch dieses Rennen, wird in grosser Erinnerung bleiben. Ich fuhr fast die ganze Küstenstrasse im extremen Gegenwind alleine und verlor somit sehr viel Kraft und Zeit.
Ich war froh, wenn wieder ein Berg vor mir war, denn da hatte ich wieder Windstill. Bei fast allen Abfahrten musste ich treten, da ich sonst stehen geblieben wäre......
Doch wir waren am Ziel. Unfallfrei und mit einer super Unterstützung von Tinu kamen wir in San Remo an.
Wir waren müde, glücklich und sehr dreckig.

 

 

Am Abend wurde dann der Strassenstaub hinunter gespült.

 

 

Leider gehen auch schöne Tage zu Ende. Am Montag gaben wir den Wohnungsschlüssel ab und verabschiedeten uns Richtung Schweiz.
Vom Meer bei 30 Grad, in die Schweiz bei 5 Grad....

 

 

Merci an Tinu für seine Helferdienste. Ohne Dich hätten wir es nicht geschafft.

 

Mit freundlichen Grüssen
Monn Patrick
 

 

Mailand – San Remo 2009:

Trotz suboptimaler Vorbereitung im Frühjahr 2009 mit vergleichsweise wenigen Kilometern in den Beinen (ca. 1000 km) hatte ich schon immer den Traum gehabt, einmal die „classicissima“ auf „heiliger Erde“ mitzufahren. Als dann auch noch die Gelegenheit hinzukam, an dem auf den Gran Fondo folgenden Montagmorgen (8. Juni 2009) in Mailand einen geschäftlichen Termin zu haben, war es schon fast eine „göttliche Fügung“. Die Website mit Bildern der vergangenen Jahre und die ausgezeichnete Vorbereitung über Günther Kulessa (E-Mails über Organisationsfragen bis hin zum Wetterbericht) haben dann die Anmeldung schnell wahr werden lassen. Mein Ziel als Novize bei diesem Gran Fondo war einfach: Durchhalten und in San Remo ankommen – die Zeit war absolut nachrangig. Man war ja hier schließlich nicht bei einer Weltmeisterschaft (O-Ton Kulessa).

Ich bin dann am Freitagabend bereits mit dem Auto in Mailand angekommen. Am Samstagmorgen konnte man bereits ab 10 Uhr die Startunterlagen und den Transponder Chip im Kartodrome abholen. Hier konnten auch noch Einzelfragen mit den perfekt deutsch sprechenden Vertretern der Organisatoren sofort geklärt werden. Den Rest des Samstags verbrachte ich dann im heißen Mailand beim Stadtbummel. Abends wurden dann Rad, Bekleidung und Verpflegung vorbereitet. Etwas mulmig über das, was der bevorstehende Tag bringen würde, war mir dann aber doch, da ich noch nie längere Strecken als 200 km gefahren war. Ich nahm mir aber fest vor, unbedingt mein eigenes Tempo zu fahren und nicht zu früh die vorhandenen Körner zu verschießen.

Um 4.30 Uhr war dann die Nacht vorbei. Um 5 Uhr wurde bereits die erste Schlacht am Frühstücksbüfett im Hotel geschlagen. Es ist alles vorhanden, was das Radfahrerherz zu dieser Stunde begehrt (Spaghetti, Brötchen, Kuchen etc.). Müde aussehende und ihren Gedanken nachhängende Italiener, Deutsche und Schweizer versuchen, noch soviel Energie für den großen Tag wie möglich zu tanken. Um 6.30 Uhr erfolgte die Abfahrt am Bus nach viel Geflachse – u.a über das vorhandene Crossrad des Kollegen Zimmermann, das später noch Erwähnung finden sollte  - und den üblichen Fotos vom Hotel im Gruppetto zum Start am Kartodrom in Rozzano (ca. 5 km entfernt).

Nach Registrierung des Transponderchips fuhr man eine Ehrenrunde auf der Kartbahn und stellte sich erst einmal hinten an. Vorne scharrten die Favoriten wie nervöse Rennpferde schon mit den Füßen. Größere – in der Regel italienische - Gruppen mit teilweise unglaublich teuer aussehenden Rädern schlossen hinten zu uns auf. Um 7.00 Uhr senkte sich die Startflagge für etwa 700 Teilnehmer: Es war für meine Begriffe ein eher unruhiger Start mit vielen fliegenden Flaschen: Einige Teilnehmer hatten Triathlon-Flaschenhalter hinter die Fahrradsättel montiert, um nicht - wie ich – insgesamt vier Flaschen bis zur ersten Verpflegung mitschleppen zu müssen. Aber entweder waren die Halter selbst oder die Flaschen in den Haltern nicht fest genug montiert, so dass reihenweise bei den ersten Streckenabschnitten auf den italienischen Straßen mit Unebenheiten oder Schlaglöchern die Flaschen flogen. Ständig warnten sich die Italiener vor diesen Hindernissen mit „Occhio, occhio“-Rufen.

Ich konnte nach der allgemeinen Sortiererei und einem kurzem, scharfem Zwischensprint eine gute große Gruppe etwa ab Casarile erwischen (mit vielen Vertretern des italienischen Parolin-Teams - grazie ragazzi per tutti). Die Gruppe hielt einen guten 33/34er Schnitt, so dass man ausgezeichnet mitrollen konnte. Die Italiener plapperten allerdings miteinander ohne Unterlass …. Man hätte sicherlich noch zu einer schnelleren Gruppe am Anfang aufschließen können, aber es warteten noch über 250 km auf uns, also hielt ich mich hübsch zurück und fuhr mein Tempo innerhalb der Gruppe.

So vergingen die ersten Stunden auf beinahe schnurgeraden Strassen Richtung Süden. Wichtig war hier angesichts der bereits brennenden Sonne stets ausreichend zu essen und zu trinken (dank des guten Tipps von Günter Kulessa hatte ich vier Trinkflaschen dabei). Also musste man etwa alle 30 Minuten einen halben Powerbar-Riegel essen und genügend trinken.

Am Horizont baute sich bereits der Apennin auf, dem man aber dann durch den Schwenk der Strasse gen Westen zunächst entging. Insgesamt waren die Strassen in einem für Italien guten Zustand: Dennoch kam es dann und wann zu kollektivem Aufatmen des Peloton, wenn eine Passage mit ganz frischem Asphalt erreicht wurde.

In Castellania konnte ich kurz am Ortseingang einen Blick auf das Schild mit dem italienischen Champion Fausto Coppi erhaschen. Nach Pavia in Castareggio erfolgte dann der Schwenk nach Westen mit einem weiterhin sehr angenehmen 33er Schnitt. Die Landschaft wurde jetzt abwechslungsreicher und auch hügeliger. Es stellte sich allerdings bei mir, wie aber auch in der Gruppe bei einigen Teilnehmern ein gewisser Blasendruck ein, den ich aber erfolgreich ignorieren konnte, um die gute Gruppe nicht verlieren zu müssen. Kurz vor dem Anstieg zum Passo di Turchino dann plötzlich und unerwartet ein Stillstand des Peloton: Die italienische Staatsbahn verschaffte der gesamten Gruppe die allseits ersehnte Pause, da eine Bahnschranke geschlossen war und ein Zug durchfuhr. Blitzschnell waren alle Fahrer links und rechts beschäftigt …

Im Anstieg zum Passo del Turchino musste ich an Erik Zabel Worte denken, dass der Turchino ja kein richtiger Pass sei, da nur 532 m hoch. Für meine Begriffe war das angesichts der bereits in den Beinen befindlichen Kilometer schon ein richtiger Pass, der am Schluss auch nicht so richtig enden wollte. Aber auf einmal war der Tunnel ausgeschildert, nur noch 100 Meter und man hatte es geschafft: Aus dem Tunnel heraus geschossen und das Meer sehen! Das war ein unglaublicher Anblick und gleichzeitig eine tolle Belohnung für die bisherigen Mühen. Die Abfahrt war einfach nur noch super und ein reiner Genuss (auch wenn ich hinter einem langsameren Auto fahren musste). Ich wusste bereits jetzt, dass ich in San Remo ankommen würde, da ich mich nach wie vor gut gefühlt habe.

Genua mit seinen Vororten (Voltri) war erschreckend hässlich; die bis dato bestehenden Gruppen lösten sich dann infolge der Abfahrt und der Verpflegungsstationen (die erste kam bei km 134) bedauerlicherweise auf, so dass man auf sich allein gestellt war oder sein Glück in der Neubildung von Grüppchen versuchte. Viele der Teams hatten eigene Begleitfahrzeuge dabei und veranstalteten ihre eignen Verpflegungspausen. Die drei Verpflegungsstationen waren vorbildlich ausgestattet (es gab überall Wasser, Cola, Elektrolyt sowie Honigkuchen, Orangen, Zwieback, salzige Focaccia samt moralischer Unterstützung).

Arenzano als kurzer Anstieg war ein weiterer, fordernder Prüfungsabschnitt, der bewältigt werden musste. Der dann folgende Anstieg nach La Magnie war dagegen für mich schon schlimmer, so dass sich die ersten fühlbaren und dauerhaften Qualen einstellten.

Die Fahrt an der Küstenstrasse war einerseits traumhaft, da direkt an der Sonne und am Meer zu fahren, andererseits habe ich gefühlte tausend Male an Fußgänger-Überquerungen an der Küstenstrasse abbremsen müssen: Hunde, Katzen, Kinder, Autos, Mopeds und gelangweilt dreinschauende Strandschönheiten kreuzten den Verkehr ohne Rücksicht auf uns. Manchmal wurde der Verkehr hektischer, der dann mehrere brenzliche Situationen heraufbeschwor. Direkt links neben der Strasse lagen die Urlauber am Strand, rechts lockten – erfolglos - die Restaurants mit ihren Plätzen in der Sonne. Es roch und duftete mittags nach köstlichen Menüs mit frischem Fisch.

Ein leichter moralischer Durchhänger stellte sich bei 185 km ein, der aber nach kurzer Zeit überwunden war („Pain is temporarily, quitting lasts forever“). Die letzten 60 km bin ich dann alleine im harten Gegenwind mit Stärke 4-5 gefahren; das Thermometer zeigte 30 Grad an.

Die Anstiege an den drei berühmten Capos (Capo Mele, Capo Cervo und Capo Berta) gingen so gerade noch, waren aber auch echte Willensprüfungen. Der Anstieg zum berühmtem Ort Cipressa bei km 295 war für mein Gefühl superhart, steil und lang, so dass ich gezwungen war, diesen Anstieg auf dem kleinsten Kettenblatt (Dreier) zu bewältigen. Erste Anzeichen von Krämpfen in beiden Oberschenkeln stellten sich ein, so dass ich die Belastung zurücknahm. Ich habe jetzt noch mehr Respekt vor den Profis, die hier noch einmal attackieren. Die Abfahrt von der Cipressa mit den aus dem Fernsehen bekannten engen Kurven entschädigt dann aber wieder für die erlittenen Anstrengungen.

Der Anstieg zum ebenso berühmten Poggio bei km 303 kurz vor San Remo war dann schon wieder auch wesentlich besser als befürchtet zu überwinden. Wegen der Krämpfe musste ich diesen Anstieg allerdings langsam angehen. An dieser Steigung überholten mich dann ein Radler im blau-gelben Dress sowie Ulrich Zimmermann mit seinem Crossbike – am Start noch geflachst und jetzt kurbelte er an einem vorbei. Da Ulrich in seinem Bericht unbedingt wissen wollte, was man in dieser Situation so denkt: Grenzenlose Begeisterung stellt sich sicherlich da nicht ein. Erster Gedanke ist: „Das kann ja wohl nicht sein.“  Ich versuchte auch, dranzubleiben und zu beißen, aber Ulrich war schlicht zu schnell - und ich zu platt (daher Chapeau für Ulrichs Leistung!).

Schließlich hat es ein Ende: Man rollt nach San Remo hinein – und hat es nach 11:43 Stunden geschafft. Ein unglaubliches Gefühl stellt sich ein, da man im ersten Moment gar nicht realisiert, dass man heute tatsächlich über 300 km mit dem Rad von Mailand bis ans Meer gefahren ist.

Fazit:

Ich denke, dass ich mich in erster Linie bei Günter Kulessa bedanken muss für die vorzügliche Organisation der gesamten Fahrt. Dieser Tag wird insgesamt in meine persönlichen Highlights eingehen, da alles Wesentliche aus meiner Sicht perfekt geklappt hat (sturzfreies Ankommen, Zeit war absolut nachrangig). Also ausdrücklich und nochmals  "Lob in verschärfter Form".

Holger „Banesto“

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Berichte aus 2008

 

Ulrich Zimmermann

06.06.2008, 09:29

Mailand-Sanremo am letzten Wochenende

Nach kurzer Nacht bin ich am Samstag um 02:00 Uhr aufgestanden und um 2:45 Uhr mit dem Auto nach Frankfurt gestartet. Nach drei Stunden Fahrt war das erste Ziel erreicht, da der für den Regierungsbezirk Köln angekündigte Nebel nicht so dicht war, und es nicht nötig war langsamer zu fahren. Nach Verladen der Räder in den Busanhänger ging es weiter Richtung Italien. Auf der Fahrt konnte ich den fehlenden Schlaf nachholen. Weder an der Grenze zur Schweiz, vor dem Gotthardtunnel (hier geht es nur einspurig in den 17 km langen Tunnel) oder an der italienischen Grenze kam es zu Wartezeiten. Um 17:15 Uhr war das Hotel in Mailand erreicht. Hier durften die Räder mit aufs Hotelzimmer, in San Remo kamen Sie in einen separaten Raum im Keller. Gegen 19:00 Uhr konnte ich die Startunterlagen (Start-Nr. zur Befestigung am Lenker, Transponder, Trikot, Müsliriegel, Streckenverlauf bzw. –profil) in Empfang nehmen, eine Stunde später ging es dann zur Pastaparty, die ebenso wie die Getränke (Wein und Wasser) im Startgeld enthalten war. Ab 22:00 Uhr war dann Nachtruhe angesagt. 4:30 Uhr riss mich der Wecker aus dem Schlaf. Nach dem Frühstück, das ab 4:00 Uhr möglich war, ging es zuerst zum Verladen des Gepäcks zum Bus. Diesmal gab es keinen Engpass in den Aufzügen, sonst hätte ich wie im Vorjahr mit dem Rad und Gepäck durchs Treppenhaus gemusst. Die vier Etagen blieben mir diesmal erspart. Da es morgens bewölkt war, lag die Temperatur schon jetzt bei etwa 20°. Am Nachmittag kam die Sonne raus und die Temperatur kletterte auf knapp unter 30°. Um 06:30 Uhr ging es mit Günther, dem Organisator der Tour, als einer der Letzten zum etwa fünf Kilometer entfernten Start, der gut ausgeschildert war. Das bedeutete, das ich wieder weit hinten starten würde. Pünktlich um 07:12 Uhr ging es los. Der Start war für 7:00 Uhr vorgesehen. Am Anfang des Rennens bin ich erstmals im Hauptfeld gefahren, das ich nach einer kurzen Aufholjagd eingeholt hatte. Aufgrund des flachen Streckenverlauf lag das Tempo nach 1 ½ Stunden bei weit über 40 km/h und bei dem ersten Verpflegungspunkt bei 130 km bei etwa 37 km/h. Bis hier war es problemlos möglich, mit dem Feld zu rollen. Die Strecke war zwar nicht abgesperrt, aber begleitende Motorräder sorgten dafür, dass nirgendwo gehalten werden musste. Stockungen gab es öfters, wenn wartende Autos auf der Strecke standen und vor Kreisverkehren. Hier musste manchmal fast bis zum Stillstand abgebremst werden. Da ich diesmal vier große Trinkflaschen mitgenommen hatte, habe ich, wie viele andere auch, an der ersten Verpflegung nicht angehalten. Jetzt ging es rauf zum Turchino-Pass (ca. 350 hm). Wegen der geringen Steigung (max. 6 %) kam ich hier recht flott rauf. Auf dem Turchino war im Gegensatz zum Vorjahr keine Zeiterfassung. Jetzt folgte die steile Abfahrt nach Genua (von 530 m auf Meeresniveau). Hier hatte ich ein PKW vor mir, den ich nicht überholen wollte. Anderen Fahrern war das nicht schnell genug, und sie überholten das Auto, so auch mein Zimmergenosse Gerhard. Ihn habe ich kurz hinter Genua wieder eingeholt. Er hat auf der zweiten Hälfte der Strecke noch über 42 Minuten auf mich verloren. Jetzt ging es fast komplett flach am Mittelmeer entlang. Nach 200 km bei Spotorno musste ein etwa acht Kilometer langer Umweg gefahren werden, da wegen eines Erdrutsches die Strecke nicht passierbar war. Mit über 300 hm und etwa 10 % Steigung war dies der schwierigste Teil der Strecke. Oben war der zweite Verpflegungspunkt, wo ich meine Trinkflaschen auffüllen konnte. Die Ortsdurchfahrten (hinter Genua) waren nicht so einfach, da der Verkehr hier nur stockend lief. Alleine wäre ich nicht auf die Idee gekommen, in der Straßenmitte zu fahren. Wenn einer es vormacht, fahren die anderen hinterher. Bei San Lorenzo al Mare ging es rauf nach Cipressa (240 m), wo eine Zwischenzeit genommen wurde. Vor San Remo kam der obligatorische Anstieg nach Poggio (162 m). Bisher war dort oben das Ziel, diesmal durften wir noch nach San Remo runter fahren. Auf den letzen Metern hätte ich fast noch absteigen müssen, da ich vor einer (relativ) steilen Rampe zu einem Parkdeck noch das große Kettenblatt drauf hatte. Dort war das Ziel und auch die Pastaparty. Mit 62 Teilnehmern hat das Team Kulessa erstmals den ersten Platz in der Mannschaftswertung belegt. Dafür gab es nehmen einem großen Pokal einen Hometrainer. Nach einem reichhaltigen Abendessen wurde der Abend an der Bar beendet. Am Montag um 10:00 Uhr ging es dann wieder Richtung Heimat. Wegen stockendem Verkehr auf der italienischen Autobahn waren wir erst Dienstag Morgen um 1:00 Uhr in Frankfurt. Gewitter und starker Regen verhinderten eine zügige Heimfahrt, so dass ich erst 3:45 zurück war.

Noch etwas Statistik:
303,6 km (Vorjahr: 290 km)
9:03:39 Std. (10:32:33 Std.)
Platz 90 von etwa 500 (508 von 701)
33,5 km/h (27,5 km/h)
V-max: 63,8 km/h
ca. 2.300 hm (1.900 hm)
max. Puls: 176
durchschn. Puls: 137

Fazit: Meine Zielvorgabe von unter 10 Stunden habe ich geschafft. Der Ostwind hat eine sehr gute Zeit, die ich so nicht erwartet hätte, ermöglicht. Die Zeitmessung stimmt mit meinem Tacho und dem GPS überein. Wenn nächstes Jahr jemand mitkommt, könnte ich mir vorstellen, noch mal zu fahren. Eine bessere Zeit kann ich schwerlich erreichen. Jetzt kann ich optimistisch für den Ötzi sein, der sicher schwieriger ist.

PS Vielen Dank für die Glückwünsche zum Geburtstag und zum Rennen

Reinhold Thaler

 

Traum oder Albtraum

Der Oktober ist vorbei, der Tacho steht auf Null, jetzt heißt es wieder an der Grundlage zu Arbeiten, Trittfrequenz usw. . Schließlich schaut man Ende März doch auf den Kilometerstand und ist erst zufrieden, wenn man an die dreitausend Kilometer erreicht hat. Also wird jede freie Minute Rad gefahren, Krafttraining und Gymnastik ist ebenfalls dabei. Jung und Alt, Rennfahrer und Touri, so wird gefahren und geplaudert, erzählt was man sich nächstes Jahr vorgenommen hat. Natürlich steht für die Fahrer fest, die Mailand - San Remo gefahren haben, dass man wieder dabei sein will. Diejenigen die die Strecke nur vom TV kennen fragen dann doch interessiert wie, wann, wo, was. Wenn ich jetzt zurück denke, an die 295 km, Passo Turchino, Coppa Berta, Cipessa, Poggio. Was habe ich da manchen Buckel verflucht, das Wetter war optimal, aber der Wind vom Meer, meine Fresse dachte ich schon, der wirft uns vom Rad. Zurück zum Training, im April, Mai muss man schon mal mindesten die 200 km oder mehr fahren, bzw neun bis zehn Stunden sitzen zu können. Wenn alles klappt mit der Kondition, dann freut man sich auf die Abfahrt nach Mailand. Nach zehn Stunden erreichen wir das Hotel in Mailand. Jetzt geht alles flott, Gruppenfoto, ab ins Hotel, Papiere, Startunterlagen, Schlüssel und das Rad wird auf´s Zimmer gebracht, Nummer montiert, Flaschen gefüllt, Abendessen, 22 Uhr ab in die Heia . Frühstück am Renntag um 5 Uhr, etwas müde, aber doch voller Vorfreude. Gut gegessen geht es an den Start. Nach einigen Informationen auf italienisch, geht es gleich mit gut 40 km/h Richtung Passo los. An der Küste angekommen ist von dem großen Feld nichts mehr übrig, jetzt braucht man eine Gruppe die gut läuft. Das ständige Auf und Ab, geht in die Beine, Krämpfe kommen zu den anderen Schmerzen dazu, jetzt ist noch mehr trinken angesagt, endlich habe ich die Berge hinter mir, es geht dem Ziel in San Remo entgegen. Voller Bewunderung für die Profis, die so manchen Buckel mit der großem Scheibe rüber drücken. An den Bergen hatte ich mir geschworen, das war das letzte Mal, das tu ich mir nicht mehr an. Am Ziel happy, im Hotel geduscht, ein kühles Bier und nochmal alles Revue passieren lassen. Schön war´s. Bis zum nächsten Mal.

Lieber Günther,
auf diesem Wege möchte ich mich nochmals herzlich bei dir und deinem Team für die toll organisierte Reise bedanken. Es hat riesig Spaß gemacht, die Stimmung war super, das Wetter passte.........
Mit herzlichen Grüßen vom Niederrhein
Markus Jennebach
Hallo Herr Kulessa
ich möchte mich auch im Namen von meinem Sohn bedanken für die Infos und e- mails rund um die Veranstaltung. Das ist nicht selbstverständlich.
Für uns waren gerade die Infos und Tipps eine Hilfe, da wir zum ersten Mal eine solche lange Distanz fuhren.
Die Erlebnisse waren schon beeindruckend und werden lange anhalten.
weiterhin einen runden Tritt
Manfred Haak
Hallo Günther,
das we ist bei uns sehr gut verlaufen, und ich muss sagen dass es trotzt der echt miesen zeit sicher
das beste rennen war, dass ich jemals gefahren bin, und wollte dir deshalb mein lob und natürlich noch viel mehr meinen dank aussprechen, dass du das ganze organisiert hast, was sicher einigen aufwand bedeutet! ich werde deine adresse in österreichs radkreisen bestmöglich verbreiten, und bin mir sicher, dass rene und ich auch im nächsten jahr wieder am start sein werden! vielen dank nochmals und einen erfolgreichen radsommer wünsche ich! mfg aus der alpenrepublik, rudi fritsch
Hallo Günther
Für mich war es die 1. Teilnahme und ein wunderschönes Radsporterlebnis.
Von der Organisation gibt es kaum was besser zu machen deshalb ein ganz grosses Lob an dich !!!
Das einzige was du an den Veranstalter weitergeben kannst sind die vielbefahrenen Strassen an der Küste ab Genua. Es war wirklich nicht einfach in den Städten an den Autos mit einer bestimmten Geschwindigkeit vorbei zu kommen.
Der Rest war wie gesagt Top. Es war bestimmt nicht meine letzte Teilnahme bei Milano - San Remo.
Danke nochmals für alles.
Gruss
Marco
Hallo Günther,
ich war zusammen mit Manfred das erste Mal dabei und es war richtig geil!!! Wenn deine super Organisation von deutscher Seite nicht gewesen wäre, hätte das mit Sicherheit nicht so reibungslos mit der Anmeldung und mit den Startgebühren und so funktioniert. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle!!!
Ich habe im Anhang ein paar Bilder vom Rennen, die unser Begleiter gemacht hat.
Viele Grüße,
Michael Haak
Hallo lieber Günther,
wenn auch etwas verspätet, möchten wir uns bei Dir ganz herzlich für die gute und unauffällige Organisation der Busreise, der Unterkunft und Tour Mailand-San-Remo bedanken. Es hat alles super geklappt und hat uns viel Spaß gemacht.
Wir konnten nur erahnen, wieviel Arbeit für Dich und Deine Frau dahinter steckte. Vielen Dank.
Besonders erfreulich natürlich, daß wir Hessen den Riesenpokal mit nach Hause nehmen konnten.
Herzliche Grüße RV 03-Team aus Bürstadt
Werner, Walter und Dieter
Hallo Günther,
es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe Du bist auch noch gut im Ziel angekommen.
Nochmals vielen Dank für Deinen Einsatz beim Besorgen unserer Startunterlagen.
Viele Grüße
Falk

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Berichte aus 2007

 

Ulrich Zimmermann

15.06.2007, 23:29

Mailand-Sanremo am letzten Wochenende

Um am Samstag morgen gegen 06:00 Uhr in Frankfurt zu sein, bin ich gegen 03:00 Uhr mit dem Auto losgefahren. Da ich nicht verschlafen wollte bin ich erst gar nicht zu Bett gegangen und war froh als ich Frankfurt angekommen war. Das Verladen der Rennräder in den Busanhänger war einfach, da die Räder nicht auseinandergebaut werden mussten. In dem Hänger war Platz für 40 Räder, die gleiche Anzahl wie Mitfahrer im Bus. Nach Verladen der Räder ging die Fahrt etwas früher als vorgesehen weiter nach Karlsruhe, wo wie auch später in Offenburg weitere Mitfahrer zustiegen. In Offenburg musste der Bus etwas warten, da wir vor der vereinbarten Zeit dort waren. Die Weiterfahrt verlief problemlos. An der Grenze zur Schweiz mussten eine kurze Zeit warten. Der Fahrt durch den Gotthardtunnel verlief im Gegensatz zur Rückfahrt unproblematisch. Am späten Nachmittag kamen wir dann in Pieve Emanuele südlich von Mailand an. Am Bus wollte Günther, der die Reise organisiert hatte, nach Ausladen der Rennräder die Startunterlagen ausgeben, die an der Hotelrezeption hinterlegt waren. Leider fehlten die Transponder. Gegen Barzahlung von 400 Euro sollten sie nach etwa einer Stunde geliefert werden. Während der „Pastaparty“ kamen dann die Transponder und mussten den Startunterlagen zugeordnet werden. Danach ging es mit dem Rennrad aufs Zimmer. Die Zimmer waren relativ klein, hatten aber einen großen nach außen abgesperrten Balkon, wo die Räder problemlos unterkamen. In dem Doppelzimmer im zweiten Stock gab es im Gegensatz zu dem Hotel in Sanremo zwei getrennte Betten. Auf die Buchung eines Einzelzimmers hatte ich auf Grund des Aufpreises von 100 Euro verzichtet, ohne zu wissen mit wem ich das Zimmer in den beiden Nächten teilen würde. Im Vorjahr hatte ich das genauso gemacht. Das war auch diesmal kein Problem. Als ich den Fernseher anstellte wunderte ich mich doch etwas über die Kosten für Pay-TV und Musik, die bei über 10 Euro lagen. Als einziges deutsches Programm war SAT1 zu empfangen. Da wir nicht zum Fernsehen dort waren, hat mich das nicht weiter gestört. Ich bin früh zu Bett gegangen, da zwischen 04:00 Uhr und 06:00 Uhr das Frühstück bereit stand. Nach dem Frühstück so gegen 06:00 Uhr kam es zu dem befürchteten Engpass an den Aufzügen. In den Aufzug passten keine zwei Rennräder mit Fahrern und Gepäck. Unvorsichtigerweise hatte ich die Radschuhe schon angezogen. Mein Zimmerkollege war da umsichtiger und hat erst später in die Radschuhe gewechselt. Nachdem kein Aufzug frei war, blieb mir keine andere Möglichkeit, als mit dem Rennrad die Treppe zu nehmen. Mit einer Hand am Rennrad und der anderen am Treppengeländer ging es dann in die Hotelhalle und danach noch mal rauf um das Gepäck zu holen. Pünktlich um 06:30 Uhr war ich am Bus, um die Tasche einzuladen. Gemeinsam ging es zum gut ausgeschilderten Start in Ponte Sesto. Pünktlich um 07:06 Uhr erfolgte der Startschuss. Ich wollte mit Günther zusammen fahren, habe ihn aber nach dem Start aus den Augen verloren. Da ich auch diesmal weit hinten gestartet war, brauchte ich einige Zeit, um das letzte Feld, was von einem Polizeifahrzeug eskortiert wurde, einzuholen. Das Tempo schwankte um die 30 km/h, so dass ich mich öfters an der Führungsarbeit beteiligte. Die Straßen waren zu diesem Zeitpunkt noch gesperrt. Ab der ersten Verpflegung war das nicht mehr der Fall. Nach etwa vier Stunden erreichten wir die Verpflegungsstelle bei km 132. Bei km 190 und km 255 sollten die nächsten Verpflegungsstellen sein. Nach der ersten Verpflegung kam ich zum Turchino. Den Aufstieg auf 540 m fand ich nicht sehr steil. Danach ging es steil bergab nach Genua. Der weitere Streckenverlauf war fast flach bis zu den Zypressen, ca. 25 km vor Sanremo. Die nächsten 120 km bin ich alleine gefahren. Dies ging vielen Mitfahrern genauso. Ab und zu habe ich einige Fahrer eingeholt, dabei war auch eine Gruppe mit etwa 10 Mann. Da deren Tempo mir zu niedrig war, bin ich alleine mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwas über 30 km/h weiter gefahren. Nach 230 km ließen die Kräfte nach, so dass ich deutlich langsamer wurde. Bei km 253, kurz vor der dritten und letzten Kontrolle, holten mich fünf Holländer ein. Sie fuhren etwa 30 km/h. Das Tempo konnte ich im Windschatten prima mitgehen. Die Holländer hatten ihre eigene Verpflegung und ließen deshalb die letzte Verpflegung aus. Da eine Trinkflasche noch gut gefüllt war, habe ich mich dazu auch entschlossen. Die Geschwindigkeit ging weiter zurück auf etwa 25 km/h, da der vorletzte Aufstieg von etwa 230 hm (Zypressen) anstand. Auch dies kam mir nicht sehr steil vor. Mit etwas unter 20 km/h bin ich den Berg raufgefahren. Danach ging es wieder runter ans Meer bis Bussana, wo es zum Ziel nach Poggio rauf ging. Auf den letzten Metern habe ich noch zwei von den Holländern überholt. Nach 10:33 Stunden (297 km, 27,51 km/h, Platz 508 von 701 gewerteten Fahrern) war ich etwa ½ Stunde langsamer als im Vorjahr im Ziel. Nach einem Erfrischungsgetränk und Rückgabe des Transponders habe ich noch ein paar Fotos am Ziel gemacht. Nachdem keine weiteren mir bekannten Fahrer kamen, bin ich zum Hotel gefahren. Ebenso wie in Pieve war das Hotel in Sanremo auf dem GPS eingetragen. Ungewöhnlich fand ich, dass in dem Hotelzimmer keine Klimaanlage war und auch der Fernseher nicht funktionierte. Am nächsten Morgen fand ich heraus, dass der Antennenstecker auf dem Boden lag. Nach einem umfangreichen Abendessen ging es dann früh zu Bett. Die Räder mussten am Montag morgen auf einem nahegelegenen Parkplatz verladen werden, da die Kurven auf der Auffahrt zum Hotel für den Bus mit Hänger zu eng waren. Gegen 10:00 Uhr ging es zurück nach Deutschland. Eine etwa 1,5 Stunden lange Sperrung des Gotthardtunnels verzögerte unsere Ankunft in Frankfurt, die dann kurz vor 01:00 Uhr am Dienstag früh erfolgte. Gegen 03:15 war ich dann zurück. Nach einer kurzen Nachtruhe musste ich wieder arbeiten. Ich hatte erwartet etwa zwei Stunden früher zurück zu sein.
Fazit: Eine gelungene Veranstaltung. Bei einer Wiederholung sollten sich die Mitfahrer untereinander absprechen, damit sich Gruppen bilden können.

Martin Mack

9 Steinacher Ausdauerspezialisten 2655 km unterwegs!
(mma) Respektvoll "La Classicissima" genannt und seit 1907
ausgetragen ist Milano - Sanremo (Mailand - San Remo) eines der fünf
berühmtesten Eintagesrennen, der sogenannten Monumente des
Radsports! Dabei ist es mit über 295 km das längste Eintagesrennen im
Profi-Radsport!
Dieser Klassiker wird auch "La Primavera" (Fahrt in den Frühling) genannt, da
er alljährlich im März ausgetragen wird. Und als Monument des Radsports wird
er bezeichnet, weil er sich durch zwei Faktoren auszeichnet: Das Alter und die
illustre Siegerliste. Und darum wollten auch die Steinacher Rennradler daran
teilnehmen, allerdings bei der später im Jahr auf der Originalstrecke
stattfindende Amateur-Version des Lieblingsrennens von Erik Zabel.
Wann und wie die Idee zur Teilnahme kam, ist im nach hinein nicht mehr genau
zu klären. Jedoch mit zahlreichen Trainingskilometer auf dem Rennrad, in den
Laufschuhen oder auf den Langlauflatten, haben sich die Steinacher Rennradler
über Monate hinweg speziell vorbereitet. Verschiedene Veranstaltungen, sei es
der 30 km Freundschaftslauf Durbach – Straßburg, die 42 km des Engadiner
Skimarathons oder die 110 km der Worldclass Marathon Challenge 2007
wurden in den Trainingsplan mit eingearbeitet.
Das Amateur Radrennen über die Distanz von 295 km und 1800 Hm von
Mailand nach San Remo ist inzwischen ein echter Radklassiker geworden und
fand am 10.Juni 2007 zum 37.ten mal statt. Es ist dem Profirennen
nachempfunden, dass einige Wochen vorher, als einer der Auftakte der
Profisaison statt findet und führt zuerst auf größtenteils flacher Strecke durch
die Poebene. Pünktlich um 07:00 Uhr morgens erfolgt in Mailänder Stadtteil
Rozzano der Startschuss. Der Streckenverlauf ist identisch mit dem
Profirennen. Nach gut 120 km steigt die Straße an, zum Passo del Turchino und
fällt danach auf einer grandiosen Abfahrt, hinunter zur Italienischen Riviera, bis
auf Meereshöhe. Ab Genua - Voltri führt die Strecke immer an der Riviera
entlang bis nach San Remo, einschließlich der "Cipressa ", dem gefürchteten
Berg 10km vor dem Ziel.
Die herausragenden Schwierigkeiten des Rennens sind zum neben der
außergewöhnlich langen Distanz vor allem das hohe Tempo, wo mit bis zu 50
km/h in der ersten Hälfte des Rennens durch die Po – Ebene gen Süden
gefahren wird. Vorne weg das Fahrzeug der Rennleitung das die Strasse
freimacht. Das ca. 900 Mann zählende Fahrerfeld braucht die gesamte
Straßenbreite. Es wird immer wieder vor Hindernissen gewarnt, vorne ein
Aufschrei, bremsen und dann wieder Gas geben, so zieht sich das Feld immer
wieder wie eine Ziehharmonika auseinander. Das heißt immer wieder
beschleunigen um wieder denn Anschluss herzustellen. Nach 143 km erreichen
wir den ersten Verpflegungsposten, Flaschen auftanken, eine Banane und
weiter.
Dann jedoch kommt es knüppelhart. Das hohe Tempo hoch zum Passo del
Turchino zieht am Anstieg das Feld auseinander. Oben am Pass die legendäre
Tunneldurchfahrt, anschließend in rasanter Abfahrt hinunter nach Genova –
Voltri ans Meer. Wer nun gedacht hat, hier sei das Schlimmste überstanden,
hat die Rechnung ohne die Hitze, vor allem ohne den nun stetig von vorne
blasenden Wind gemacht. Man ist froh, sich einer größeren Fahrergruppe
anschließen zu können und sucht immer wieder den Windschatten.
Abwechselnd wellige und flache Tempopassagen führen so in
atemberaubendem Panorama an der Küste entlang, wo die zahlreichen
Ortsdurchfahrten mit höchstem Risiko, beinahe lebensgefährlich durchfahren
werden. Rote Ampeln und Zebrastreifen sind Makulatur, auf der Gegenfahrbahn
die Autos zu überholen ist heute ausnahmsweise normal.
200, 230, 250 km signalisiert der Radcomputer - so geht es immer weiter und
gipfelt an der, auch von den Profis so gefürchteten „Cipressa“. Hier windet sich
die Strecke nach 270 km nochmals bei über 32°C Hitze 240 Höhenmeter steil
bergauf. Eine letzte Abfahrt, der Schlussanstieg auf den Poggio, gekrönt vom
Applaus zahlreicher Zuschauer; endlich hat die Schinderei ein Ende. Nie wieder!
Ohne mich!…,eine Cola, ein Wasser, Pasta und Vino mit Nachschlag…naja…
vielleicht, …also nächstes Jahr nicht sofort wieder…
Also das machen wir vielleicht mal wieder…
Das machen wir auf jeden Fall mal wieder!

Horst Borowski

Im Mai 2006 nach meiner ersten Teilnahme an der ARD Radmeisterschaft am Chiemsee sitzen wir Günther und ich mit einigen anderen Kollegen zusammen und lassen den Tag Revue passieren. Günther ist beim Rennen in aussichtsreicher Position schwer gestürzt. Aus dem Rot Kreuz Zelt kommend sieht er aus wie eine Mumie. Nach dem Chek in der Uniklinik München sind alle froh das soweit alles ok ist. Ich bin bei dem Rennen (mein zweites überhaupt ) gerade mal so hinterher gekommen. Aber ich fahre erst seit einem Jahr Rennrad und bin ganz zufrieden. Günther erzählt das er schon mal Mailand San Remo gefahren ist, wie toll es war und das er das nochmal fahren wollte. Darüber hinaus selbst Organisieren. Ich sage spontan zu mitzumachen. Der 10.06.2007 Termin für Mailand San Remo ist ja noch fast ein Jahr entfernt genug Zeit um sich ordentlich vorzubereiten. Mit der Organisation hat alles Günther erledigt. Ich habe nur ein wenig geholfen den richtigen Bus und den Radanhänger zu finden. Am 9.6.07 treffen wir uns morgens um sechs am Funkhaus in Frankfurt laden die Räder, Gepäck und Verpflegung ein und starten pünktlich. Nach Stopps in Karlsruhe und Offenburg, nach einer Pause unterwegs in der Schweiz kommen wir am späten Nachmittag in Mailand an. Einchecken, Fahrrad im Zimmer Spaziergang Abendessen. Ausgabe Startunterlagen. Ich werde langsam Nervös. Habe ich mir vielleicht doch zu viel vorgenommen? Die anderen sehen alle so aus als wären die 294,5 km bis San Remo ein Kinderspiel, von einem höre ich unter 8 Stunden sollte schon drin sein. Ein Glas Rotwein ins Bett. Halb 5 aufstehen Frühstück. Es dauert noch mit dem Frühstück, italienisch eben. Noch ein kleiner Spaziergang. Frühstücksbüffet ist Klasse, alles da von Müsli bis Spagetti, ich habe keinen Hunger kriege kaum etwas hinunter. Es geht los. Zwei Getränkeflaschen am Rad, zwei im Trikot erste Verpflegung in 130 km. Wir Rollen zum Start in einem kleinen Stadion stehen wir mit einigen Kollegen, die mit uns gekommen sind am Start und wollen in einer Gruppe fahren. Startschuss, es kommt mir vor als wird das Rennen auf den ersten Kilometern entschieden, es geht zügig los und wir finden uns in einer gut rollenden Gruppe. Flach fahren wir zwischen 35 bis 40 km/h ich bin erstaunt wie locker es in der großen Gruppe läuft. Ich frage einige Kollegen nach Pinkelpause, alle müssen, keiner will die Gruppe verlieren. Habe keine Erfahrung, rutsche auf dem Sattel hin und her, endlich einige fahren raus. Die anderen sind Sportsfreunde aus Belgien, haben eigenes Versorgungsfahrzeug und Personal, werden betreut. Will auf die nicht warten, mit einem aus dem Bus versuchen wir kurz die Gruppe wieder einzuholen. Chancenlos. Toll noch keine 100 km gefahren, zu zweit, hinter uns kommt gefühlt keiner mehr. Dann kommen doch einige Sportsfreunde im Windschatten ihres Versorgungsfahrzeugs von hinten, habe mühe mich dran zu hängen. Genug trinken nicht vergessen, erste Versorgung. Anfahrt zum Tuchino Pass, meine Moral wird wieder besser, es geht ganz gut, kann an einigen vorbeifahren. Abfahrt nach Genua, super habe eine kleine Gruppe, kaum Blicke für das Meer, höchste Erhebung geschafft jetzt kanns ja so schlimm nicht mehr werden. Denkfehler. Wellig geht es an der Küste entlang, es riecht nach Meer, Fisch und Knoblauch. Am Strand jede Menge Sonnenanbeterinnen, könnte mich locker dazu legen. 13:00 Uhr, schaue nur auf die Uhr an meinem Computer, hälfte geschafft, es geht mir ganz gut. Capo Mele und Capo Cervo und Capo Berta sind hinter mir. Bin platt, ok, jetzt bin ich soweit gekommen, ich schaffe es. Cipressa geschafft noch 50km. Das Ziel zum Greifen nahe, genug trinken nicht vergessen, letzte Herausforderung Poggio di San Remo kommt mir vor wie eine Mauer. Nur noch hier hoch überhole noch zwei die in meiner Altersklasse über 50 sind. Das Ziel, komme unter 11 Stunden an, tolles Gefühl.
Hotel. Der Busfahrer ist noch am Bus, hole mein Gepäck, einige Gepäckstücke sind noch nicht abgeholt, es sind noch nicht alle da. Bin Stolz. Abendessen, alle sind angekommen. Beim zweiten Bier an der Theke fragt mich Günther, machen wir das im nächsten Jahr wieder? Falsche Frage zum falschen Zeitpunkt. Am Montag nach dem Frühstück, Heimreise. Von der Autobahn hat man einen tollen Blick auf Teile der Strecke die wir gefahren sind, habe den Eindruck als kenn ich jede Kurve. Der Gotthardttunnel ist eine Stunde oder länger gesperrt, wir kommen deswegen verspätet an, aber kein Problem. Ein unvergessliches Erlebnis. Bis zum nächsten Mal .
Fred Schmid

Mein radsportliches „Highlight“ 2007 in Stichworten:

seit mehr als 10 Jahren träumte ich schon von einem Start bei Mailand-San Remo (einmal auf der gleichen Strecke fahren wie die Profis bei diesem legendären Frühjahrsklassiker) – immer war bisher etwas anderes dazwischengekommen …

 -beim Radsporturlaub in Kärnten im Juli 2006 infizierte ich mit der Idee einen dort kennengelernten Radsportkameraden aus Eisenach: Peter. Wir verabredeten lose, „das Ding im nächsten Jahr gemeinsam durchzuziehen“

 -beim Kontakt mit dem Veranstalter und den Bedingungen der Ausschreibung taten sich schon jede Menge Komplikationen auf (An-u.Abreise, Lizenz lösen, besonderer Versicherungsnachweis etc.)

 -irgendwann im März die entscheidende Mail von Peter: „Guck mal, da ist einer beim HR, der organisiert genau unsere „Tour“ – sollen wir uns da nicht dranhängen ?“

 -gesagt, getan… aufgrund des milden Winters hatte ich Ende März schon jede Menge Straßenkilometer u. nach einem Trainingscamp über Ostern an der Adria trainiere ich ab April systematisch mit einem speziell ausgearbeiteten Trainingsplan: Saisonhöhepunkt am 10. Juni 2007 Milano-San Remo Habe nen Mordsrespekt vor der Länge der Distanz, weil ich zuletzt 1996 mal mehr als 200 km an einem Streifen zurückgelegt hatte

-als es endlich auf die Reise geht, habe ich knapp 5000 Trainingskilometer und zuletzt 3 Touren zwischen 190 und 250 km in den Beinen

 -es stellt sich heraus, dass Günther Kulessa vom HR die Reise generalstabsmäßig und in jeder Hinsicht an der Radsportpraxis orientiert organisiert hat, angefangen beim professionellen  Radtransport bis hin zu Getränkeflaschen, Riegeln u. Tips für das „Fahren in der Masse“…

 -der Tag ist da: Absolutes Kaiserwetter! Wie für uns gemacht.  Beim Massenstart dauert es bis fast 7.10 Uhr  bis wir aus dem Stadion auf die Strecke kommen. Die ersten 3 Stunden wird dann im großen Pulk für meine Verhältnisse „rennmäßig“ schnell gefahren, der Tacho fast immer über 35, oft 45! Ob das gut geht?  Ich esse und trinke viel, fahre in keiner Gruppe mit, die mir den Puls auf über 145 hochjagt. – und bin schon um 10.45 Uhr an der ersten Verpflegung – Donnerwetter, ein Schnitt von ca. 36! Jetzt bloß nicht über-pacen, über den Paß lasse ich einige Schnellere ziehen, nach der letzten Rechtskurve einer herrlich langen Abfahrt plötzlich links die ligurische Rivieraküste –wir sind am Meer! Volle Kalotte durch die Ortschaften, wo wir an roten Ampeln von Polizisten durchgewinkt werden, der übrige Verkehr wird angehalten.! Ab und zu winken Zuschauergruppen vom Straßenrand, vereinzelt sogar Anfeuerungsrufe … allmählich fühle ich mich wie „Ete“Zabel  in der Spitzengruppe. Als wir über die vorletzte längere Steigung an der Cipressa gehen, merke ich dass schon 275 km hinter mir liegen, aber auch meine Begleiter „zeigen Wirkung“. Zusammen mit Peter, der normalerweise am Berg stärker ist als ich komme ich rüber und bin plötzlich sicher dass ich meine Kräfte richtig eingeteilt habe. Und jetzt die „Hähne auf“- wir können es noch in unter 10 Stunden schaffen!! Am Poggio auf den letzten 2 km ins Ziel tun die Beine auch bei der nur 5-6%igen Steigung richtig weh, trotzdem sprinte ich durchs Ziel – Sekunden später liegen Peter u. ich uns in den Armen – wir haben es geschafft und sind erst mal damit beschäftigt, unsere heroischen Gefühle in den Griff zu bekommen…

- später am anderen Ende von San Remo im Hotel angekommen, zeigt mein Tageskilometerzähler 309,8 km und ich bin überrascht, wie gut ich mich fühle

 -Rückblick: jede Menge zeitaufwändige Organisation erspart; nette Leute kennengelernt;

im Juli gab es nach der Abrechnung von Günther sogar noch Geld zurück und Erinnerungsfotos. Klar, nicht alle hatten soviel Glück wie ich (und einige waren wohl auch schlechter vorbereitet)  Aber für mich war die Tour in jeder Hinsicht gelungen!

Günter Emrich

Eindrücke der Mailand-Sanremo-Reise 2007

Es war für mich die erste Teilnahme beim Radklassiker Milano-Sanremo (295km und 1880 Hm) und sicher ein herausragendes Erlebnis in der zurückliegenden Radsaison 2007. Nicht nur wegen meiner sehr guten Endzeit von 9:24:57 und Platz 14 in der Altersklasse, sondern auch wegen der von Günther Kulessa und seinem Team vom Hessischen Rundfunk so hervorragend organisierten Radreise zu diesem Ereignis mit Start in Milano (Rozzano). Das Organisationsteam hat mit großem Engagement viel Detailarbeit geleistet und so ein gelungenes Radevent auf die Beine gestellt, das man wirklich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

Nachdem ich mich angemeldet hatte, gab es per Email immer wieder umfangreiche Informationen und wissenswertes zum Reiseverlauf. Unsere Rennmaschinen waren in einem Busanhänger so sicher untergebracht, dass man sich um Transportschäden wirklich keine Sorgen machen musste. Für das leibliche Wohl unterwegs hatten die Organisatoren mit allerlei Kuchen und Getränken bestens gesorgt. Die Unterbringung und Verpflegung in den 4-Sterne-Hotels Ripamontidue in Mailand und Grand Hotel Des Anglais in Sanremo war sehr gut. Ganz besonders angenehm war jedoch die lockere und freundliche Atmosphäre während der Reise unter den Reiseteilnehmern, die gleich zu Beginn mit eigens angefertigten hr-Poloshirts mit persönlichem Namenszug und Streckenprofil auf dem Rücken ausgestattet wurden, und so zum Team Hessischer Rundfunk wurden. Zur Freude der Organisatoren wurde von den 40 Startern des Teams Hessischer Rundfunk bei Milano-Sanremo 2007 in der Mannschaftswertung Platz 3 errungen und ein großer Pokal mit nach Frankfurt gebracht.

Es hat mir Spaß gemacht und war für mich ein unvergessliches Erlebnis bei diesem Radklassiker dabeigewesen zu sein. Als Erinnerung gab es von Günter Kulessa im Nachspann einen sehr stimmungsvollen Reisebericht mit einer Bilder-CD und der Teilnehmer-Urkunde. Nicht zu vergessen die mitgebrachte Trophäe, das begehrte Milano-Sanremo-Trikot.

Bei Milano-Sanremo muss man (mindestens) einmal im Radsportleben teilgenommen haben; und dann mit Günter Kulessa und seinem Team vom hR, bei dem ich mich noch einmal ganz herzlich bedanken möchte für dieses gelungene Radevent.

Alfred Ussat

Mailand – San Remo 2007

War die Vorfreude auf oder der Respekt vor der Tour größer ? Nun ja, es hielt sich wohl die Waage.

Bereits 1984 hatte ich an diesem Jedermannrennen teilgenommen und schwelgte seitdem in schönen Erinnerungen. 23 Jahre, eine lange Zeit und ich war gespannt.  

Die Erwartungshaltung an die Tour 2007 als solches und an mich selbst war  groß.

Vergleiche ich 1984 mit 2007,  so sind viele Veränderungen festzustellen. Der Startplatz war in 2007 längst nicht so eindrucksvoll (u. a. Baustelle)  und zudem auch weniger Teilnehmer als in 1984. Darüber war ich überrascht und kann es mir nur mit dem auch in Deutschland festzustellenden Rückgang der Teilnehmer bei RTF´s erklären.

Der Auto- u. Rollerverkehr auf der Strecke enorm. Gerade auf der Küstenstraße blieb teilweise sehr wenig Platz für die Radrennfahrer und schwierige Situationen gab es ohne Ende, daß wiederum machte aber auch einen besonderen Reiz aus.  Das herrliche Sommerwetter und dazu noch ein Sonntag, alles war am Strand – nur wir nicht!  In Deutschland würde wahrscheinlich keiner eine RTF unter diesen schwierigen Verkehrsbedingungen fahren, aber die Emotionen bei Mailand – San Remo lassen über diese Schwierigkeiten hinwegsehen. Hinweggesehen haben wir bei den Ortsdurchfahrten auch über so manches Rotlicht und das gehörte einfach mit dazu. Leichtsinn ? Klar, Rennfieber halt!

Es ist ein interessantes Gefühl am Start zu stehen und Mailand – San Remo vor sich zu haben. Ich dachte, nicht nur am Start,  an die Profis und ihr Leistungsvermögen  (mental u. körperlich). Insbesondere auch dann, wenn es am Ende „leicht hoch“ geht und der Puls irgendwo ist, wo er eigentlich sonst nicht ist.

 Nicht so gut gelöst und sicherlich eine vermeidbare Erschwernis war, daß die 1. Verpflegungsstelle erst nach 130 Kilometern erreicht wurde. Hier hätte es durchaus zuvor Möglichkeiten für eine Verpflegungsstelle gegeben und der Sinn dieser langen ersten Etappe hat sich mir nicht erschlossen. Der Zielstrich – heiß ersehnt – lag auf dem Poggio an einem kleinen Platz und hatte leider längst nicht die Atmosphäre wie das Ziel in 1984 an der Küstenstraße. Das war damals (war ja sowieso früher alles schöner) eine sehr beeindruckende Kulisse gewesen  – links das Meer, rechts die Promenade und jede Menge glückliche?  und stolze Radrennfahrer dort liegend. Das hatte schon etwas gehabt. Die Fahrt vom Poggio nach San Remo war vom Gefühl her für mich nicht der richtige Abschluß. Verklärung der Vergangenheit ? Mag sein, ein wenig Gefühlsdusseligkeit darf ja sein.

Fahre ich auf Zeit oder auf Ankommen? Mit zunehmenden Alter verschiebt sich das Ziel für mich auf Spaß haben, den Körper fordern aber nicht überfordern und Ankommen. So war es dann auch und auch richtig so.

Geplant war, das aus dem HR-Team einige Teilnehmer die Tour gemeinsam fahren. Dieses Ansinnen aber löste sich bereits vor dem Start fast in Luft auf. Im Startbereich war es ziemlich schwierig, sich als Gruppe zu behaupten und so fuhren wir, bis auf wenige Ausnahmen,  als „Einzelkämpfer“ im mehr oder weniger großen Feld. Dies aber tat der Begeisterung  keinen Abbruch.  

Vom Start weg bewegte sich die Tachoanzeige irgendwo im 30/40iger Bereich und der Puls bereits dort, wo er sonst am Berg ist. Noch nicht ganz so richtig wach und schon Tempo. Der „Rausch“ der Geschwindigkeit und die Gruppendynamik ließen das Adrenalin aktiv werden und das Hinterrad wollte gehalten sein. Kam der Wechsel, wurde es schwer und der Gedanke „warum nur tue ich mir das an?“  Irgendwann, so um die 120 Kilometer, war dann doch nicht nur die Luft knapp und die Erfahrung sprach „langsamer, es kommen noch 180 Kilometer!“. Gedacht, getan und etwas ruhiger ging es weiter und dies teilweise alleine. An der Verpflegungsstelle  bei Kilometer 200 traf ich dann auf Günther und sein mentaler Tiefpunkt traf sich hervorragend mit meiner Einstellung für die weitere Tour. Günther hat die weitere gemeinsame Tour  sehr anschaulich beschrieben.

Das gemeinsame Abendessen war ein schöner Abschluß dieses Tages und von Müdigkeit keine Spur. Für die nötige Ruhe und Bettschwere sorgten dann einige „Helle“ und der Tag klang mit großer Zufriedenheit aus. Mit der gleichen Zufriedenheit begann der nächste Tag. Keine schweren Beine und insgesamt ein gutes Gefühl, was ich so nicht erwartet hatte.

Mein herzlicher Dank geht an Günther, der mit viel Mühe, Aufwand, Umsicht, steter Freundlichkeit und unerschütterlichem Engagement uns diese Tour ermöglicht hat. Es gab und gibt nichts zu bemängeln, es war eine perfekt vorbereitete und durchgeführte Tour.

Danke Günther, und viel Freude und Erfolg für die Vorbereitungen Mailand – San Remo 2008.

 

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Bericht aus 2005

 

Günther Kulessa
Mein Bericht über Milano-Sanremo

Am Samstag, dem 11. Juni, geht es los. 5 Uhr aufstehen. Nachdem die Fahrräder verstaut sind, geht es um 6 Uhr 15 planmäßig Richtung Mailand. Gegen 16 Uhr 30 kommen wir an, hier haben wir bis 18 Uhr 15 Gelegenheit für einen Bummel durch die Stadt. Mein einziger Gedanke ist erst einmal, was gibt es denn hier zu essen. Bei einem Italiener bestelle ich mir unter freiem Himmel die erste Portion Spagetti Carbonara. Es ist warm, 24 Grad und sonnig. In der Fußgängerzone gibt es viel zu sehen, eine Menge Italiener und Italienerinnen. Eine Atmosphäre wie auf dem Jahrmarkt. Gegen 18 Uhr 45 sind wir wieder im Hotel, jetzt heißt es Fahrräder, Gepäck, Hotelschlüssel und  Startunterlagen in Empfang nehmen. So geht es schwer bepackt an der Rezeption vorbei zum Aufzug. Meine Zimmernummer ist die 618, also im sechsten Stock. Der Aufzug kommt, just in diesem Moment auch eine Gruppe netter Japaner, ein Radlerkollege und ich sind zuerst im Aufzug, dann drängen die Japaner dazu, die sind es scheinbar gewöhnt, jeden Quadratzentimeter zu nutzen. Acht Personen und zwei Fahrräder auf zwei Quadratmeter, die Tür geht zu. Und wieder auf, der Aufzug streikt. Zwei Japaner steigen aus, die Tür geht zu und wieder auf, wieder steigen zwei aus. Das gleiche Spiel noch einmal bis wir zwei Radler wieder alleine sind. Und- die Tür geht zu und wieder auf. Und jedes Mal winken die Wartenden uns freundlich zu. Schließlich steige ich auch aus. Der Kollege bleibt drin und fährt dann tatsächlich mit diesem Aufzug auf sein Zimmer, merkwürdig. Der nächste Fahrstuhl bleibt dann mir alleine vorbehalten. Im Zimmer angekommen, schnell auspacken, kurz duschen. Um 20 Uhr 30 ist das Abendessen angesagt.

Diverse Getränke, unter anderem einige Rotweinflaschen, stehen an unserem Tisch bereit. Diese sind innerhalb kürzester Zeit unter den Anwesenden verteilt. Von dem Essen ist noch nichts zu sehen. Dann aber kommt die Bedienung mit Nudeln aller Art und einem Salatbuffet. Kaum ist der Tisch mit dem Essen zugänglich, beginnt auch schon der Run darauf, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Als ob alle kurz vor dem Verhungern stehen würden. Binnen kürzester Zeit ist alles weggeputzt, die Bedienung kommt mit dem Nachlegen gar nicht nach, so dass sich immer wieder Warteschlangen bilden. Letztlich sind aber doch alle satt geworden. Und dann, welch Überraschung, treffe ich auf zwei Kollegen von der ARD: Carsten Mumme vom MDR Leipzig und Olaf Müller von der Deutschen Welle Berlin sind auch dabei. An der Bar besprechen wir anschließend unsere morgige Taktik. Um 23 Uhr 30 geht es dann wieder aufs Zimmer.

4 Uhr 30 aufstehen. 4 Uhr 45 Frühstück. Frühstück gibt es bereits seit 4 Uhr und immer wieder Nudeln, Nudeln, Nudeln.... . 5 Uhr 10 wieder auf dem Zimmer, Trinkflaschen fertig machen, vier Stück an der Zahl, die erste Verpflegungsstelle ist erst nach 130 km zu erwarten, Startnummer montieren, Beine massieren. Mein Ziel ist es anzukommen. Und das mit folgender Taktik, die ersten 100 km bis zum Anstieg zum Turchino möglichst schnell zu absolvieren und den Rest dann ohne Stress bis in Ziel zu rollen. Das heißt ein Platz in den vorderen Startreihen ist hier unabdingbar. Gegen 6 Uhr geht es dann wieder zum Aufzug, aber jetzt bin ich im Vorteil. Der Aufzug kommt umgehend, ich muss aber noch einen Umweg in den achten Stock in Kauf nehmen. Auf dem Weg nach unten halte ich wieder im sechsten. Ein Italiener mit Rad steigt zu, er sieht aus wie ein Vollprofi, wie wir alle übrigens. Halt im fünften, die Tür geht auf, es sind nur Radfahrer zu sehen, Tür geht zu, vierter und dritter Stock das gleiche Spiel, echt lustig. Wieder voll bepackt an der Rezeption vorbei zum Bus und das Gepäck verladen. Aufs Rad schwingen und die 4 km zum Start fahren. 20 Grad, zum Teil stark bewölkt, es könnte unterwegs regnen denke ich, aber ich entschließe mich trotzdem in kurz zu fahren. 6 Uhr 20 am Start angekommen, sind schon ca. 30 Fahrer da, also bis jetzt alles planmäßig, gemeldet sind etwas über 800. 6 Uhr 45  es wird ernst, wir müssen durch ein Tor fahren, hier wird der Transponder geprüft, anschließend eine Runde um einen Sportplatz und wieder warten.

6 Uhr 55, um 7 Uhr ist Start, es kommt eine gewisse Unruhe in dem Feld auf, einige Fahrer drängen mit Macht links und rechts auf der Wiese nach vorne. Punkt 7 Uhr geht es los. Erst müssen wir durch ein Nadelöhr, mehr oder weniger zu Fuß, bis wir die Straße erreichen, und schon geht die Post ab. Geschwindigkeiten zwischen 40 und 50 km/h sind hier schnell erreicht. Nach einigen Kreiseln biegen wir links ab und kommen dann auf eine kilometerlange Gerade. Die Spitze ist ca. 300m weiter vorne, ich denke nur, du musst weiter vor. Gedacht, getan! Der Puls steigt bis auf maximal 196. Jetzt sind es nur noch ca. 100 m bis zur Spitze, eine gute Position zum Mitrollen. Das Tempo lässt nicht nach, aber vom Wind gut abgeschirmt wird es schon klappen, denke ich. So weit, so gut, durch die Gefahrenpunkte unterwegs, die entgegenkommenden Autos und Busse, die Verkehrsinseln und die Fahrbahnverengungen kommt es ständig zu abrupten Bremsmanövern, zum Teil bis zum Stillstand und anschließend wieder entsprechendes Beschleunigen, nicht ungefährlich. Immer wieder rotieren verloren gegangene Flaschen durch das Feld ( höchste Gefahr ), durch die enge Fahrweise ist höchste Konzentration erforderlich. Das Trinken unterwegs ist sehr wichtig und sollte man vorher schon einmal geübt haben, auch wie man eine Flasche blind wieder in der Halter bekommt. Die Spitzengruppe ständig im Visier wird das Feld bei Kilometer 80 langsamer, wir bewegen uns nur noch mit ca. 35 km/h. Topfit fühle ich mich, vielleicht gewinne ich ja sogar. So ein Quatsch! Kilometer 100 ist passiert, es läuft noch gut, vom Anstieg zum Turchino (532m) ist nichts zu spüren, also geht es weiter. Von Stürzen habe ich bisher auch nichts mitbekommen, ein Glück. Kilometer 120, die Steigung beginnt, der ständige Ziehharmonikaeffekt hat eine Menge Kraft gekostet, der Durchschnittspuls bis hier hin lag bei 158 Schlägen die Minute. Wie geplant muss ich hier meinen eigenen Tritt finden. Langsam entschwindet das große Feld. Der Computer zeigt mir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 39,5 km/h. Bei Kilometer 130 komme ich zur ersten Verpflegungsstelle, hier werden die Flaschen wieder gefüllt, es gibt Bananen und anderes Obst, Weißbrot mit Käse belegt usw. Auf meiner Alleinfahrt bemerke ich den starken Wind, hoffe aber dass an der Küste, in Erinnerung des Wetterberichts, das nicht zu unseren Ungunsten sein sollte. Gegen 11 Uhr erreiche ich den Pass. Hier treffe ich auch Carsten und Olaf. Gemeinsam begeben wir uns dann auf die 12 km lange Abfahrt nach Genua. Durch Genua hindurch entschwinden mir aber auch die Kollegen, irgendwie bin ich platt. Aber immerhin sind schon 161 km zurückgelegt. Viel Verkehr und eine Menge Ampeln begleiten uns ab jetzt Richtung San Remo. Immer wieder stoppen und anfahren. Der Wind kommt auch nur noch von vorne, leider. Und ständig auf und ab, immer wieder, meine Knie machen sich bemerkbar, das Sitzen fällt schwerer. Der Puls reduziert sich auf um die 130 Schläge pro Minute, es rollt langsam. Noch 30 km bis zur nächsten Verpflegung. Plötzlich an einer Steigung zwischen zwei Ortschaften links ein Parkplatz, ein Italiener, er ruft mir zu, feuert mich an, kommt auf mich zugelaufen, schiebt mich 50 m den Berg rauf, ich denke nur "wow" . Die Motivation ist gehoben, ich schaffe die Strecke, rede ich mir ein. Endlich bei Kilometer 203 kommt die nächste Verpflegungsstelle. Und wen treffe ich hier an, den Carsten, er liegt auf dem Rasen, alle viere von sich gestreckt, Augen zu. "Hi Carsten, wie geht's ?" frage ich ihn. Wir bedauern uns gegenseitig, stellen mehrfach fest, wie platt wir sind und denken eigentlich daran aufzugeben. Knapp 100 km sind ja noch zu fahren. Olaf ist schon weitergefahren. Aber dann, kam Ulrich! Nicht Jan Ullrich, Ulrich aus unserer Reisegruppe. Er spricht uns Mut zu, wir schaffen das zusammen. Jetzt sind wir schon so weit gekommen und den Rest schaffen wir auch noch. Immer wieder, und immer wieder beschwört er uns. Wir fahren gemeinsam! Carsten meint, lass uns die nächsten 20 km probieren und die Reise geht weiter. Bei Kilometer 218 werde ich langsamer und halte auf einer Brücke an, Ulrich und Carsten kommen mir entgegen und richten mich wieder auf. Ulrich bietet mir einen Powerbarriegel an. Diesen nehme ich gerne. Und so rollt der Zug weiter, nach weiteren 10 Minuten fühle ich mich deutlich besser. Beim Anstieg zur nächsten Verpflegungsstelle bei Kilometer 247 fährt Ulrich vor und sagt: "Oben warte ich auf Euch !". Er zieht von dannen, ist nicht mehr zu sehen. Den kriegst du noch, denke ich mir. Also Kette auf das große Blatt und im Wiegetritt hinterher. Mit großen Schritten nähere ich mich Ulrich wieder (hört sich gut an oder), klemme mich hinter ihn und frage dann ganz entspannt, wie weit es denn noch hoch geht. Völlig verdutzt dreht er sich um und sagt: "Weit kann es nicht mehr sein." Oben angekommen warten wir auf Carsten, aber Carsten kommt nicht. Später stellt sich heraus, dass er an der Verpflegungsstelle vorbei gefahren ist und uns nicht gesehen hatte. Schade! Nachdem Ulrich erfolglos noch einmal ein Stück zurück gefahren ist, um Carsten zu suchen, beschließen wir alleine weiter zu fahren. Capo Berta und Cipressa mit seinen 6 km Anstieg rauben mir weitere Kräfte, wonach wir uns einig sind, den Poggio fahren wir nicht mehr. 5,5 km vor San Remo beschließen wir nochmals eine Pause einzulegen. An der Straße setzen wir uns auf eine Treppe und entspannen ein wenig. Anschließend fällt der Aufstieg aufs Fahrrad  recht schwer, die Knie schmerzen, aber die letzten Meter schaffen wir auch noch. Beim Abzweig zum Poggio heißt es dann doch, den fahren wir auch noch. Kaum abgebogen, der Hinweis noch 4 km bis zum Ziel, na also. Freudig überqueren wir den Zielstrich nach 12 einhalb Stunden. Geschafft, Dank Ulrich!!!!!

Um 20 Uhr 30 gibt es Abendessen und viel zu erzählen.

Carsten (11h : 49m : 57s) und

Olaf (10h : 57m : 33s) haben ihr Ziel ebenfalls erreicht,

herzlichen Glückwunsch !!!!!!

 

Und es war doch schön.

 

 

 

 

 

 
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